Landtag

Landtagspräsidentin Barbara Stamm umringt von jungen Gästen der Kolpingjugend und der Katholischen Landjugendbewegung. (Foto: Landtag/Poss)

13.03.2015

Zum Speeddating in den Landtag

Landtag Live: 16 Jugendliche begleiten 16 Abgeordnete eine Woche lang bei der Arbeit – und erfahren dabei auch kuriose Details

Wie sieht die Arbeit eines Landtagsabgeordneten aus? Was ist die Aufgabe eines Fraktionspressesprechers? Und wie ist die Zusammenarbeit der Politik mit den Landtagskorrespondenten? Antworten auf diese und andere Fragen versucht das alle zwei Jahre stattfindende Projekt „Landtag live“ der Kolpingjugend Bayern und der Katholischen Landjugendbewegung zu geben.

Im Rahmen von „Landtag Live“ begleiten junge Erwachsene eine Woche lang Landtagsabgeordnete aller Fraktionen bei ihrer Arbeit im Ausschuss, Plenarsaal oder Wahlkreis. Ziel ist es, Berührungsängste zur Politik abzubauen und Abgeordnete für die Bedürfnisse junger Menschen zu sensibilisieren.
Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) freut sich über die junge Generation im Landtag: „Es ist toll, wie die Nachwuchspolitiker ihr Selbstbewusstsein zeigen – auch gegenüber der Regierung“, betont Stamm bei der Begrüßung.

Beim anschließenden Speeddating können die Teilnehmer mit den Mitarbeitern und Abgeordneten der Landtagsfraktionen sprechen. „Wollten Sie schon immer Abgeordnete werden?“, möchte einer von Gabi Schmidt (Freie Wähler) wissen. „Naa“, antwortet die Fränkin. „Ich konnte einfach schon in der Schule meine Klappe nicht halten.“ Später habe sie sich kommunalpolitisch engagiert, sei in den Bezirksrat gewählt worden und so in den Landtag gerutscht. „Kreissaal, Hörsaal, Plenarsaal – diesen Ablauf gibt es höchstens bei der Jungen Union“, frotzelt Schmidt. „Leidenschaftspolitiker“ hingegen seien eine große Bereicherung für das Maximilianeum.

Aus dem Nähkästchen plaudern auch andere Abgeordnete. Während Gerhard Hopp (CSU) den Teilnehmern darlegt, wie wichtig es ist, sich Unterstützer zu suchen, um ein Thema bei Abstimmungen durchzubringen, lästert der ebenfalls neu in den Landtag gewählte Nikolaus Kraus (FW) über die politischen Manöver der CSU-Fraktion: „Bei meiner ersten Plenarrede wollte ich Weichmacher in Kunststoffen verbieten lassen“, erinnert er sich. Dies habe die CSU mit ihrer Mehrheit verhindert – um vier Wochen später den gleichen Antrag zu stellen. „Die Fraktionen sollten lieber über ihren Schatten springen und zusammenarbeiten“, wünscht er sich.

Die Pressestelle der CSU-Fraktion erläutert ihr Aufgabengebiet: Das besteht nach Angaben des stellvertretenden Pressesprechers Simon Schmaußer in erster Linie darin, Botschaften zugespitzt an die Landtagspresse zu verschicken. „Wir schreiben den Abgeordneten aber nicht Eins-zu-eins, was sie sagen sollen“, betont er. Vielmehr würden die Parlamentarier dabei unterstützt, ihre Botschaften „kurz und knackig“ zu formulieren. „Nicht alle Abgeordneten sind so medienaffin und erfahren.“

Christoph Hau wiederum ist Haushaltsreferent bei den Grünen. Er scannt die Nachrichten nach aktuellen Themen. „Dann überlegen wir, was unsere Meinung ist und was wir dazu sagen“, verdeutlicht er. „Was ist, wenn das ihrer persönlichen Meinung widerspricht?“, will eine Teilnehmerin wissen. „Ich bin zwar selbst kein Parteimitglied, aber man sollte der Partei schon nahestehen“, sagt Hau. „Und inwieweit nimmt Ihre Meinung dabei Einfluss?“, will ein anderer wissen. Das hänge vom Abgeordneten ab, so der Haushaltsreferent diplomatisch. Ihre Reden schreiben laut Hau aber alle Volksvertreter selber – nur die CSU habe Redenschreiber.

Allerdings räumt die wissenschaftliche Mitarbeiterin von Ruth Waldmann und Isabell Zacharias (beide SPD), Katharina Kofler, ein, auch Reden für ihre Chefinnen vorzubereiten. „Die meisten schütteln sie aber einfach aus dem Ärmel“, ergänzt sie schnell. Eigentlich sei im Landtag das Ablesen gar nicht erlaubt, auch wenn es viele tun. Ansonsten helfe sie bei der Vorbereitung von Veranstaltungen und beim Entwerfen von Anträgen, Anfragen oder Positionspapieren. „Wow, das ist ja richtig umfangreich“, entfährt es einem Jugendlichen.

Nach dem Speeddating berichtet der Landtagskorrespondent des Münchner Merkur, Christian Deutschländer, von seiner Tätigkeit. Er erkennt ein wachsendes Ungleichgewicht: „Die Politik rüstet mit guten Öffentlichkeitsberatern auf, während die Redaktionen wegen des zurückgehenden Anzeigengeschäfts Stellen streichen.“ Die jungen Katholiken sind dadurch eher angespornt als desillusioniert – viele von ihnen wollen Journalisten werden. (David Lohmann)

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