Kommunales

Für einen stabilen Wildkatzenbestand in Bayern sind große naturnahe und unzerschnittene Waldflächen nötig. (Foto: dpa)

16.02.2015

Der Wildkatze auf der Spur

Bundesweites Pilotprojekt von Bund Naturschutz und bayerischem Forstministerium

Das bayerische Forst- und Landwirtschaftsministerium und der Bund Naturschutz sind in diesem Winter und Frühjahr gemeinsam einer sehr seltenen Waldbewohnerin, der Wildkatze, auf der Spur. Staatsminister Helmut Brunner und der BN-Vorsitzende Hubert Weiger starten heute im Neuburger Wald bei Passau das Forschungsprojekt. Etwa dreihundert Mitarbeiter der BaySF, Jäger und Ehrenamtliche des BN suchen mit „Lockstöcken“ erstmals auch in Südbayern nach Haaren der äußerst heimlichen Tierart. Hubert Weiger warnt: „Nur etwa 300 Wildkatzen leben in Bayern – sie brauchen mehr alte Wälder als ihren Kernlebensraum und weniger Landschaftszerschneidung durch Straßen!“
Hintergrund: In Bayern war die Wildkatze ausgestorben. 1984 startete der BN eine Wiedereinbürgerungs-Aktion und setzte bis 2009 vor allem im Spessart über 600 Wildkatzen aus. Dort entwickelte sich das erste bayerische Wildkatzenvorkommen. Der Spessart und danach die Rhön und die Haßberge galten in den letzten Jahren als die einzigen sicheren Wildkatzen-vorkommen in Bayern. 200 ehrenamtliche Helfe, darunter Jäger und Förster, konnten in den Wintern 2013 und 2014 - auch dank einer Förderung aus Mitteln der Jagdabgabe - mit über 1100 Lockstöcken neue Wildkatzenvorkommen im Steigerwald, im Nürnberger Reichswald und im Jurabogen bis nördlich der Donau belegen.  Erste Nachweise südlich der Donau im Raum Augsburg und ein Fund im Landkreis Unterallgäu waren der Anlaß, um jetzt in einer konzertierten Aktion auch Südbayern genauer unter die Lupe zu nehmen.  Das Vorhaben ist ein bundesweit einzigartiges.

Baldrian als Lockmittel


Um Nachweise zu bekommen, gibt es eine raffinierte Mtehode: Baldrian. Das  lockt die scheuen Katzen an. Raue Holzstäbe als „Lockstöcke“ werden an geeigneten Stellen in den Waldboden gesteckt und mit Baldrian-Lösung besprüht. Reiben sich Wildkatzen daran, so bleiben einige Haare, eingeklemmt im Holz, zurück. Die abgesammelten Haare werden genetisch untersucht. In Bayern führt diese Analysen das Bayerische Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht (ASP, Teisendorf, Oberbayern) durch. Diese Daten gehen dann zur weiteren wissenschaftlichen Auswertung und Detailanalyse an das Forschungsinstitut Senckenberg im hessichen Gelnhausen, das dort eine bundesweite genetische Datenbank zur Wildkatze aufgebaut hat.
Die Europäische Wildkatze durchstreifte unsere Wälder schon lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen aus Afrika mitbrachten, aber kaum einer bekommt sie je zu Gesicht. Deutschlandweit wurde sie durch intensive Bejagung fast ausgerottet. Heute ist sie streng geschützt und kehrt langsam zurück in unsere Wälder. Jetzt gilt es, ihre bevorzugten Lebensräume - alte Wälder - zu schützen und die Gefährdung durch den Straßenverkehr zu minimieren. Die meisten der gefundenen toten Wildkatzen sind nämlich Verkehrsopfer.(BSZ)

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