Wirtschaft

12.10.2018

Sinnvoller Grenzwert: E-Autos sind gefragt

Ein Kommentar von Ralph Schweinfurth

Während VW über die von den EU-Umweltministern beschlossene Senkung des CO2-Ausstoßes von Neuwagen bis 2030 um 35 Prozent herumjammert, geht BMW mutig voran. Der Münchner Autokonzern übernimmt 75 Prozent an einem chinesischen Joint-Venture und will im Reich der Mitte ein neues Werk errichten. Dort sollen vor allem E-Autos hergestellt werden. Zwar sollen diese vorrangig für den chinesischen Markt produziert werden. Aber die anderen BMW-Werke werden sicher vom dortigen Know-how profitieren. Somit katapultiert sich BMW auf die elektromobile Überholspur und dürfte mit den neuen EU-Vorgaben keine Probleme haben.

Diesem Beispiel sollten auch die anderen deutschen Fahrzeughersteller folgen. Sie haben jahrelang den Trend zur E-Mobilität ignoriert. Allen voran hat Audi lieber auf die Entwicklung von Schummelsoftware für den Diesel gesetzt. Die Konsequenzen für den Ingolstädter Autobauer und den gesamten VW-Konzern sind bekannt.

Wieso allerdings Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) jetzt seine Kabinettskollegin, Bundesumweltministerin Svenja Schulze, attackiert, in Brüssel schlecht verhandelt zu haben, ist nicht nachvollziehbar. Erst Anfang dieser Woche hat der Weltklimarat vor den dramatischen Folgen der Erderwärmung gewarnt. Der CO2-Ausstoß muss sinken – je schneller umso besser. Die sintflutartigen Regenfälle mit mehreren Todesopfern auf Mallorca zeigen, dass der Klimawandel real ist.

Weshalb aber warnen VW-Chef Herbert Diess und Bundesverkehrsminister Scheuer vor dem drohenden Verlust hunderttausender Jobs in der deutschen Autoindustrie, wenn die CO2-Reduktionsziele der EU zu ehrgeizig sind? VW hätte genauso viel Zeit gehabt wie BMW, sich auf die geänderten Rahmenbedingungen einzustellen. Im Übrigen gibt es ja auch bei VW Modelle mit Elektroantrieb. Doch scheinbar hat man in Wolfsburg nicht entschieden genug auf die Zukunft gesetzt, weshalb jetzt das große Zittern umgeht. Konkurrent BMW hat hier schlicht mehr Engagement gezeigt.

Insofern hilft nur politischer Druck. Dieser kommt jetzt zum Glück aus Brüssel. Denn nur mit ambitionierten Vorgaben wird sich in den verkrusteten Strukturen des VW-Konzerns etwas bewegen. Allein das Zaudern, sich vom in U-Haft sitzenden Ex-Audi-Vorstandschef Rupert Stadler zu trennen, zeigt, wie schwerfällig VW ist.

Jetzt müssen die deutschen Autobauer schnell attraktive E-Autos entwickeln. Unpraktische Fahrzeuge wie der BMW i8 sind hierbei fehl am Platz. Gefragt sind familientaugliche Kombis, agile Kleinwagen und die leider so beliebten SUVs. Dann wird alles gut.

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Kommentare (1)

  1. DonVito am 13.10.2018
    Die Lüge mit den "Arbeitsplätzen" ist nicht mehr zu ertragen.
    Seit Jahren schon wandern diese aus Deutschland nach Silicon valley und China aus.
    Entweder haben die meisten unserer Politiker 0 Ahnung von der Materie oder werden im Hintergrund mit anderen Bonbons versorgt.
    Das Verkehrsminister traditionell ein wichtiger Vertriebspartner der Autoindustrie sind, ist klar. Doch leider von kurzfristigen Quartalszahlen und nicht langfristig Konsequenzen geprägt.

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