Landtag

Die weltweit erste Generation elektronischer Pollenfallen. Bisher mussten die Ergebnisse immer händisch ausgewertet werden. (Foto: Helmholtz Zentrum München)

24.02.2017

Staatliche Pollenflugvorhersage

Durch ePin sollen Allergiker ab 2019 in Echtzeit kostenlos regionale Blütenstaub-Daten abrufen können

Durch das zeitweise milde Wetter im Februar ist sie wieder losgegangen: die diesjährige Pollenflugsaison. Vor allem Hasel- und Erlenpollen haben in den letzten Wochen Allergikern das Leben schwer gemacht. Zwar gibt es immer mehr Anti-Allergika-Produkte auf dem Markt – eine vollständige Heilung ist für die rund zwei Millionen betroffenen Erwachsenen und 300 000 Kinder in Bayern momentan allerdings noch nicht möglich. Insgesamt leiden 30 Prozent der Deutschen und 26 Prozent der Kinder in Deutschland mindestens einmal im Leben unter Pollenflug.

Betroffene sind auf Pollenflug-Vorhersagen wie beispielsweise vom Deutschen Wetterdienst angewiesen. Das Problem: Während das Wetter dort bis auf Landkreisebene für maximal vier Tage vorhergesagt werden kann, existiert beim Pollenflug bisher nur eine zweitägige Vorhersage für Nord- und Südbayern. Dabei gibt es acht Klimapollenzonen im Freistaat. Aus diesem Grund haben das bayerische Gesundheits- und das Umweltministerium 2014 ein Gemeinschaftsprojekt gestartet.

Durch das elektronische Polleninformationsnetzwerk Bayern (ePin) sollen zum einen Klimaforscher genauere Daten bekommen und zum anderen die Qualität der Vorhersagen für Bürger verbessert werden. Bisher wurden ausschließlich die über 40 Jahre alten Burkhard-Fallen genutzt. „Das ist so eine Art Windfahne mit Lufteinlass“, erklärte der Ministerialrat des Gesundheitsministeriums, Martin Hicke. Die eingesogenen Pollen wurden dann einmal in der Woche untersucht und Spezies für Spezies ausgewertet. „Das bedeutete, dass die Pollendaten bereits mehrere Tage alt waren, bevor sie zur Verarbeitung kamen“, verdeutlichte Hicke.

Die bisher genutzten Pollenfallen sind über 40 Jahre alt

Der Regelbetrieb für ePin ist für 2019 geplant. Danach soll es für Allergiker möglich sein, online oder per App mindestens drei Tage vorher eine regionale Pollenflugvorhersage zu bekommen. Das Zentrum Allergie und Umwelt an der Technischen Universität München hat dazu mit dem Münchner Helmholtz Zentrum und dem Fraunhofer-Institut einen elektronischen Pollenmonitor entwickelt. In dem mannshohen Kasten gelangen angesaugte Pollen auf einen Objektträger, werden fotografiert und anhand der Muster mit einer Datenbank verglichen. Statt händisch unter dem Mikroskop werden die Pollen automatisch erkannt und an die verbundenen Rechner weitergeleitet. „Die neue Technik ermöglicht uns sogar eine Kurzintervallauswertung im Drei-Stunden-Rhythmus“, freute sich Hicke.

Die Aufbaukosten von ePin betrugen laut Gesundheitsministerium zwei Millionen Euro. Hinzu kommen Dauerbetriebskosten von 600 000 Euro pro Jahr. Der Abruf der Informationen ist für Bürger dennoch kostenlos – nur Unternehmen wie zum Beispiel Pharmafirmen müssen für individuelle Auswertungen zahlen. Für das Ministerium lohnt sich ePin dennoch. Allergien kosteten die Gesellschaft 2013 rund 609 Millionen Euro – die Hälfte davon allein für Arbeitsausfall und verminderte Arbeitsleistung. „Die Wirtschaftlichkeit ist aus rein gesundheitsökonomischer Sicht also schon erreicht, wenn die Gesundheitskosten um 0,1 Prozent gesenkt werden können“, unterstrich Hicke. „Und das scheint uns erreichbar.“

Neben der CSU war auch die Opposition im Landtag von dem Projekt angetan. „Durch ePin kann ich im Frühling hoffentlich irgendwann wieder durchatmen“, sagte die selbst allergiegeplagte Ruth Müller (SPD). Ihr gefalle vor allem, dass durch die Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Luft und Raumfahrt, dem Landesamt für Umwelt, dem Landesamt für Gesundheit und durch mobile Mikrosensoren für Bürger eine ganzheitliche Betrachtungsweise angestrebt wird. „Wenn 2019 der Startschuss fällt“, versicherte Müller, „bin ich dabei.“ (David Lohmann)

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Kommentare (1)

  1. Buters am 06.03.2017
    Die Firma Hund GmbH in Wetzlar entwickelte und produziert den automatischen Pollenmonitor, und nicht das Helmholtz-Zemtrum München.

    Das Fraunhofer-Institut war über die Firma Hund GmbH in die Software-Entwicklung und Pollenisolation involviert. Das Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM), eine gemeinsame Einrichtung der Technischen Universität München und des Helmholtz Zentrums München, hat die Funktionsfähigkeit des Monitors überprüft.

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