Kultur

Herr von Rappelkopf, (Heimo Essl, rechts) schikaniert seinen Dienstboten Habakuk (Pius Maria Cüppers). (Foto: Marion Bührle)

17.02.2012

Märchenspiel und Psychogramm

Georg Schmiedleitner inszeniert Ferdinand Raimunds "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" am Staatsschauspiel Nürnberg

Wenn gütige Geister und finstere Mächte in das Schicksal eingreifen, ist der Weg des Menschen vom Himmel durch die Welt zur Hölle – und umgekehrt – vorprogrammiert. Es sei denn, ein gnädiger Gott oder Geist erbarmt sich und greift ein – und wendet alles ins Glückselige. Aus diesem Stoff schöpfte das österreichische Volkstheater, allen voran Ferdinand Raimund (1790 bis 1836), seine volkstümlichen Stücke. Jetzt inszenierte ein Österreicher, der Regisseur Georg Schmiedleitner, Raimunds „romantisch-komisches Original-Zauberspiel“, die selten gespielte Tragikomödie Der Alpenkönig und der Menschenfeind, am Staatsschauspiel Nürnberg in einer nicht ganz aufgehenden Mischung aus Märchenspiel und Psychogramm.
Den Menschenfeind namens Herr von Rappelkopf, einen Haustyrann und Griesgram, der Familie und Dienstboten bis aufs Blut schikaniert, spielt cholerisch Heimo Essl. Hinter allem und jedem wittert er nur Böses. Widerstand leisten weniger seine willfährige Frau (Nicola Lembach) und seine brave Tochter (Anna Keil), als vielmehr das durchtrieben-hinterfotzige Dienerpaar Lischen und Habakuk, die nicht auf den Mund gefallen sind: Julia Bartolome und Pius Maria Cüppers schnoddern in bestem „Weanerisch“ eine hinreißende Komik-Nummer hin, die das Publikum zu Szenenbeifall animiert.
In der Einsamkeit des schneeweißen Styropor-Eisgebirges (Bühnenbild Florian Parbs), in die sich Rappelkopf in seinem Menschenhass flüchtet, trifft er auf die dienstfertigen Geister (als bizarre Karikaturen Tanja Kübler und Thomas L. Dietz) des sagenumwobenen Alpenkönigs Astralagus (recht eindimensional und viel zu realistisch Christian Taubenheim). Der zwingt den ganz aus dem Holz des Molièreschen Misanthrop geschnitzten Rappelkopf zum Rollentausch: er, der Alpenkönig, kehrt als Rappelkopf ins irdische Tal zurück, wo Rappelkopf in der Rolle seines eigenen Schwagers das schlimme Treiben des falschen Rappelkopfs, also sich selbst, wie in einem Spiegel, beobachten kann.
Es kommt, wie’s kommen muss, ein Happy End zum Märchenschluss: Geläutert geht Rappelkopf in sich und wird zum liebenden Ehemann und herzensguten Vater, der seiner Tochter sogar die Heirat mit dem armen Maler (Philipp Weigand) gewährt und sich als nun „pensionierter Menschenfeind“ zum Menschenfreund mausert. Viel Beifall für eine Inszenierung, die freilich über weite Strecken im psychologischen Realismus stecken blieb und nur manchmal zum zauberhaften Märchenspiel und zur bezaubernden Posse aufbrach.
(Friedrich J. Bröder)

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