Kommunales

Da stimmt jedes Detail: Peter und Maria-Magdalena Endres aus Giebelstadt tragen gerne die Ochsenfurter Tracht, weil sie als selbstbewusste Franken Wert auf Tradition legen. (Foto: Mayerhöfer)

08.07.2011

Franken feiert, was das Zeug hält

Der „Tag der Franken 2011“ in Bad Kissingen zelebriert das Selbstbewusstsein eines traditionsreichen Volksstammes in vielfältiger Weise

Das ist Balsam für alle fränkischen Seelen, die sich im Freistaat Bayern mitunter zu kurz gekommen glaubten. Beim „Tag der Franken 2011“ in Bad Kissingen huldigte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer seinem nördlichsten Volkstamm mit einer Vielzahl an Komplimenten und nannte Franken ein „Fünf-Sterne-Land“ und einen „leuchtenden Stern“.

Beim offiziellen Festakt in der Wandelhalle des weltberühmten Bayerischen Staatsbades lobt er Frankens wirtschaftliche Stärke und kulturelle Vielfalt: „Dies bereichert und stärkt Bayern!“ Fast jeder zweite Franke engagiere sich ehrenamtlich, sagt Seehofer anerkennend. Bei der Energiewende in Bayern werde Franken das Flaggschiff sein. Schon jetzt sei die Region Vorreiter bei den erneuerbaren Energien. „Der Stolz auf Franken gehört zur bayerischen Staatsraison“, versichert der Landesvater unter dem Jubel seiner fränkischen Landeskinder. Diese könnten furchtlos durchs Leben gehen, denn Deutschlands und Bayerns Innere Sicherheit sei mit Hans-Peter Friedrich und Joachim Herrmann (beide CSU) fest in fränkischer Hand. Überdies stelle Franken mit Barbara Stamm (CSU) als Landtagspräsidentin protokollarisch die zweite Person im Freistaat.
Der „Tag der Franken“ ist in diesem Jahr eine enge Kooperation der drei kommunalen Ebenen Bezirk Unterfranken sowie Landkreis und Stadt Bad Kissingen. „Dieser junge Festtag geht zurück auf ein historisches Datum“, berichtet Bad Kissingens Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD): „Im Juli des Jahres 1500 wurde auf dem Reichstag von Augsburg die Einteilung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in Reichskreise in die Wege geleitet. Der Fränkische Reichskreis hatte dann bis zum Ende dieses Reiches im Jahr 1806 Bestand. Am 18. Mai 2006 beschloss der Bayerische Landtag, den Tag der Franken abwechselnd in den Regierungsbezirken Ober-, Mittel- und Unterfranken jeweils am ersten Juli-Wochenende zu veranstalten.“ Dass dies heuer in Bad Kissingen geschehe, sei ein Glücksfall, verbinde sich hier doch fränkischer Charakter mit bayerischem Staatsgefühl und weltläufiger Attitüde.

„Zukunft braucht Herkunft“


„Zukunft braucht Herkunft“, betont Erwin Dotzel (CSU), der Bezirkstagspräsident von Unterfranken: „Entscheidend für die Zukunft eines Landes oder einer Gesellschaft sind immer die Wurzeln, die geistigen ebenso wie die religiösen und kulturellen. Eine gemeinsame fränkische Identität ist daher eine gewaltige Chance für die hier lebenden Menschen – nicht zuletzt für die jungen Leute, die ihre Zukunft nicht länger in der weiten Welt draußen suchen, sondern hier in der Heimat.“ Dotzel geht es an diesem Festtag um eine fränkische Standortbestimmung: „Wir sind stolz auf unsere Geschichte. Und wir blicken selbstbewusst in die Zukunft!“
Bad Kissingens Landrat Thomas Bold (CSU) äußert den Wunsch, der „Tag der Franken 2011“ unter dem Motto „Singendes, klingendes Franken“ möge allen Besuchern als lebendiges Beispiel fränkischer Lebensfreude in Erinnerung bleiben. In diesem Sinne wirbt er auch für die bis 17. Juli dauernden Unterfränkischen Kulturtage in Bad Kissingen.
Ungeahnte Höhen erreicht das fränkische Selbstbewusstsein, als Ministerpräsident Seehofer die Bühne des dicht besetzten Marktplatzes betritt. Glänzend aufgelegt gibt Seehofer zahlreiche Erkenntnisse über Franken zum Besten. Unter Hinweis auf einen nicht namentlich genannten Parteifreund mit abruptem Karriere-Ende nennt er dabei geflissentlich die jeweiligen Urheber. So zitiert er den unterfränkischen Kabarettisten Erwin Pelzig: „Ist der Franke weltoffen? Das kommt auf die Welt an.“ Folglich sei der Franke nicht gerade mit Komplexen behaftet. Günther Beckstein, Seehofers fränkischer Amtsvorgänger als Ministerpräsident, habe die Frage „Sind Franken kommunikativ?“ so beantwortet: „Wenn man uns nichts fragt schon.“ Von Eberhard Schellenberger, einem Moderator des Bayerischen Rundfunks, hat er die Einsicht: „Um Franken dreht sich der Kosmos. Gott hat es so gewollt. Wir schweigen und genießen voller Selbstzufriedenheit.“ Zum krönenden Abschluss machte sich Seehofer die Worte des Bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. zu eigen: „Die Franken sind die Besten!“


