Politik

Das Bistum Eichstätt hat Millionen mit dubiosen Finanzgeschäften mit Immobilien und Schiffen verloren. (Foto: dpa / Armin Weigel)

05.02.2019

Vorwürfe gegen hohe Priester

Nach dem Finanzskandal im Bistum Eichstätt

Nach dem Skandal um riskante Immobiliengeschäfte in den USA im Umfang von 60 Millionen Dollar haben Prüfer massive Mängel in der Finanzverwaltung der Diözese Eichstätt entdeckt. Der Münchner Rechtsanwalt Ulrich Wastl sprach am Dienstag bei der Vorstellung seines Berichts in Eichstätt von einem von Klerikern gestützten "System Eichstätt". Bei der Verwaltung des Geldes sei auch gegen das Kirchenrecht verstoßen worden.

So sei der vorgeschriebene Rat zur Verwaltung des Diözesanvermögens erst mit mehr als 20-jähriger Verspätung gegründet worden. Zudem sei seine Besetzung kirchenrechtswidrig gewesen, weil beispielsweise nicht die wirtschaftliche Kompetenz der Mitglieder beachtet worden sei. "Eine Vielzahl systemischer Defizite hat den Finanzskandal erst ermöglicht, jedenfalls aber begünstigt", heißt es in dem Prüfbericht.

Das Bistum stellte Strafanzeige gegen einen ehemaligen Mitarbeiter und dessen Geschäftspartner. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München II gegen die zwei Beschuldigten dauern nach Angaben der Behörde an. Es handelt sich um den früheren stellvertretenden Finanzdirektor der Diözese und einen Projektentwickler.

Klerikale Machtstrukturen erhalten


Wastl sieht aber auch hochrangige Geistliche als Verantwortliche für das unzulässige Finanzsystem an. Hier spielten langjährige Priester aus dem Domkapitel aus der Zeit von 2004 bis 2015 eine Rolle. "Wir gehen davon aus, dass dieses System bewusst gewählt wurde, um klerikale Machtstrukturen zu erhalten", meinte der Rechtsanwalt.

Wastl sieht eine gewisse Verantwortung bei dem heutigen Bischof Gregor Maria Hanke, der früher auf eine Reform des Finanzsystems hätte drängen müssen. Hanke selbst stimmte dem zu: "Da hätte ich vielleicht konsequenter sein müssen", sagte der Bischof. Zwei Jahre früher hätte er die Transformation in die Wege leiten können. Er brauche dafür aber auch Mitstreiter und nicht überall sei die Einsicht dazu im Bistum vorhanden gewesen.

Prüfer Wastl betonte, dass der Bischof selbst kaum fachlich das System hätte durchschauen können. Er habe zwar die Leitungsmacht, sei aber kein "Über-Generalvikar" oder "Über-Finanzdirektor".
Das Bistum hat bisher nur etwa ein Zehntel, also rund 6 Millionen US-Dollar (5,3 Millionen Euro), der in den USA investierten Summe zurückerhalten. "54 Millionen US-Dollar sind derzeit noch offen", sagte Wastl. Wie viel davon noch zurückkommt, sei noch nicht klar. Wastl geht aber auf jeden Fall von einem zweistelligen Millionenschaden aus.

Die oberbayerische Diözese hatte im Jahr 2012 auch mit risikoreichen Schiffsbeteiligen fünf Millionen Euro verloren. Als Motiv für den Abschluss dieses fragwürdigen Geschäfts vermutet der Rechtsanwalt eine First-Class-Reise nach Manila im Wert von etwa 20.000 Euro, zu der die Geschäftspartner den damaligen Finanzdirektor des Bistums und seinen Stellvertreter eingeladen hätten.
Bischof Hanke sagte, dass er den Ärger der Gläubigen über die Vorgänge verstehen könne: "Der Imageschaden ist verheerend."
(Ulf Vogler, dpa)

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