Bauen

Der Marienplatz in Großmehring nach seiner Umgestaltung. (Foto: Dömges Architekten AG)

01.09.2017

Schöner schlendern

Die oberbayerische Gemeinde Großmehring hat ihren zentralen Marienplatz und die angrenzende Straßenräume neu gestaltet

Aus der städtebaulichen Grobanalyse der oberbayerischen Gemeinde Großmehring (Landkreis Eichstätt) ging die Notwendigkeit hervor, die gestalterische Einbindung der Ortsdurchfahrt (B 16a) zu verbessern. Insbesondere war dies für den zentralen Bereich im Ortskern notwendig. Dort sind Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistungen und öffentliche Einrichtungen sowie das Rathaus angesiedelt – die Qualität der Straßen- und Platzräume entsprach jedoch nicht dem ortszentralen Charakter und bot keinerlei angemessene Aufenthaltsqualitäten.

Im Zuge der Umwidmung der B 16a zur Gemeindestraße ergaben sich schließlich zahlreiche Spielräume zur umfassenden Aufwertung der Straßenräume. Hierbei wurde angestrebt, die Verflechtungsbereiche zu den privaten Anwesen (zum Beispiel Hofeinfahrten, Mauern, Hauseingänge) einzubeziehen.

Die Planung für den 1. Bauabschnitt umfasste eine Fläche von etwa 3900 Quadratmetern und beinhaltete den gesamten Marienplatz mit Einmündungsbereich der Raiffeisenstraße und tangierender Staatsstraße St 2335 (Do-naustraße) sowie die Regensburger Straße (St 2335) bis einschließlich der Zufahrt zur Mariä-Himmelfahrt-Kirche.

Die Umgestaltung des 1. Bauabschnittes (Planung: Dömges Architekten AG und U.T.E Ingenieur GmbH, beide Regensburg) wurde im Juni 2015 abgeschlossen – im Rahmen eines Gemeindefestes wurde der Marienplatz feierlich an die Bürgerinnen und Bürger von Großmehring übergeben.

Charakteristika der Verkehrsführung und Zonierung:

• Die Fahrbeziehung auf der Staatsstraße St 2335 (Donaustraße, Regensburger Straße) ist nunmehr in der Ortsmitte vorrangig und vorfahrtsberechtigt. Die Fahrbeziehung von Westen her (Ingolstädter Straße, nur noch Gemeindestraße) über den Marienplatz wird in untergeordneter Weise auf die Staatsstraße geführt.

• Die Fahrbahn der Staatsstraße St 2335 (Donaustraße/Regensbur-ger Straße) zieht sich als Asphaltband durch; der Marienplatz mit Fahrgasse aus der Ingolstädter Straße einschließlich des Einmündungsbereiches der Raiffeisenstraße ist vollflächig gepflastert.

• Um den räumlichen Gesamtzusammenhang des Marienplatzes zu stärken, wurde das Asphaltband der Staatsstraße so unauffällig wie möglich über den Platz geführt und das Umfeld des Rathauses an der Ostseite des Platzes in die Materialität des Platzes einbezogen.

Trenn- und Mischprinzip

Im Bereich des Marienplatzes wurden die Fahrgassen und Seitenflächen niveaugleich (ohne Borde) ausgebildet, das heißt, die von Westen kommende gepflasterte Fahrgasse ist lediglich durch zwei Muldenrinnen (Granit-Dreizeiler) vom eigentlichen Platzbereich abgegrenzt.

Im Verlauf der Staatsstraße sind sowohl im Bereich des Marienplatzes als auch in der Regensburger Straße beidseitig Fahrbahn und Seitenflächen (Gehwege/Stellplatzflächen) durch eine sogenannte Homburger Kante (die Höhe des Bordes beträgt drei Zentimeter) voneinander getrennt.

Die Breite der Fahrgasse von Westen her über den Marienplatz wurde auf 5,50 Meter einschließlich der Rinnen verringert. Die Breite der Fahrgasse der Staatsstraße St 2335 (Donaustraße/Regensburger Straße) wurde auf 6,50 Meter einschließlich der Rinnen verringert.

Da die Busbuchten am Marienplatz und im Verlauf der Regensburger Straße zurückgebaut wurden, konnten die für den Fußgängerverkehr nutzbaren Seitenflächen nun deutlich vergrößert werden.

