Kommunales

Bei den Anschlägen am Flughafen und in der U-Bahn von Brüssel wurden insgesamt mindestens 24 Menschen getötet. (Foto: dpa)

22.03.2016

Andere Bauweise hilft Folgen von Terroranschlag abmildern

Der Münchner Professor Norbert Gebekken forscht zu besonderen Materialien

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat nach den Anschlägen von Brüssel zum Kampf gegen den islamistischen Terror aufgerufen. "Wir sind fest entschlossen, dem feigen Terror die Stirn zu bieten und uns nicht einschüchtern zu lassen", sagte die CDU-Politikerin heute bei einem Truppenbesuch in Bad Reichenhall. Sie stehe noch immer unter dem Eindruck der Anschläge, ergänzte von der Leyen.

Um Terroraanschläge wie in Brüssel künftig zu erschweren, sind vor allem die Sicherheitsbehörden gefordert. Die Wissenschaft aber kann - wenn denn ein solches Unglück nicht abzuwenden ist - die Folgen für die Bevölkerung verringern. Dabei spielt vor allem die Bauweise in der Innenstadt eine entscheidende Rolle. Bereits seit den Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center vom 11. September 2001 forscht die Universität der Bundeswehr München verstärkt auf dem Gebiet des baulichen Schutzes zum Schutz der Zivilbevölkerung bei Anschlägen.

"Bauliche Infrastruktur zeigt fast immer dieselben Schwachstellen, die bei Anschlägen zur Gefährdung von Menschen und Anlagen führen - wie jetzt auch in Brüssel", erläutert Professor Norbert Gebekken, der Leiter des Forschungszentrums RISK (Risiko, Infrastruktur, Sicherheit und Konflikt) an der Bundeswehr-Uni und Präsident der International Association of Protective Structures. "Es sind geschossartige Glassplitter, Ausbauteile, wie Deckenverkleidungen und Leichtbauwände, und Einrichtungsgegenstände, die Menschen töten und verletzen", so der Wissenschaftler. Das habe man tarurigerweise auch schon in Oslo, Paris, Madrid und London bei früheren Anschlägen beobachten können.

Die geschossartigen Glassplitter verletzten und töten Menschen

Doch dieses Risiko lässt sich verringern, ist Gebekken überzeugt. Forscher hätten  wir inzwischen explosionssichere Gläser und Glasfassaden entwickelt, die aber teurer sind als Normalglas. "Gerade im vergangenen Jahr wurden sichere Stadtmöblierungen und Anpflanzungen wissenschaftlich untersucht, um Auswirkungen von Anschlägen auf Zivilbevölkerung zu reduzieren", berichtet der Hochschullehrer und ergänzt vorwurfsvoll in Richtung der Politik: "Man fragt sich als Wissenschaftler, warum diese sicheren baulichen Schutzsysteme nicht für bestimmte kritische Infrastrukturen vorgeschrieben werden.

Es gäbe allerdings bereits gute Beispiele für Bauweisen, die Terrorfolgen abmildern könnten - beispielsweise der Londoner Flughafen Heathrow, Terminal 5, aber auch der Zugbahnhof Paddington Station in der britischen Hauptstadt, diverse Botschaften und generell die meisten jüdische Zentren, die EZB und die Bundesbank in  Frankfurt/M.

Münchens Flughafen-Infrastrukturchef Thomas Weyer äußerte sich kritisch über "so genannte Experten" mit "reflexartigen Äußerungen" über zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen. "Alles, was wir schnell tun können, läuft bereits", sagte Weyer. Bundes- und Landespolizei hätten ihre Streifen und Zufallskontrollen verstärkt, die Sensibilisierung der Flughafenmitarbeiter in puncto Sicherheit sei erhöht. Über weitere Schritte wie etwa Zugangskontrollen für alle Besucher des Flughafens müsse in den nächsten Tagen und Wochen mit tatsächlichen Experten beraten und abgewogen werden, "was wirklich sinnvoll ist". Kosten oder ein Passagierrückgang dürften dabei kein Argument sein.
Das Sicherheitsrisiko könnte am Ende jedoch vielleicht nur verlagert werden, sagte Kerkloh, der am Dienstag selbst am Flughafen Brüssel war: "Das muss man sich sehr, sehr gut überlegen." Die Kontrollen auf Flughäfen seien heute schon viel schärfer als etwa in Bahnhöfen. Viele Maßnahmen seien für die Passagiere gar nicht sichtbar. In München gebe es bislang keine längeren Wartezeiten, sagte Weyer. (APL, dpa)

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Kommentare (1)

  1. esinclair am 23.03.2016
    "Wenn ein solches Unglück nicht abzuwenden ist" - d. h. also, dass man sich mit der neuen Situation einrichtet. Es ist ja nicht zu ändern....
    Das kommt mir so ähnlich vor, wie im Märchen mit dem nackten Kaiser. Statt das Naheliegende zu sagen und zu tun (das, woran alle denken, es aber nicht zu sagen wagen), wird an Symptomen herumgeflickt.
    Derweil verändern Mächte im Hintergrund unser Land. Ist es überhaupt noch unser Land? Es ist so krank!

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