Politik

12.06.2015

Bargeld ade: keine gute Idee

Ein Kommentar von André Paul

Verschwindet bald das Bargeld? Es gibt zumindest Indikatoren. Immer mehr prominente Ökonomen sprechen sich dafür aus, etwa Kenneth Rogoff, Ex-Chef-Volkswirt des Internationalen Währungsfonds, der frühere US-Finanzminister Larry Summers oder der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dementiert derartige Pläne zwar laut und vehement. Aber gut, ein zweites Hilfspaket für Griechenland stand ja laut Schäuble und Kanzlerin Merkel auch „überhaupt nicht zur Debatte“. Derzeit diskutiert man bereits über ein drittes.
Jedenfalls geistern seit geraumer Zeit die angeblichen Vorzüge eines Lebens ohne Cash durch die Medien: Kein Bargeld mehr, so heißt es, verhindere Schwarzarbeit und Korruption, zudem ließe sich ohne das Drucken von Scheinen und Prägen von Münzen viel Geld sparen, Bankräuber würden zwangsläufig arbeitslos. Alles richtig. Aber ebenso gut könnte man behaupten, wer nur noch nackt rumläuft, spart sich den ganzen Ärger mit Klamottenkauf, Wäsche waschen und bügeln.

Wofür wir Geld ausgeben, ist eine höchst private Entscheidung
- der Staat muss nicht alles wissen


In der Fiskalgeschichte gab es zwei einschneidende Ereignisse: Um das Jahr 1000 v. Chr. erfanden die Phönizier das Münzgeld. Zuvor hatte man einfach Goldklumpen mit einem auf den Gegenwert der gehandelten Waren abgestimmten Gewicht verwendet. Und im frühen 18. Jahrhundert beschwatzte der Schotte John Law den französischen König, statt teurer Gold-Livre künftig nur noch bedrucktes Papier auszugeben. Gut getan hat es beiden nicht, auch wenn sich ihre Erfindung langfristig hielt: Bei den Phöniziern erlahmten Kreativität und Innovation, sie wurden irgendwann von den Griechen und Römern aufgerieben. Und Frankreich schlitterte, hoffnungslos bankrott und verelendet, rund 50 Jahre später in die Revolution.
Die Parallele zu heute: Beide Male ging es nur vordergründig um eine Vereinfachung des Zahlungsverkehrs. Vielmehr strebte die Regierung eine Kontrolle über die Solvenz ihrer Untertanen an. Und das ist es, was uns Angst machen sollte: Mit virtuellem Geld verschwände ein Stück Individualität, die Anonymität der höchst privaten Entscheidung, wofür Geld ausgegeben wird. Der bargeldlose Bürger wäre gläsern.

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Kommentare (1)

  1. Bernd am 12.06.2015
    Sorry, aber ich zahle nur bar!
    Wenn man nämlich beim Alidi und beim
    Lidl an der Kasse steht, kann man
    erkennen, welcher Bürger kein Geld
    auf dem Konto hat.
    Nur Bares ist Wahres!

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