Politik

22.12.2017

Beiseitegejubeltes Risiko

Ein Kommentar von Jürgen Umlauft

Über die viel zitierte „kollektive Intelligenz“ der CSU staunt man doch immer wieder. Nach wochenlangem Gezänk über die Besetzung der Führungspositionen hat der Parteitag in Nürnberg die Doppelspitze Seehofer/Söder eindrucksvoll bestätigt. Dass man mit einem sich in inniger Abneigung verbundenen Führungsduo vor dem Landtagswahljahr 2018 ins Risiko geht, wurde bei dem auf höchstem Schauspielniveau inszenierten Harmoniekonvent beiseitegejubelt. Der Wunsch nach Geschlossenheit war einfach zu groß.

Ab dem Frühjahr wird Bayerns Ministerpräsident Markus Söder heißen, ein noch gewöhnungsbedürftiger Gedanke. Denn Söder gilt seinen Kritikern als polarisierender Lautsprecher und als Politiker, der in erster Linie die eigene Karriere im Blick hat. Es fällt in der Tat schwer, sich Söder als abwägenden Staatsmann und fürsorglichen Landesvater vorzustellen. Das war allerdings auch bei Edmund Stoiber so, Söders politischem Vorbild. Das Amt aber verlieh ihm urplötzlich Würde. Vielleicht bekommt Söder diese Metamorphose ja auch hin.

Ein dauerhafter Schulterschluss von Seehofer und Söder: Ob die beiden das hinkriegen?


Noch mehr Vorstellungskraft braucht es, an einen dauerhaften Schulterschluss der beiden CSU-Alphatiere zu glauben. Denn im Alltag lauern Tücken und Sollbruchstellen. Während der Ministerpräsident Söder die CSU-Linie vom „Bayern zuerst“ kompromisslos fahren kann, ist der Parteichef und wohl künftige Bundesminister Seehofer in eine Koalitionsdisziplin eingebunden. Unter dieser Konstellation litt schon das Duo Stoiber/Waigel. Immerhin schafften es diese, sich politisch zu ergänzen und ein breites Wählerspektrum abzudecken.

Söder und Seehofer sind sich dagegen als Typ wie Politiker sehr ähnlich. Beide haben in Nürnberg als entscheidende Zielmarke betont, zur AfD abgewanderte rechts- und nationalkonservative Wähler wieder zur CSU zurückzuholen. Wie das gelingen soll, ohne Bürger in der Mitte zu verschrecken, sagten sie nicht. Der Erfolg des Duos Seehofer und Söder wird also nicht nur davon abhängen, wie es beide schaffen, ihre widerstrebenden Egos zum Wohle der CSU in den Griff zu bekommen. Sondern auch davon, wie es ihnen gelingt, liberale und konservative Wähler gleichermaßen glaubwürdig anzusprechen. Wohin das im Falle des Scheiterns führt, hat man bei der Bundestagswahl gesehen: auf unter 40 Prozent und weit weg von der absoluten Mehrheit.

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