Kultur

Ausschnitt aus „Skipper’s Daughter“ (1932/1933) von Theodore Lux Feininger. Die Gesamtansicht sehen Sie in der Bildergalerie am Ende des Beitrags - dort ist auch ein Bild seines Vaters Lyonel zum Vergleich gestellt. (Foto: Schlossmuseum Murnau)

14.10.2016

Wie der Vater – so nicht immer der Sohn

Das Schlossmuseum Murnau zeigt Kontraste und Gleichklang in den Arbeiten berühmter Künstlerfamilien

Das Thema gibt was her, in der Literatur, der Musik, auch in der bildenden Kunst: Väter & Söhne: Konfrontation und Gleichklang – auf diese einfach Formel hat es das Schlossmuseum Murnau mit einer Sonderausstellung gebracht. Väter malen die Söhne, Söhne imitieren, revoltieren, Väter halten ihre Söhne für zu wenig begabt, Söhne rechnen mit ihnen ab – und nicht alle sind dem Beispiel des Vaters gefolgt und Maler geworden.

Das Ausstellungskonzept ist schlüssig, der Katalog bleibt trotz der Fülle von Exponaten (Leihgaben und eigener Bestand) übersichtlich gegliedert und bietet Texte, die Familie um Familie lesenswert machen.

In der Ausstellung lässt sich manch unbekanntes Pendant berühmter Künstler entdecken. Gleich im ersten Raum zum Beispiel Wilhelm Marc (1839 bis 1907), den Vater von Franz Marc. Er war Beamter, studierter Jurist, dann Kunstprofessor in München, viel auf Reisen und hatte eine breite, gutbürgerliche Kundschaft. Er ging mit seinem Sohn Franz viel in Richtung Kochel wandern – dorthin, wo heute dessen Museum steht.

Aber „dass der Maler werden sollte, war dem Vater keine Freude“, notierte später die Schwiegertochter. Vielleicht war Wilhelm Marc aber auch nur krankheitsbedingt abgekapselt von den aktuellen Kunstströmungen. Geradezu rührend ist das Bild der Marc-Buben Paul und Franz von 1884 in ihrer Schuluniform oder das Porträt des ernsten, konzentriert arbeitenden Franz beim Holzschneiden. Um Konzentration und Genauigkeit bemüht der sich auch bei seinen Tierstudien, die im Schlossmuseum gleich gegenüber hängen: Katzen (1909) und wilde Tiere als Titelseite zu seinem Kindermalbuch aus der gleichen Zeit.

Auch Alexander Kanoldt wurde berühmter als sein Vater Edmund (1845 bis 1904). Zwischen ihnen lässt sich die Linie von der spätromantischen Landschaftsmalerei, von der Malerei der „Deutsch-Römer“ zu den Stillleben und Porträts des Sohnes ziehen. Der war Mitglied in den neuen Münchner Künstlergruppen und fand zur „Neuen Sachlichkeit“ der Zwanzigerjahre: Sommeralpe heißt ein Beispiel von 1921/31.

Faible für Segelboote

Die augenfälligste Vater/Sohn-Beziehung haben die Murnauer Ausstellungsmacher zum Titelbild ihres Plakats und Flyers gemacht: Lyonel Feininger und sein Sohn Theodore Lux mit ihren Segelbootmodellen im New Yorker Central Park. In der Ausstellung hängen die maritimen Motive der beiden höchst attraktiv nebeneinander: Fantastisch, märchenhaft, sehr narrativ sind die des Sohnes aus den Dreißigerjahren – Vater Lyonels Ostsee-Schoner (1924) und seine Bilder von Jachten dagegen in dessen unverkennbarem markig-abstrahierenden Stil. Zusammen macht das eines der stimmigsten Kabinette im Murnauer Schloss aus.

Anrührend ist die Geschichte von Alexander und Andreas Jawlensky. Der malt 1916 Mama nähend und Papa malend: Als Neffen hatte man das uneheliche Kind des Malers Alexander und eines Hausmädchens im Hause Werefkin zunächst ausgegeben. Einem positiven Vater-Sohn-Verhältnis hat das nicht geschadet: Der Vater hat für den Sohn das Genie erhofft, das ihm zu fehlen schien, der Sohn hat sich seinen eigenen künstlerischen Weg als „bedeutsames originales Talent“ erkämpft, wie die Kunstwelt schließlich urteilte und wie es jetzt etwa anhand der leuchtenden Blumen – roter Mohn in Murnau nachzuprüfen ist.

Sicher ist es gut, dass die Ausstellung Willi und Rupprecht Geiger ein ganzes Kabinett widmet. Denn deren künstlerischen Prozess haben auch noch die Enkel Lenz und Florian fortgesetzt: eine Familienbiografie in Bildern ist das, wenn Willi (1878 bis 1971) den Sohn Rupprecht und die beiden Enkelsöhne malt – alle mit schönen, ebenmäßigen Zügen und geradem Blick zum Großvater an der Staffelei. (Uwe Mitsching)

Information: Bis 6. November. Schlossmuseum, Schlosshof 2-5, 82418 Murnau. Di. bis So. 10-17 Uhr. www.schlossmuseum-murnau.de

 

 

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