Leben in Bayern

Selfie-Time: Sina Reiß war umwerfend als Katharina Schulze. (Alle Fotos: dpa/Tobias Hase)

13.03.2019

Generation Bibi Blocksberg erklimmt den Nockherberg

Beim Starkbieranstich ist die Politprominenz vom neuen Fastenredner Maxi Schafroth ganz angetan – mit einer Ausnahme

Klar, dass auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger weiß, was beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg am allerwichtigsten ist: „Ich bin oft drangekommen, das war ganz zufriedenstellend“, erklärte der Freie-Wähler-Chef nach dem Debüt von Maxi Schafroth als Fastenredner. Daraus aber, dass ihm die Rede des 34-Jährigen nicht so recht schmeckte, machte Aiwanger keinen Hehl. „Ein paar strenge Winter braucht er noch. Ein gewisses Entwicklungspotenzial ist da“, sagte er und schaute dabei ein wenig angefressen drein. Ein „rotbackertes Kachelofenkind“ nannte Schafroth Aiwanger in seiner Rede. Und er frotzelte: „Natürlich hat man Angst vor Elektroautos und Stromtrassen, wenn man als Kind mal übern elektrischen Weidezaun gebieselt hat.“

Die restliche anwesende Politprominenz war nicht Aiwangers Ansicht. Regelrechte Lobeshymnen sang sie auf den neuen Fastenredner Schafroth. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erklärte begeistert: „Großartig“ fand er die Rede. „Eine der besten Premieren, die jemand gemacht hat.“ Er habe sich ganz bewusst gegen eine Rolle entschieden, sagte Schafroth zu Beginn seiner Rede. „Keine Inszenierung, keine aufgesetzte Schauspielerei, das ist dein Kompetenzbereich, lieber Markus Söder.“ Und auch Alexander Dobrindt, CSU-Landesgruppenchef in Berlin, nannte Schafroths Debüt „herausragend“, obwohl auch er einstecken musste: „Die CSU in Berlin anführen, das ist so wie: ich darf’s Auto lenken – aber aus dem Kofferraum“, spottete der Allgäuer.

Vielleicht sollte Aiwanger ein bisserl bei Söder und Dobrindt Nachhilfe nehmen. Im für den Nockherberg nicht ganz unwichtigen Fach „Gute Miene zum bösen Spiel machen“. Oder beim Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Der wird ebenfalls regelmäßig beim Starkbierfest abgewatscht. „Der Scheuer Andi zum Beispiel ist Charakterdarsteller. Der spielt jeden Tag glaubhaft einen Audi-Mitarbeiter, der so tut, als wäre er Verkehrsminister“, lästerte Schafroth. Und trotzdem sagte Scheuer hinterher brav: Die Rede „war sehr gut und sehr gerecht“. Echt? Man sei ja nicht zum Spaß da, sondern um die Sünden vor Augen geführt zu bekommen, erklärte er.

Spaß gehört beim Politiker-Derblecken am Nockherberg aber natürlich auch dazu. Und den hatte das Publikum auch in diesem Jahr. Der quirlige Fastenredner Schafroth legte einen gelungenen Einstand hin, auch wenn seine Darbietung mehr Kabarett war als Predigt. So jung wie er war übrigens noch kein Redner vor ihm. Und auch in der Politik gibt es immer mehr Junge, wie Schafroth feststellte. „Mal die Hand hoch, die 80er-Jahrgänge“, forderte er. Und zählte auf: „Die Gerlach Judith, der Hagen Martin, der Reichart Hansi. Die Generation Bibi Blocksberg ist in der Politik angekommen.“

Zur Generation Bibi Blocksberg gehört auch die Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze, wie Maxi Schafroth Jahrgang 1985. Noch Stunden nach dem Singspiel lief sie überdreht im Saal herum und erklärte: „Ich habe ein Double, das viel cooler ist als ich.“

Tatsächlich: Sina Reiß war umwerfend als Katharina Schulze. Ständig Selfies schießend nervte sie auf der Bühne alle anderen. Schön hinterfotzig auch ihr Abschiedslied auf die SPD: „Du bist die Asche, wir der Trend. Bald bist du unter fünf Prozent (...) Wir sagen zärtlich dir Adieu. Und bitte Sorry! Sorry, SPD.“

Insgesamt hatte das Singspiel allerdings seine Längen. Es spielte imWellnessbereich im Keller unter der Staatskanzlei, in dem Söder das „Dusel“ gefangen hielt. Nur dank ihm hat der es an die Spitze geschafft. Dusel hat Söder auch im wahren Leben. Stephan Zinner spielt ihn. Ein Lichtblick.
(Angelika Kahl)

Fotos:
Maxi Schafroth mit einem gelungenen Debüt.      
Stephan Zinner glänzte auch heuer wieder als Markus Söder im Singspiel. Mit dem Dusel (Gerd Lohmeyer) – das Geheimnis seines Erfolges.

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Streit um Upload-Filter: Soll die EU-Urheberrechtsreform kommen?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2019

Nächster Erscheinungstermin:
29.November 2019

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 30.11.2018 (PDF, 37 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.