„Franken bleibt bei Bayern“


Die Menschen jubeln, die rot-weißen Fahnen mit dem fränkischen Rechen flattern im Wind und die unterfränkischen Festtags-Veranstalter halten mit ihrem so gestärkten Selbstbewusstsein nicht mehr hinterm Berg. Bad Kissingens OB Kay Blankenburg versichert: „Franken bleibt bei Bayern. Wir können nicht verantworten, dass der Freistaat vor die Hunde geht.“ Landrat Thomas Bold tut kund: „Franken bringen den Altbayern das Lesen bei. Denn fränkische Lehrer müssen zuerst dort Dienst tun, bevor sie in ihre Heimat zurückkehren dürfen.“ Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel witzelt: „Als die Germanen bei der Völkerwanderung von Nord nach Süd an die Donau kamen, stand dort ein Schild: ‘Hier endet Franken.‘ Die, die lesen konnten, sind dageblieben.“ Bei solchen Frotzeleien in angenehmer Atmosphäre muss sogar der Oberbayer Seehofer herzlich lachen.
Das Wetter lässt zwar etwas zu wünschen übrig, aber sonst werden die Erwartungen der Veranstalter voll erfüllt, wenn nicht gar übertroffen. Rund 30.000 Menschen aus Ober-, Mittel- und Unterfranken feiern fröhlich und vergnügt bei einem vielseitigen und abwechslungsreichen Programm ihren „heimlichen Nationalfeiertag“. Sie erfüllen den Slogan „Singendes und klingendes Franken“ mit so viel Leben, dass es eine wahre Pracht ist und die kühlen Temperaturen schnell vergessen werden. Das Spektrum des Programms reicht von fränkischer Volksmusik und Trachtentanz über Klassik bis Jazz, Pop und Rock. Liedermacher, Chöre, Musikkapellen, Spielmannszüge, Tanzgruppen und Bands aus der Region begeistern durchweg mit ihrem Können und Repertoire.
Weil aber Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhält, liegt ein weiterer Schwerpunkt auf kulinarischen Köstlichkeiten wie dem Frankenwein im weltbekannten „Bocksbeutel“ sowie Spezialitäten aus der Rhön-Saale-Region. Die unterfränkische Küche präsentiert „Apfelkräpfli bis Zämata“, die mittelfränkische macht Lust auf „Bauchsteckerla bis versoffene Jungfern“, während die oberfränkische Küche mit Rezepten von „Bumberskraut bis Zwetschgenknödel“ brilliert.
Begeistert vom Tag der Franken ist auch Peter Endres aus Giebelstadt, der mit seiner Frau Maria-Magdalena in echter Ochsenfurter Tracht nach Bad Kissingen gekommen ist: „Tolles Programm. Nur schade, dass so wenige Tracht tragen.“ Umso mehr schätzen sie, dass Bezirkstagspräsident Dotzel heute in fränkischer Tracht auftritt. Peter Endres ist stolz auf seinen eigenen schwarzen Dreispitz aus Filz, die blaue Jacke, beige Kniebundhose mit weißen Strümpfen, hellblaue Schleife und die rote Weste mit goldenen Knöpfen. Endres erklärt, wie das früher war: „Je mehr Knöpfe, desto höher das Ansehen des Bauern.“ Der Giebelstadter Trachtenfreund hat viele davon.
So stilgerecht sind der neunjährige Max und sein siebenjähriger Bruder Franz nicht angezogen. Sie tragen hellblaue Regenjacken und bewegen sich im Rhythmus der Würzburger Pop-Gruppe „Wegweiser“, der Nachwuchsband des Jahres 2009, die mit eigenen deutsch-sprachigen Liedern überzeugt. Gerade haben die beiden Buben aus Hardheim im baden-württembergischen Neckar-Odenwald-Kreis neue musikalische Vorbilder gefunden, schließlich lernen sie selber Klavier und Gitarre. Doch warum sind sie mit ihren Eltern hier? „Wir haben im Internet vom Tag der Franken gelesen. Unsere engere Heimat heißt badisches Frankenland. Also gehören wir auch dazu!“, erklärt Max im Brustton der Überzeugung. Und sein kleiner Bruder Franz ergänzt: „Es ist schön, ein Franke zu sein.“
(Leo Mayerhöfer)

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