Wirtschaft

23.04.2010

Eine Herde talentierter Männer mit dubiosen Ambitionen

Eine Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung ließ die Frage offen, ob Manager die besseren Unternehmer sind

Im unterfränkischen Castell und in Herten am nördlichen Rand des Ruhrgebiets scheint die Wirtschaftswelt noch in Ordnung zu sein. Wolfgang Graf zu Castell-Castell, Direktor der Fürstlich Castell’schen Bank, präsentierte in München den Leitspruch seines Hauses: „Treu und wahr“. Karl-Ludwig Schweisfurth, jetzt 80 Jahre alt und früher Produzent der „Herta Wurstwaren“, bekannte sich zur Devise seines Vaters: „Streng, aber gerecht“. Beide erzählten von ihren florierenden Familienunternehmen und ließen die von der Hanns-Seidel-Stiftung gestellte Frage offen, ob Manager die besseren Unternehmer seien.
Doch schon die Begrüßungsrednerin Claudia Schlembach hatte einen wesentlichen Unterschied markiert: Der Manager verliere in der Krise nicht sein Vermögen, der Unternehmer schon. Später kam es verbal ganz dick. „Manager gleichen sich wie ein Ei dem anderen, Unternehmer nicht. Manager dienen nicht der Firma, sondern dem Headhunter“, sagte Günter Ogger, Autor eines einstigen Bestsellers über „Nieten in Nadelstreifen“.
Von seinem Buch, dem er die Einladung zu der Vortragsveranstaltung verdankte, rückte der Wirtschaftsjournalist insofern ab, als er das mit den Nieten nicht mehr gelten lassen wollte. Damals, in den 90er Jahren, hätten sich die Manager nur halten können, weil sie ein „Oligopol“ bildeten, eine verschworene Gemeinschaft im Geiste des Filzes. „Heute sind sie nicht verschlafen, sondern zu hektisch.“ Sie wieselten herum und brüsteten sich, 16 Stunden am Tag zu arbeiten. „Sie folgen jedem Trend, und sei er noch so dämlich.“ In dieser gewissermaßen zweiten Krise des Managements sah Ogger jedoch eine Krise des Unternehmertums. Die Aufsichtsräte seien viel zu nachsichtig, die Firmenbesitzer viel zu leichtgläubig.

(Roswin Finkenzeller)

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