Wirtschaft

22.01.2010

KOMMENTAR: Wurstvorräte für schlechte Zeiten

Von Ralph Schweinfurth

Beamte sind faul und gefräßig – das wussten wir schon lange. Dass sie jetzt auch noch überversorgt sein sollen, ist neu. Laut aktueller DIW-Studie sind sie die wohlhabendste Berufsgruppe in Deutschland und deutlich besser gestellt als Angestellte. Beim Bayerischen Beamtenbund kann man über derlei Aussagen nicht mehr lachen. Denn regelmäßig reiten Wirtschaftsverbände Attacken auf die Staatsdiener.
Gerne nimmt es die Wirtschaft hin, dass zum Beispiel Rechtssicherheit ein enormer Standortvorteil Deutschlands im globalen Wettbewerb ist. Wenn dafür aber unverschämterweise Steuern bezahlt werden müssen, um Beamte zu entlohnen, die diese Rechtssicherheit gewährleisten, lamentieren die Lobbyverbände sofort über Benachteiligung deutscher Firmen in gerade diesem globalen Wettbewerb. Ganz abgesehen davon, dass sämtliche Aussagen der DIW-Studie stark anzuzweifeln sind, weil sie willkürlich Parameter miteinander vergleicht, die nicht vergleichbar sind.
Es geht ums Prinzip. Will man einen funktionierenden Staat, der mittels Polizei und Justiz für Recht und Ordnung sorgt, mittels öffentlichem Schulsystem angesichts des immer schärfer werdenden Fachkräftemangels jeden potenziell Talentierten ausbildet? Oder will man Zustände wie in der Volksrepublik China, wo Ideenklau und Korruption das Wirtschaftsleben erschweren? Oder Zustände wie in angelsächsischen Ländern, wo nur Talente gefördert werden, wenn die Familie genügend Geld in der Hinterhand hat?
Tatsache ist, dass Beamte gegenüber Angestellten rund 7 Prozent weniger verdienen und deshalb auch keine Beiträge zur Rentenversicherung zahlen müssen. Das ist nur gerecht so. Nur die Politik hat es versäumt, diese 7 Prozent als Rücklagen zur Finanzierung der Pensionen anzulegen. Aber das ist, um mit CSU-Übervater Franz Josef Strauß zu sprechen, wie mit dem Dackel, dem man sagt, er soll Wurstvorräte für schlechte Zeiten anlegen.

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