Politik

28.08.2015

Strauß, der ewige Aufreger

Ein Kommentar von Waltraud Taschner

Franz Josef Strauß war in ziemlich jeder Hinsicht das Gegenteil von Durchschnitt: extrem redegewaltig, intelligent, gebildet, ambitioniert im Einsatz für Bayern und die CSU. Einerseits. Andererseits aber eben auch überaus engagiert darin, sein Amt für eigene finanzielle Vorteile zu nutzen. Strauß’ überdurchschnittliche Geschäftstüchtigkeit in eigener Sache ist nicht neu, wenngleich ein jetzt erschienenes Buch mit bis dato unbekannten Enthüllungen über angebliche Schmiergeldzahlungen aufwartet – pünktlich zum 100. Geburtstag der CSU-Legende am 6. September. Klar, dass die Opposition da verlangt, die CSU müsse sich von Strauß’ Gebaren distanzieren. Während die Grünen völlig zu Recht fordern, die CSU möge sich „kritisch mit ihrem früheren Vorsitzenden auseinandersetzen“, platzierte die FDP den eher skurrilen Wunsch, den Münchner Franz-Josef-Strauß-Flughafen – dessen genaue Bezeichnung eh kaum einer kennt – umzubenennen.

Edmund Stoiber distanzierte sich 1993 hurtig von Strauß' Gebaren


Nun ja: Sozusagen offiziell gemacht hat Straußens speziellen Geschäftssinn ohnehin die CSU selbst. Edmund Stoiber war es, der nach seinem Amtsantritt als Ministerpräsident im Jahr 1993 enthüllte, dass Strauß – wie auch sein Nachfolger Streibl – als Testamentsvollstrecker der wohltätigen Friedrich-Baur-Stiftung jahrelang hohe Summen kassiert hatte, gegen den erklärten Willen der Stifter. Diese hatten vergeblich versucht, das – rechtlich unangreifbare – Salär des Regierungschefs zu kürzen. Stoiber lehnte die Zahlungen für sich ab und schaffte es so, nach dem Desaster um Streibls Amigo-Affären den John Wayne der Political Correctness zu geben.
Was angesagt ist bei den Bürgern wie auch bei der eigenen Basis, dafür hat auch Horst Seehofer ein feines Gespür. Als Ministerpräsident stoppte er Stoibers Strauß-Bashing umgehend. Sehr viele CSU-ler fanden das sehr super. Denn, was Stoiber übersehen hatte: Auch wenn etliche Konservative die Spezl-Usancen früherer Dekaden ablehnten – ihr Idol FJS wollten sie behalten. Seehofer ist mit dieser Praxis – Strauß’ Verdienste rühmen, über seine Missetaten schweigen – seither gut gefahren. Was ja ohnehin seinem Politikstil entspricht: dafür sein und doch auch irgendwie dagegen. Eine Strategie, auf die jetzt selbst der FJS-Abtrünnige Stoiber einschwenkt: Bei der offiziellen Strauß-Gedenkfeier in zwei Wochen hält er die Festrede.

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