Wirtschaft

23.08.2013

Gegner zu Freunden machen

Naturschutzmann wird PR-Chef für Straßenprojekt

Eigentlich sind es recht belanglose Personalien, wenn in einer Stadtverwaltung Jobs im gehobenen Dienst besetzt werden. Doch in Nürnberg geht es seit Kurzem heiß her. Denn mit André W. wurde der bisherige Geschäftsführer der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe als Öffentlichkeitsarbeiter für den umstrittenen „Franken-schnellweg-Tunnel“ eingestellt.
Für den örtlichen CSU-Chef und bayerischen Finanzminister Markus Söder „wird hier der Bock zum Gärtner gemacht“. Die Grünen fauchen: „Der kennt die Strategie der Gegner ganz genau.“ Doch der Betroffene behauptet lapidar: „Ich wechsle nur den Arbeitgeber, nicht meine Meinung.“ Sprich: Nicht André W., sondern sein jetziger Arbeitgeber BN sei gegen, er selbst aber schon immer für das teuerste Bauprojekt in der Geschichte der Stadt.
Doch Markus Söder vermutet gar SPD-Klüngel hinter dem Wechsel. Denn immerhin stand André W. auf einem aussichtsreichen Sozi-Listenplatz zur Stadtratswahl 2014. Den Platz hat W. nach der Jobzusage prompt zurückgegeben. „Hat man ihn gekauft?“, fragen deshalb Frankentunnel-Gegner ganz unverblümt.
Doch viele erkennen hinter der Kritik des CSU-Finanzministers nur Wahlkampfgetöse. Und ein Söder-Eigentor. Denn mit Wolf-gang Köhler leitet ausgerechnet dessen Parteifreund das für Jobs grundsätzlich zuständige städtische Personalreferat. Köhler war zum Zeitpunkt der Auswahl im Dienst, wenn auch nicht direkt beteiligt, wissen Insider.
Für den Tunnelbau verantwort-lich ist der städtische Eigenbetrieb Service Öffentlicher Raum – SÖR. Weshalb der für SÖR zuständige Personalamts-Mitarbeiter dabei war, als sich W. wie neun weitere Bewerber vorstellen durfte. Und natürlich war das Personalamt auch an der Entscheidung beteiligt.
Beim BN, W.s bisherigem Arbeitgeber, nimmt man dessen Wechsel auf die Gegenseite ziemlich gelassen. „Es lässt tief blicken, wenn sich ein Finanzminister um das Personal eines städtischen Eigenbetriebs kümmert“, merkt Richard Mergner süffisant an, der Landesbeauftragte des BN. Und er ergänzt sarkastisch: „Bei der Umsetzung des Klimaschutzes ist kein Personal da, aber für ein klimaschädliches Projekt braucht man noch jemand, der es positiv in Szene setzt.“ (Heinz Wraneschitz)

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