Wirtschaft

Die Bauern haben Angst vor der Afrikanischen Schweinepest. In Tschechien ist sie ausgebrochen, Wildschweine könnten sie einschleppen - aber auch die Brotzeit von Reisenden und Lkw-Fahrern könnte zum Problem werden. (Foto: dpa)

31.12.2017

Schweinepest in der Wurstsemmel

Bauernpräsident Heidl votiert für Einfuhrbeschränkung

Zur Abwehr der Afrikanischen Schweinepest plädiert Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl neben einer stärkeren Wildschweinjagd für zeitweise Einfuhrbeschränkungen von bestimmten Lebensmitteln. Schneller als über Wildschweine könne die Krankheit über den Transitverkehr eingeschleppt werden, warnte der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Er begrüße die Initiative der Staatsregierung, die Jägern für das Erlegen bestimmter Wildschweine 20 Euro zusätzlich zugesagt hat. "Dieser Kabinettsbeschluss war notwendig und ist ein wichtiger weiterer Schritt in der Seuchenvorsorge", sagte Heidl. Aber: "Es ist nicht nur das Schwarzwild."

Die Seuche könne im Führerhaus von Lastwagen mitreisen - als Brotzeit von Fahrern aus Tschechien, aber auch aus Litauen oder der Ukraine. Rohe Wurstwaren wie Salami aus den betroffenen Gebieten in Osteuropa könnten belastet sein. Werfe ein Fahrer Reste einer Wurstsemmel weg, die das Virus enthalte, sei die Infektionsgefahr groß. Nicht nur Wildschweine, auch Nager wie Ratten könnten den Erreger übertragen; über sie könne er in heimische Schweineställe gelangen. Schweinehalter müssten hier zusätzliche Vorsorgemaßnahmen treffen und besonders auf Hygiene achten.

Kein Impfstoff verfügbar


Gegen das Virus gibt es keinen Impfstoff. Bei einem Ausbruch in einem Stall müssten alle Schweine im betroffenen Betrieb sowie im Umkreis getötet werden. Ein Ausbruch wäre für die heimischen Schweinezüchter eine "Katastrophe", sagte Heidl.

Die Seuche breitet sich derzeit von den baltischen Staaten und Osteuropa her aus. In der Nähe von Warschau wurde der Erreger bereits bei vierzig verendeten Wildschweinen festgestellt. Damit sei die Seuche noch rund 300 Kilometer entfernt. Dies dürfe aber nicht dazu führen, die Gefahr zu unterschätzen. Auf den Transitstrecken sei diese Entfernung in wenigen Stunden zu überwinden.

Besonders gefährlich sei in diesem Zusammenhang die Einfuhr von Schweinefleischprodukten aus Osteuropa, warnte Heidl.

Massive Bejagung


In Tschechien gelinge es derzeit, die Seuche mit massiver Bejagung einzudämmen. "Wir appellieren an die Jäger, auch hier mehr Wildschweine zu schießen."

Das Virus ist für den Menschen ungefährlich, doch kann es sich auch über längere Zeit in Lebensmitteln halten. Insbesondere der freie Binnenmarkt und die hohe Mobilität in den Weihnachtsferien erhöhten die Gefahr der Einschleppung.

Heidl regte deshalb an, an den Grenzen die Einfuhr von Produkten aus rohem Fleisch vorübergehend einzuschränken. Reisende rief er zu Achtsamkeit auf. Die Staatsregierung plant hier bereits mehrsprachige Aufklärungskampagnen in den Grenzgebieten zu Tschechien, gezielte Kontrollen der Veterinärbehörden und strengere Hygienemaßnahmen.
(Sabine Dobel, dpa)

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