Politik

Enttäuschte Gesichter allerorten: Hier schmollt ein Bub am Königssee (Foto: dapd)

08.07.2011

Aus der Traum - und jetzt?

München nach dem Schock: Was wird aus dem S-Bahn-Ausbau, warum gab’s so viele externe Berater, soll man sich erneut bewerben?

München verliert den Olympiazuschlag 2018 an Pyeongchang und leckt seine Wunden. Die Bewerbungs-
gesellschaft hat Fehler gemacht, das Finanzierungs-
loch von mehreren Millionen Euro ist noch nicht gestopft. Zugleich stellt sich die Frage, was die teure und fast zwei Jahre lange Bewerbungsphase letztlich wert war.


Kurz vor Bekanntgabe des für München enttäuschenden Ergebnisses stehen Tausende Menschen auf dem überfüllten Münchner Marienplatz, sie schwitzen bei Temperaturen um 30 Grad, schwenken schwarz-rot-goldene Fähnchen, lassen weiße Luftballons und Schneeflocken aus Seifenschaum in den blauen Himmel steigen. Es ist eine perfekt inszenierte Public-Viewing-Veranstaltung, die den Bildern der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ähnelt. Auch die anwesenden Funktionäre und Politiker, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), Münchens 2. Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) oder die Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes, Christa Thiel, geben sich optimistisch.
Doch um 17.18 Uhr zerstört ein einziger Satz des IOC-Präsidenten Jaques Rogge die ausgelassene Stimmung: „Die Olympischen Winterspiele 2018 gehen nach: Pyeongchang.“ Und die großen Erwartungen enden in einem enttäuschten „Ohhhhhh“.

Wo die Fehler liegen


An seiner Präsentation ist München aber nicht gescheitert, sie war die wohl beste der drei Kandidaten. Die Fehler wurden bereits zu Beginn der Bewerbung gemacht: Die zunächst schlechte Außendarstellung, die im Streit mit den Bauern gipfelte, die Rücktritte von Willy Bogner und anderen Führungsfiguren aus der Bewerbungsgesellschaft, die lange Zeit fehlende Unterstützung der Bevölkerung, der schleppende Gewinn von Sponsoren.
Doch letztlich dürften eher die neuen Märkte, die das IOC in Südkorea erschließen will, den Ausschlag gegeben haben. Schnell schickten die Parteien die ersten Stellungnahmen: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach von einer „großen Enttäuschung“ und warnte davor, zu schnell über einen neuen Bewerbungsanlauf zu diskutieren. Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Markus Rinderspacher wagte sich schon eher aus der Defensive: „Die Münchner Bewerbung war erstklassig. Nun sollte eine Bewerbung für 2022 ernsthaft in Erwägung gezogen werden.“ Und die FDP-Fraktion im Landtag stellte sich an die Spitze der Befürworter: „Das Konzept von München wird sich bei einer erneuten Bewerbung durchsetzen“, sagte deren sportpolitische Sprecherin Julika Sandt – und gab den Grünen eine Mitschuld am Scheitern Münchens: „Die gezielte Desinformationspolitik der Grünen war mitverantwortlich für die Entscheidung des IOC.“

Warum brauchte man so viele externe Berater?


Der grüne Landtagsabgeordnete und Sprecher des Aktionsbündnisses „NOlympia“, Ludwig Hartmann, war indes erleichtert: „Damit bleiben Bayern die Aufbürdung aller Kosten und Risiken auf die Steuerzahler, die ökologischen Folgelasten, die Fixierung auf unsinnige Straßenbauprojekte und die mangelhafte Nachhaltigkeit temporärer Sportstätten erspart.“
Allerdings dürften nun wichtige Infrastrukturprojekte wie die Untertunnelung Garmisch-Partenkirchens oder dessen zweigleisige Schienenanbindung an München nicht so schnell durchgeführt werden. Verkehrsminister Ramsauer hat bereits gesagt, dass es mit der zweiten Münchner S-Bahn-Stammstrecke nun ebenfalls länger dauern werde. Und ob die neuen Sportstätten im Olympiapark nun gebaut werden, steht in den Sternen.
Ein anderes Problem drängt sich auf: Die Abwicklung der Bewerbungsgesellschaft – wenn sich München nicht für die Spiele 2022 bewirbt. Die GmbH hatte ein Budget von 33 Millionen Euro, in ihrer Bilanz ist zurzeit ein Fünftel dieser Summe nicht durch Sponsorengelder gedeckt. Bund, Land und Stadt müssten dafür haften, somit also der Steuerzahler.
Der Grüne Hartmann fragt sich auch, „warum ein Drittel des Gesamtetats für externe Beraterhonorare ausgegeben wurden. Das hat mir die Staatsregierung bestätigt und kommt mir sehr viel vor“. In den nächsten Tagen will Hartmann Einsicht in den Wirtschaftsplan beantragen. (Sebastian Winter)

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