Der östliche Teil des Marienplatzes ist von Stellplätzen nahezu vollständig freigehalten. Im Westteil des Platzes wurde die Zahl der vorher bestehenden Stellplätze weitgehend erhalten. Die Stellplätze vor dem Gebäude Marienplatz 10 wurden jedoch an die Fahrgasse herangerückt und mit Bäumen (Feldahorn) von der Gebäudevorzone abgeschirmt. In diesem Bereich wird in naher Zukunft das neue Rathaus der Gemeinde entstehen. Auch die Längsstellplätze an der Donaustraße wurden weitgehend erhalten.

Stellplätze neu geordnet

Für die zu pflasternden Platzbereiche und Seitenflächen am Ma-rienplatz wurde ein Plattenbelag aus heimischem Granit verwen-det. Die sich nach Osten in der Regensburger Straße anschließenden Gehweg- und Seitenflächen wurden in einem ortsbildverträglichen Betongestaltungspflaster ausgeführt.

Im Einmündungsbereich der Raiffeisenstraße wurde der topografischen Situation Rechnung getragen: Der Freisitz der Bäckerei auf einer kleinen Terrasse wurde mit einer Stützmauer mit Geländer von den Verkehrsflächen abgesetzt. Auf der gegenüberliegenden Seite wurde der Höhenausgleich über einige Treppenstufen erreicht.

Die Mariensäule wurde nach Nordwesten verschoben, auf die Bauflucht des Bankgebäudes ausgerichtet und stärker ins Blickfeld von Westen und Osten gerückt. Gleichzeitig wurde sie von einem Baumpaar (Kugelakazien) und Sitzgelegenheiten eingerahmt.

Die notwendigen Fahrradabstellplätze wurden in der Vorzone des Bankgebäudes und im Umfeld des Rathauses in Form von Anlehnbügeln angeboten.

Die westlich des Rathauses geschaffene Querungshilfe („Doppelquerung“ für mobilitätseingeschränkte und sehbehinderte Menschen) wurde durch vier Leuchtpoller eingerahmt.

Ein Baumtor (Säuleneichen) an der Donaustraße östlich des Bankgebäudes markiert den Eingang zum Marienplatz von Süden und schirmt die dort entstandenen Längsstellplätze optisch ab. Der Eingangsbereich zur Metzgerei erhielt einen kleinen Bereich für eine mögliche Außenbewirtschaftung.

Im nördlichen Rathausumfeld wurde die durch die Miniermotte stark geschädigte Kastanie durch einen neuen raumwirksamen Laubbaum (Platane) ersetzt. Die vorherige kleinteilige Gestaltung, Bepflanzung und Ausstattung entfiel. Aufgrund der Verlegung der Rampe zum Rathauseingang entstand mehr Raum für eine großzügigere Platzgestaltung.

Die Stützmauer zur Flurnummer 77 wurde verkürzt, um die Sichtverhältnisse bei der Ausfahrt aus der bestehenden privaten Tiefgarage zu verbessern.

Die Fahrbeziehung von der Regensburger Straße nach Westen über den Marienplatz wurde durch Poller verdeutlicht.

Um das Überfahren und Beparken des Platzbereiches zu unterbinden, wurden nachträglich Pflanztröge aufgestellt.    Die Vorzone zur Kircheneinfahrt sollte gestalterisch besser an den Bereich Marienplatz/Regensburger Straße angebunden werden. Hierzu wurde der Einmündungsbereich der Starkstraße und die Vorzone der Kirchenzufahrt in die Pflasterung mit Betongestaltungspflaster einbezogen. In diesem Bereich entstand eine Anforderungsampel, um gerade älteren Menschen das Queren der Staatsstraße im Kirchenumfeld zu erleichtern.

Die Ausleuchtung des Marienplatzes ist über auffällige Mast-leuchten moderner Prägung gewährleistet. Im Verlauf der Regensburger Straße (Staatsstraße) erfolgt der Übergang zu schlichten, aber ortsbildverträglichen technischen Leuchten. Die Akzentuierung besonderer Elemente (Brunnen am Rathaus, Mariensäule) erfolgt über Bodenstrahler. Die neuen Baumpflanzungen wurden optisch über Bodenstrahler in Baumschutzscheiben betont. (Monika Seywald/Dömges Architekten AG)

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