Bauen

08.06.2012

Energieeffizientes Bauen soll bezahlbar bleiben

Experten diskutierten beim Mauerwerkstag 2012 in Memmingen

Die Theorie ist simpel: Die günstigste und umweltfreundlichste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Wie energieeffizientes Planen und Bauen in der Praxis aussieht und wie sich bis zum Jahr 2020 sogar Plusenergiehäuser realisieren lassen, darüber diskutierten die Experten beim Mauerwerkstag 2012 in der Memminger Stadthalle. 370 Architekten, Planer und Bauunternehmen aus dem Allgäu, Bayerisch-Schwaben und Baden Württemberg blickten allerdings nicht nur in die Ferne, sondern in erster Linie auf die aktuelle Novellierung der Energie-Einspar-Verordnung (EnEV).
Debattiert wurden darüber hinaus fachspezifische Fragen zu Themen wie Schallschutz, Bauakustik oder dem „Zusammenspiel von Haustechnik und Gebäudedämmniveau“. Die Ziegelwerke Klosterbeuren und Bellenberg sowie „Südwest Ziegel“ organisierten die Fachveranstaltung, die seit Jahren ein zentraler Treffpunkt für Experten aus der Branche ist.
„Durch die Atom-Katastrophe in Fukushima ist die Energiewende nicht nur bei uns Bauexperten ein Thema, sondern noch stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Wir Baufachleute beschäftigten uns bereits seit Jahren damit, wie wir Energie sparend und Ressourcen schonend bauen können. Mit Hilfe des Mauerwerkstags in Memmingen sorgen wir dafür, dass wir nachhaltige Lösungen anbieten können, die auf der einen Seite dem gesteigerten Umweltbewusstsein Rechnung tragen und auf der anderen Seite auch den immer steigenden Anforderungen genügen, die der Gesetzgeber ans Bauen stellt“, sagte der kaufmännische Geschäftsführer des Ziegelwerks Klosterbeuren, Thomas Thater.
Gleichzeitig warnte Thater vor einer stetigen Verteuerung des Bauens: „Wir haben hier die Schmerzgrenze längst erreicht. Durch die Verschärfung der Normen sind in den vergangenen Jahren auch die Baukosten stetig angestiegen, so dass Bauen für viele schlicht unbezahlbar geworden ist. Diesen Trend müssen wir aufhalten.“
Vor welche Herausforderungen die neue Energie-Einspar-Verordnung (EnEV) 2012/13 Architekten, Planer, Bauingenieure und Bauunternehmen stellt, das führte Stefan Horschler, Architekt aus dem Büro für Bauphysik Hannover, aus. Der Experte stellte dabei nicht nur die bisherigen Nachweiswege den neuen Methoden gegenüber, sondern thematisierte auch den Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes, der in der DIN E 4108-2 neu gefasst ist. „Das Nachweissystem muss vereinheitlicht werden, damit es künftig nur noch eine Vorschrift für den Wohnungsbau gibt“, so Horschlers Appell an die Politiker.
Über die Planung und Realisierung eines „Plusenergiehauses“ sowie das perfekte Zusammenspiel von Haustechnik und Gebäudedämmung sprach Erik Fischer, Geschäftsführer bei Kurz und Fischer in Winnenden. Fischer stellte klar, dass der Bau eines Plusenergiehauses mit Ziegeln problemlos zu realisieren sei und riet, „bei Dämmmaterialien auf neueste Standards zu setzen“. Er sprach sich für die Verwendung von Vakuum-Isolierglas aus: „Nicht nur bei Fenstern ist es von zentraler Bedeutung, Wärmebrückenverluste zu vermeiden.“
Aktuelles zum Schallschutz im Mauerwerksbau präsentierte Thomas Hils, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schallschutz, Bau- und Raumakustik von der Hils Consult GmbH in Kaufering. „Im Schallschutz muss sich die Herangehensweise künftig komplett ändern. Bisher wird in Europa stets von der baulichen oder planerischen Seite reglementiert, aber die effektiven Auswirkungen auf die Bewohnerinnen und Bewohner werden dabei nicht berücksichtigt. Der Schutz der Menschen muss aber im Vordergrund stehen“, erklärte Hils.
Ins „Handwerks-Marketing der Zukunft“ entführte Bernd W. Dornach, der Leiter des Uni-Marketing-Instituts Augsburg. Dornach sprach über die Chancen und Risiken von Social-Media-Marketing und erörterte, wie sich die neuen Möglichkeiten auch im Handwerk sinnvoll nutzen lassen. Dornach: „Facebook & Co. werden die klassische Marketinginstrumente sicher nie ersetzen. Aber sie fördern die direkte Kommunikation mit den Kundinnen und Kunden und sorgen so dafür, dass sich das Marketing wieder zu seinem eigentlichen Kern zurückorientiert, nämlich hin zum Dialog mit den Kunden.“

Lückenlos dokumentieren


„Arbeit muss sich lohnen“, meinte Fachanwalt Joachim Maus und appellierte in seinem Vortrag an die Teilnehmer, Vergütungsansprüche rechtssicher zu vereinbaren. „Vorbeugen ist besser als heilen – das gilt auch am Bau“, sagte Maus. Der Experte riet unter anderem dazu, Veränderungen etwa in Verträgen oder Aufträgen lückenlos zu dokumentieren. Dies gelte auch für die erbrachte Leistung.
Zusätzlich zu den Fachvorträgen gab es beim Mauerwerkstag 2012 eine Ausstellung im Foyer der Memminger Stadthalle. Die Ziegelwerke Klosterbeuren und Bellenberg präsentierten Ziegel der neuesten MZ-Generation des Firmenverbunds „Mein Ziegelhaus“. Weitere Aussteller zeigten aktuelle Produkte aus den Bereichen Putz- und Mörtelsysteme, Ziegelrollladenkästen, Heiztechnik und Solarenergie, Betonfertigteile, Abdichtungssysteme oder mineralische Dämmstoffe. (BSZ)

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