Politik

15.03.2013

Armut und hochgemute Demut

Ein Kommentar von Roswin Finkenzeller

An ihrer Spitze liebt die katholische Kirche das höchstpersönliche Kontrastprogramm. Benedikt gehörte einem anderen Menschentyp an als Johannes Paul, wie auch dieser sich von seinen Vorgängern unterschied. Und nun ein Pontifex, der in seiner ersten öffentlichen Amtshandlung der Menschenmenge einfach einen guten Abend wünscht und sie darum bittet, einen Moment lang für ihn zu beten.
Sie für ihn! Das ist die mit Selbstbewusstsein gepaarte Demut, die schon an Franz von Assisi bestach. Dieser ist übrigens nicht nur arm, sondern auch extrem erfolgreich gewesen. Der Franziskanerorden bewies eine Durchsetzungskraft, wie nach ihm nur noch die Jesuiten, zu denen Papst Franziskus zählt. Sie haben die Welt jahrhundertelang mit ihrer praktischen Intelligenz verblüfft, nicht minder mit ihrer Anpassungsfähigkeit und Verstellungskunst.

Die deutsche Assisi-Schwärmerei


Wahl und Name des Papstes führen zu der Frage: Wer überhaupt ist arm? In der Welt und der Weltkirche unterscheiden sich da die Meinungen, vor allem aber die elementaren Empfindungen. Aus südamerikanischer Perspektive ist ein Hartz-IV-Empfänger ein Mensch, der kaum Mitleid verdient. Den Deutschen mit ihrer Assisi-Schwärmerei wiederum muss gesagt werden, dass Namenspatron Franz neben der Besitz- auch die Anspruchslosigkeit predigte. Vor allem ist zu verinnerlichen, dass der Katholizismus in den wirklich armen Teilen dieser Erde Hochkonjunktur hat und nur in Europa, zumal im betuchten Deutschland, schwach und schwächer wird.
Auch Christenverfolgungen gehören zur Dritten Welt – offenbar nicht zum dauernden Schaden der christlichen Religion. Für Priester allerdings, die täglich damit zu rechnen haben, dass ihre Kirche abgefackelt und ihre Herde durch Folter und Mord dezimiert wird, sind die Frauenordination oder die Aufhebung des Zölibats Luxusthemen, an denen ihnen nicht fürchterlich viel liegt.
Da jedoch die spirituelle Globalisierung den Europäern naturgemäß schwerfällt, hat das Kardinalskollegium in seiner Weisheit fürs erste einen personalpolitischen Mittelweg eingeschlagen. Es wählte keinen aus der Schar der ganz armen Teufel, sondern einen argentinischen Bürger mit italienischen Eltern, einen Halbeuropäer gewissermaßen.

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