Kultur

Motiv aus der Serie "Archivadores en archivo" (2007) von Ignacio Uriarte - hier ein Ausschnitt, die Gesamtansicht und weitere Motive finden Sie ind er Bildergalerie am Ende des Beitrags. (Foto: MMK)

09.01.2017

Rund um den Schreibtisch

Das Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt zeigt ab April, wie Künstler Bürowelten interpretieren

Das Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt zeigt ab Sonntag, 2. April die Ausstellung „Out of Office. Büro-Kunst oder das Büro im Museum“. Die Ausstellung präsentiert Werke und Installationen der Konkreten und Konzeptuellen Kunst, die das Büro als Sinnbild der modernen Gesellschaft und ihrer Organisationsprinzipien thematisieren. Die Objektkünstlerin Tina Haase realisiert dabei eine temporäre Wandarbeit für das MKK.

Künstlerinnen und Künstler aus dem Umfeld der Konkreten und Konzeptuellen Kunst interessieren sich für das Büro als Sinnbild  für Regulierung, Ordnung, Verwaltung und Bürokratie, auch für Herrschaft und Machtausübung. Hier werden verwaltungstechnische Regeln definiert, festgehalten, umgesetzt. Bürokratische Aufgaben sind durch eine rigorose Regelbefolgung gekennzeichnet, wie sie sonst nur mathematische Operationen und religiöse Rituale kennen.

Die Ausstellung ist in mehrere Abschnitte gegliedert. Ein großes Kapitel widmet sich den Büromaterialien. Es beginnt mit den frühen Arbeiten von Peter Roehr aus den 1960er Jahren, der Etiketten oder Lochkarten seriell nebeneinander auf Karton montierte.

In einem weiteren Kapitel werden die Tätigkeiten im Büro ins Zentrum gestellt: Erfassen, Registrieren, Verwalten und Ordnen. Hier zeigt die Ausstellung klassische Positionen der Konkreten Kunst wie auch dazu angrenzende Arbeiten von Fiene Scharp oder Max Cole, die mit erstaunlicher Akribie und Ausdauer monotone Wiederholungen von Strichen ausführen. In den Momenten der Repetition und der Monotonie treffen sich hier künstlerische Praxis und Büroalltag.

Im letzten Kapitel geht es um den Ort „Büro“ mit seiner spezifischen Architektur ebenso wie um die Angestellten und ihren Bürohabitus.

Das Büro ist ein zentraler Ort des modernen Lebens. Durch die Digitalisierung erlebt es einen tiefgreifenden Strukturwandel: Kein Arbeitsplatz mehr ohne Computer oder ohne virtuelle Ablage. Andere Dinge verschwinden gleichzeitig: Papier, Locher, Büroklammern, Ordner, Hängeregister.

Dank der neuen Technologien ist immer weniger Platz für das Management von großen Institutionen und Unternehmen notwendig. Die gläserne und vermeintlich transparente Büroarchitektur der Gegenwart scheint ein Spiegelbild dieser Veränderungen zu sein und verbirgt doch den gleichen behäbigen Verwaltungsapparat, wie er sich seit der Aufklärung herausgebildet hat. (BSZ)

Information: Museum für Konkrete Kunst, Tränktorstraße 6–8, 85049 Ingolstadt. www.mkk-ingolstadt.de

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