Kultur

Volker Heißmann in einer seiner Paraderollen als Amos Pinchley, umgeben vom Musicalnachwuchs der August-Everding-Akademie und Nina Weiß als Belle (oben). (Foto: Thomas Langer)

15.03.2019

Knete und Karriere

Volker Heißmann begeistert sechsfach im Fürther Musical „Little Me“

Passender hätte das Geschenk zu seinem 50. Geburtstag nicht sein können: „Mariechen“ Volker Heißmann durfte in einem Stück sechs Rollen spielen. Fürths Komödien-Idol bekam am Stadttheater Fürth ein Musical, das älter ist als er und trotzdem erst jetzt die deutschsprachige Erstaufführung hatte. Fürth feierte Heißmann mit Little Me – das „kleine Ich“ für den großen Entertainer.

Dieses kleine Ich ist ein Mädchen auf der „falschen“ Seite von Leben und Society. Es singt, tingelt, schläft sich hoch zur Diva. Die zwei Akte und fast drei Stunden sind ein Stück vom amerikanischen Traum. Neil Simon (Sunny Boys) und Cy Coleman haben es geschrieben und 1962 uraufgeführt, auch die Remakes vom Anfang der Achtzigerjahre aber waren ein Flop. Auf Deutsch ist das simpel gebaute Musical nicht viel besser geworden. Aber wer einen Volker Heißmann hat, steht trotzdem auf der Erfolgsseite.

Da haben Garderobieren und Maskenbildner vom Fürther Stadttheater zwar so viel zu tun, dass schon mal der Bart verwechselt wird, aber sie machen aus dem 50-jährigen Heißmann einen blonden, 16-jährigen Jüngling in Ralph-Lauren-Sportswear ebenso wie einen geizigen Charles-Dickens-Grufti von der Hypothekenbank, einen Showstar mit Gedächtnisverlust und den fränkischen Grafen, der sein Dorf verkaufen soll.

Stereotype Nummernrevue

Auch die Frau, um die sich alles dreht und die unmissverständlich „Belle“ heißt, gibt es doppelt: als alternde Diva wie in Webbers Sunset Boulevard (Maya Hakvoort) und als quirligen, gertenschlanken Wirbelwind, der die Betten der älteren Herrn aufschüttelt: Nina Weiß hält tanzend und singend mit – mit dem Sechsfach-Star an ihrer Seite und sie schert sich kein bisschen um „#MeToo“, wenn es um Karriere und Knete geht.

Egal, dass das Stück stereotyp wie eine Nummernrevue abläuft, Wirbel genug macht das Ensemble von der Münchner August-Everding-Akademie, das zeigt, was man dort fürs Musical lernen kann: schon (fast) perfekt und witzig als Lazarett-Putztruppe. Aus München kommen auch Stephanie Schimmer und Wolfgang Gratschmaier für die Regie nach dem Konzept von Thomas Enzinger. Dessen Lieblingsbühnenbildner Toto hat ein wandlungsfähiges, aber wenig stimmungsvolles Bühnenbild entworfen.

Die große Showtreppe wie aus Fernsehballett-Zeiten zeigt, was auf dem Programm steht. Schon die ersten Intro-Töne machen klar, dass Thilo Wolf und sein Orchester nicht nur begleiten, sondern die ganze Sache schmissig an sich reißen wollen.

Als Überschrift könnte das, was Belle in der ersten Szene sagt, über allem stehen: „Mein Leben war so bunt.“ Der nicht ungeschickt eingedeutschte Text lässt durchaus ein bisschen Kritik am Tellerwäschertraum durchscheinen, an den Karrieresprossen unter der Bettdecke und daran, dass „Noble“ in Amerika immer noch „Grün wie der Dollarschein“ heißt. Irgendwann schlägt aber in der US-Story als treffsicherer Brüller das fränkische „Allmächd“ ein. (Uwe Mitsching)

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