Wirtschaft

Bosch ließ zuletzt zahlreiche befristete Verträge in seinem Bamberger Werk auslaufen. (Foto dpa/David Ebener)

11.01.2019

Und raus bist du

Die zunehmende Unsicherheit in der Automobilbranche hat bislang vor allem für Zulieferer und Leiharbeiter negative Folgen

Die Zollstreitigkeiten und andere Unwägbarkeiten auf dem Weltmarkt machen Bayerns Autoindustrie zunehmend zu schaffen. Auch die Dieselkrise fordert ihren Tribut. 2018 baute Bosch Stellen ab, ein weiterer bayerischer Zulieferer spart massiv und BMW trennte sich zuletzt von Leiharbeitern.

Bei manchen Arbeitern im Bamberger Bosch-Werk geht die Angst um. In dieser Woche wurde bekannt, dass die Dieselkrise bei dem Zulieferer für Autokonzerne im vergangenen Jahr zahlreiche Arbeitsplätze in der Antriebstechnik gekostet hat. In den Werken im saarländischen Homburg und im bayerischen Bamberg seien insgesamt 600 Stellen abgebaut worden, sagte der zuständige Bereichsvorstand Uwe Gackstatter der Branchenzeitung "Automobilwoche". Ein Sprecher des Unternehmens sagte auf Nachfrage der "Staatszeitung", es gehe um 200 Stellen in Bamberg und weitere 400 in Homburg. So seien etwa befristete Verträge nicht verlängert worden, zum Teil seien auch Mitarbeiter in Vorruhestand gegangen. Andere Angestellte hätten Aufhebungsverträge unterschrieben – zudem wurden der Sprecherin zufolge Stellen von Mitarbeitern, die in Rente gingen, mitunter nicht nachbesetzt. Da die Nachfrage nach Diesel-Autos sinke, riefen die Kunden auch weniger Komponenten dafür bei Bosch ab.

Matthias Gebhardt, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Bamberg, beziffert den Umfang des Stellenabbau im Gespräch mit der "Staatszeitung" höher. Demnach seien in Homburg über 400 Stellen abgebaut worden. In Bamberg habe das Unternehmen die Zahl der Angestellten innerhalb eines Jahres von 7800 auf 7500 verringert. „An die 100 davon gingen mit Aufhebungsvertrag“, so Gebhardt. Die Stimmung in der Belegschaft sei gedämpft. Die Arbeitnehmervertreter erwarten eine Verschärfung der Krise und fürchten einen weiteren Stellenabbau. „Wir erwarten nun den Einschlag“, sagt Gebhardt.

Zur Frage, ob ein weiterer Stellenabbau geplant sei, wollte Bosch keine Prognose abgeben. Der Konzern verhandle derzeit mit den Arbeitnehmern über Ersatztechnologien. Man könne aber noch nicht sagen, ob die negativen Effekte aus dem Diesel ausgeglichen werden könnten.

Auch andere Firmen sparen zunehmend beim Personal


Auch bei anderen Zulieferern war das wirtschaftliche Umfeld zuletzt schwieriger geworden. Das bekommen auch fränkische Arbeiter dieser Tage zu spüren. Michael Stoschek, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Firma Brose, kritisierte zuletzt massiv die Autoindustrie. Die wegen der zuletzt aufgrund der zunehmenden Handelsstreitigkeiten und mitunter auch der Dieselkrise immer unsicherer gewordenen Absatzerwartungen machen den deutschen Autokonzernen zu schaffen – zumindest manche reichen den größer gewordenen Kostendruck offenbar einfach an ihre Zulieferer weiter. Stoschek sagte der SZ im Dezember: „Wir haben Fälle, wo deutsche Automobilhersteller uns nicht mehr erlauben, ein Angebot aus einem deutschen Standort abzugeben.“ Um die Kosten zu drücken, würden Hersteller auf Zulieferung aus billigeren osteuropäischen Standorten bestehen. „Wir brauchen aber die Unterstützung unserer Kunden, wenn wir die Produktion in Deutschland erhalten wollen.“

Zugleich sprach er über ein Sparpaket. Das Ziel: die Produktionskosten am Standort bis 2024 um 42 Millionen Euro zu senken. Gut die Hälfte des Einsparvolumens steuern die Beschäftigten bei, etwa indem sie weniger Zuschläge bekommen und bezahlte Pausen stark reduziert werden.

Auch im Regensburger BMW-Werk gab es zuletzt schlechte Nachrichten. Für 1000 Leiharbeiter, die dort in der Nachtschicht arbeiteten, endete im Spätherbst 2018 ihre Tätigkeit bei dem Fahrzeugbauer. Ein Teil von ihnen dürfte als Zeitarbeiter jedoch in anderen Firmen weiterbeschäftigt werden. Die Sonderschicht war im Jahr 2016 aufgrund der damals extrem guten Absatzzahlen eingeführt worden. „Es war klar, dass das nicht ewig geht. Dennoch sind manche Leiharbeiter nun natürlich verunsichert“, sagt ein Regensburger BMW-Betriebsrat der BSZ. Festangestellte müssen sich bei dem Premiumhersteller derzeit jedoch keine Sorgen um ihre Jobs machen, wie es aus dem Münchner Betriebsrat heißt. (Tobias Lill)

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