Landtag

Das Treppenhaus mit der gewundenen Natursteintreppe sorgt für Nostalgie-Flair. (Foto: Bayerischer Landtag/Rolf Poss)

09.05.2014

Wohnbüros mit Nostalgie-Flair

Das sanierte Abgeordneten-Appartementhaus in der Ismaningerstraße ist fertig - es überzeugt mit einer ansprechenden Fassade und funktionalem Innenleben

Der Grüne Christian Magerl ist wahrlich kein Luxusmensch: Der Biologe aus Freising fährt am liebsten mit dem Radl, besitzt kein Mobiltelefon und ist auch sonst das Gegenteil von überkandidelt. Wenn also einer wie er von den „sehr bescheidenen Verhältnissen“ spricht, die im Abgeordneten-Appartementhaus in der Ismaningerstraße 9 herrschten, dann war die Sanierung überfällig. Tatsächlich herrschten dort jahrelang Zustände wie in der Jugendherberge: In den Appartements gab es weder Dusche noch WC, dafür Gemeinschaftsbäder auf dem Flur. Durch die Fenster pfiff der Wind. Der Abgeordnete Magerl erinnert sich mit Grausen daran, dass es sogar rein regnete – gelegentlich wurden deshalb seine Akten nass.

Die größte Herausforderung für den Architekten: die Fassade


Damit ist jetzt Schluss. Das Abgeordnetenhaus samt Anbau in der Unteren Feldstraße wurde grundlegend saniert. Am vergangenen Donnerstag (8. Mai) hat Landtagspräsidentin Barbara Stamm die neue Behausung offiziell eröffnet. Die Parlamentarier, die während der Renovierung im Ausweichquartier auf der Praterinsel Unterschlupf fanden, können jetzt also zurückkehren.
Das frisch renovierte Haus kann sich sehen lassen: Schon von außen fällt das Gebäude mit den hübschen Erkern ins Auge, dessen Neugestaltung die Münchner Architektengemeinschaft Hild und K/BM.C sowie weitere Fachplaner verantworten. Die erneuerte Fassade des 1901 erbauten Hauses strahlt freundlich-hell und versprüht mit dem schmucken Putzrelief einen eleganten Gründerzeitcharme. Die Fassade ansprechend zu gestalten, sagt Architekt Andreas Hild, sei eine der größten Herausforderungen gewesen: „Sie musste gedämmt werden, und das führt oft dazu, dass das Resultat nicht so schön ist.“
Auch das Treppenhaus mit der gewundenen Natursteintreppe, das neuverlegte Fischgrätparkett, die kassettierten Innentüren sowie eine gusseiserne Originalstütze sorgen für Nostalgie-Flair. Die jeweils 20 bis 25 Quadratmeter großen Abgeordneten-Appartements wiederum sind betont sachlich gehalten. Streng genommen sind das ohnehin Büros. Doch Abgeordnete, die von weiter her kommen, wollen nicht am Ende eines Sitzungstages heim nach Unterfranken oder Niederbayern reisen, um dann anderntags früh wieder los zu düsen. Die Büros in der Ismaningerstraße samt Anbau in der Unteren Feldstraße verfügen deshalb allesamt über eine Schlafcouch – und ein eigenes Bad mit Dusche und WC.

Der Hausmeister und die Katze


Was sonst noch drin steht: ein Schreibtisch, ein paar Schränke und Regale, ein Schreibtischstuhl, teilweise auch ein kleiner Besprechungstisch. Eine Kochmöglichkeit gibt es nicht in den Zimmern. Dafür pro Stockwerk eine Teeküche und im Erdgeschoss eine schöne große Küche mit Herd, Kühlschrank und Kaffeeautomat.
Obwohl: So richtig gekocht, sagt Hausmeister Otto Dehn, werde hier nicht. „Die Politiker haben’s immer eilig, die essen hier höchstens mal belegte Semmeln oder Butterbrezen.“ Die besorgen dann Dehn und seine Frau. Das Ehepaar betreut das Abgeordnetenhaus seit 17 Jahren, vor der Sanierung haben sie sogar dort gewohnt – „das war wunderbar“, seufzt der 63-Jährige. Und erinnert sich gerne daran, wie Landwirtschaftsminister Helmut Brunner fürsorglich die Dehn-Katze aufnahm, wenn die mal ausbüxte.
An Sitzungstagen wacht nun ein Offiziant des Landtags darüber, dass keine Fremden rumspazieren. Ein elektrischer Türöffner ist nicht vorhanden, aus Sicherheitsgründen. Wer Besuch kriegt, muss selber runtergehen und öffnen. Die kleine Unbequemlichkeit dürften die Abgeordneten verschmerzen. Immerhin haben sie jetzt ihr eigenes Klo und müssen nicht warten, bis der Nachbar mit Duschen fertig ist. (Waltraud Taschner)

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Die Sanierung in Zahlen:

 

Wie lange hat’s gedauert? Vom Planungsauftrag im Mai 2011 bis zur Fertigstellung des sanierten Hauses im April 2014 vergingen 3 Jahre.

Was hat’s gekostet? 7,8 Millionen Euro.

Wie groß ist die Nutzfläche des Gesamtkomplexes?
1109 Quadratmeter.

Was müssen die Abgeordneten dafür bezahlen? Zwischen 150 und 200 Euro im Monat. „Normale“ Büros im Landtag kosten nichts extra – dort darf man aber nicht übernachten. Laut bayerischem Abgeordnetengesetz steht jedem Parlamentarier ein Arbeitsplatz zu.


Wie viele Appartements gibt es?
Insgesamt 40, auf vier beziehungsweise fünf Etagen im Haupthaus und im Anbau in der Unteren Feldstraße.

Was gibt’s alles in dem Gebäude? Neben den Appartements/Büros drei Sitzungssäle, eine Küche im Erdgeschoss und je eine Teeküche auf den Stockwerken, eine Garage.

Wer wohnt dort? Abgeordnete aller Fraktionen. In der Regel kommen sie nicht aus München und Umgebung, sondern von weiter her. Auch zwei Regierungsmitglieder ziehen dort ein: Wissenschaftsstaatssekretär Bernd Sibler und Wirtschaftsstaatsstaatssekretär Franz Joseph Pschierer. (BSZ)

 

 

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