Wirtschaft

Die Vielfalt von Bayerns Genossenschaften. (Grafik: GVB)

12.04.2018

Wertschätzung durch die Politik

Bayerns Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften erzielten 2017 ein Ergebnis und einen Umsatz auf hohem Niveau

Sichtlich zufrieden mit Umsatz und Ergebnis der genossenschaftlichen Waren- und Dienstleistungsunternehmen in Bayern zeigte sich Jürgen Gros, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB). Denn das genossenschaftliche Modell erfreut sich laut Gros weiterhin „ungebrochener Attraktivität“ und strahle auch international aus. Bayerns Genossenschaften hätten ihren wirtschaftlichen Stellenwert für den Freistaat auch 2017 bewiesen. Die 1067 Unternehmen (zwölf Genossenschaften weniger als 2016) mit ihren mehr als 18 800 Mitarbeitern erzielten vergangenes Jahr einen Gewinn von 247,8 Millionen Euro. Damit erreichten die Betriebe nahezu das Rekordergebnis des Vorjahrs von 252,2 Millionen Euro. Den Umsatz steigerten sie um 5,3 Prozent beziehungsweise 627 Millionen Euro auf die neue Bestmarke von 12,5 Milliarden Euro. Dieser Rekord sei preis-, nicht absatzbedingt.

Allerdings betonte der GVB-Präsidenten aber auch, dass eine hohe Mitgliederzahl nicht die „relevante Kennzahl“ ist, sondern das Kriterium, dass die Mitgliedsgenossenschaften gesund sind und das sei der Fall. In Summe, so Gros, wurden die bayerischen Genossenschaften gut geführt, was sich auch darin spiegelt, dass es 2017 keine Insolvenz einer Genossenschaft gab.

Das Wachstum ist laut Gros insbesondere auf die deutlich verbesserte Marktlage der Milchwirtschaft zurückzuführen. So stiegen die Auszahlungspreise für konventionelle Milch im Jahresdurchschnitt 2017 um 29 Prozent auf 37 Cent je Kilogramm an. Ebenfalls erfreulich entwickelten sich unter anderem die Umsätze der ländlichen und der gewerblichen Genossenschaften. Insgesamt bereichern die Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften die bayerische Wirtschaft in über 30 Branchen und werden dabei von über 660 000 Mitgliedern getragen. Sie sind Teil der insgesamt 2,9 Millionen Mitglieder umfassenden Genossenschaftsorganisation im Freistaat.

„Die Bürger engagieren sich in Genossenschaften, um vor Ort gesellschaftliche oder wirtschaftliche Versorgungslücken zu schließen. Sie kümmern sich um ihre Lebensverhältnisse und sorgen damit für eine attraktive Heimat“, hob der GVB-Präsident hervor. Auf diese Weise leisteten die Genossenschaften auch einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der regionalen Wirtschaft und Gesellschaft. Dies ist für Gros gelebte Eigenverantwortung.

Mit großer Freude habe er den Koaltionsvertrag zwischen Union und SPD zur Kenntnis genommen, sagte Gros. Denn das genossenschaftliche Modell erfahre von der neuen Bundesregierung Wertschätzung. Er zitierte eine Passage aus dem Koalitionsvertrag, in dem eine Stärkung der „nachhaltigen und krisenfesten Unternehmensform in unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen“ angekündigt wird. „Wir begrüßen ausdrücklich, dass sich die Bundesregierung für Genossenschaften einsetzen will“, sagte der Verbandspräsident. Nicht zuletzt am Erreichen dieses Ziels werde der GVB die Große Koalition messen.

Gros machte ebenfalls deutlich, dass die Genossenschaftsidee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen auch 200 Jahre nach dessen Geburt nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt habe. Dazu trage insbesondere das Prinzip der Eigenverantwortung bei, für das Raiffeisen stets eintrat, anstatt staatliche Hilfe einzufordern. „Eigenverantwortung zählt zu den konstituierenden Merkmalen der Sozialen Marktwirtschaft. Allzu oft wird das leider vergessen“, so der Verbandspräsident.
Als Beispiel führte der GVB-Präsident die zuletzt immer wieder geäußerte politische Forderung an, staatlicherseits in die genossenschaftlichen Milch-Lieferbeziehungen einzugreifen. „Genossenschaften schützen ihre Mitglieder vor den Folgen unberechenbarer Marktentwicklungen“, sagte er. Zudem sei es den Landwirten möglich, die Lieferbedingungen nach demokratischen Spielregeln eigenständig zu gestalten. Diese privatwirtschaftlichen Beziehungen staatlich zu steuern, würde nicht dazu beitragen, Preisschwankungen zu glätten. Vielmehr würde dadurch die stabilisierende Wirkung der Genossenschaften aufs Spiel gesetzt.

„Auch in der Politik sollte man Raiffeisens Idee Rechnung tragen“, so Gros, „und auf dem Milchmarkt weiter auf die Eigenverantwortung und Gestaltungskraft der Genossenschaftsmitglieder vertrauen. Das hat sich seit mehr als hundert Jahren bewährt.“ (Friedrich H. Hettler)

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