Kultur

Ronja Losert, Marcel Zuschlag und Marie Nest (v.l.). (Foto: Martin Kaufhold)

04.07.2018

Lust und gute Laune

Shakespeares „Sommernachtstraum“ am Bamberger E.T.A Hoffmann-Theater

William Shakespeares Stücke sind unter anderem deshalb so dankbar, weil er immer mehrere Angebote liefert, wie man sie auf die Bühne stellen kann. Der Sommernachtstraum beispielsweise ist eine somnambule Vision, ein Spiel im Spiel, in das ein weiteres Spiel eingebettet ist. Besser geht’s nun wirklich nicht für Theatermacher, weil hier alles so deutlich Behauptung ist, dass Erfindungsreichtum und Phantasie einfach nur noch andocken müssen. Aber genau das tun und publikumswirksam umsetzen muss man doch auch noch können; wie das geht und welchen Spaß man aus dem Stoff generieren kann, zeigt jetzt beispielhaft die Inszenierung von Susi Weber im diesjährigen Freiluftspiel des E.T.A Hoffmann-Theaters in Bamberg.

Die Inszenierungangebote im Stück sind ebenfalls mannigfach. Weber nutzt vor allem die komödiantischen Aspekte – und die reichlich. Denn in ihrer Inszenierung ist viel zweierlei, übernehmen viele Schauspieler mehrere Rollen, nicht zuletzt deshalb, weil auch im Text Wirklichkeitsebenen sich permanent überschneiden. Es ist eben alles ein (Bühnen-)Traum und so wechseln die Schauspieler permanent ihre Kleidung, bauen die Bühne aus und um (Ausstattung: Luis Graninger), machen Geräusche und Musik, und es ist bemerkenswert, wie etwa die Vogelstimmen, die sie in den Waldszenen imitieren, sich vermischen mit den Tönen der realen Schwalben, Tauben, Spatzen, Amseln in der Alten Hofhaltung vorm Bamberger Dom: Auch hier vermischen sich die Wirklichkeitsebenen.

Und so fuhrwerken, getrieben von den Fabel- und Feenwesen aus dem Hofstaat von Oberon und Titania, zwei Paare mit ihrem Liebesleben und dem Gegenteil von Stetigkeit durcheinander, mühen sich Athener Kleinbürger im Spiel im Spiel durch ein Stück, das ihnen viel zu groß ist. Dessen Aufführung am Ende der Bamberger Inszenierung jedoch zum Lustigsten gehört, was man in dieser Saison bisher an Bayerns Bühnen überhaupt sehen konnte. Wie überhaupt diese Sommernachtstraum-Version von guter Laune und phantasiereichen Einfällen nur so strotzt. Wenn man ein Freillufttheaterstück sucht, das einfach mal Lust und gute Laune macht: bitte, hier isses.

Das rührt natürlich daher, dass auch die Spieler ihren komödiantischen Talenten vogelwild nachgegehen, allen voran hoch komisch Marie Nest als Hermia und Thomas Schnauz. Dazu ein spielfreudiges Ensemble, das ständig Kleidung und Rollen wechselt – alle meistens doppelt besetzt – beispielsweise Marcel Zuschlag als Lysander und Franz Flaut, Paul Maximilian Pira als Demetrius und Hans Schnock, Ronja Losert als Helena und Peter Squenz. Stefan Hartmann ist ein ganz wunderbarer Zettel, der zu jenem Esel wird, der er ja eigentlich auch vorher schon war. Eric Wehlan ist ein Puck, dessen umtriebige Hinterlist auch das Publikum umtreibt. Eckhart Neuberg als Theseus und Oberon und Iris Hochberger als Hippolyta und Titania ergänzen das Zweierlei. (Christian Muggenthaler)

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