Politik

Ein Landwirt steht vor seinem gesicherten Schrank für Pflanzenschutzmittel. (Foto: dpa)

12.01.2018

Die Macht der Verbraucher

Immer mehr Unternehmen verbannen Glyphosat aus der Erzeugerkette – weil die Konsumenten das Herbizid ablehnen

Das hat nicht nur Umweltschützer erzürnt: Ende November 2017 stimmte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) auf EU-Ebene für die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat. Er verhinderte so ein von Grünen und SPD befürwortetes nationales Verbot des umstrittenen Herbizids. Doch es ist gut möglich, dass Molkereien, Käsehersteller, Handel und Verbraucher schaffen, wozu die Bundesregierung bislang nicht willens ist: Glyphosat von heimischen Äckern zu verbannen.

So gilt bei der Chamer Käserei Goldsteig seit dem 1. Januar für alle 3300 Milchlieferanten ein Verbot, auf ihren Futterflächen Glyphosat einzusetzen. Bereits Ende Oktober hatten die Milchwerke Berchtesgadener Land ihren Bauern den Einsatz von Glyphosat untersagt. Mit rund 1800 zuliefernden Landwirten und einem Umsatz von über 200 Millionen Euro ist die Firma eine der wichtigsten bayerischen Molkereien. Ein weiteres Großunternehmen schließt offenbar nicht aus, das Herbizid von den Wiesen ihrer Zulieferer zu verbannen: die Privatmolkerei Bauer. Man verfolge die Entwicklung zum Umgang mit dem Pflanzenschutzmittel intensiv, heißt es aus dem Umfeld des Wasserburger Unternehmens: „Es wird genau geprüft, wie mit dem Thema Glyphosat zukünftig umgegangen wird.“ Bauer macht mehrere hunderte Millionen Umsatz, der Joghurt der Firma steht bei fast allen Einzelhändlern in den Regalen. Marktriese Müller Milch lehnt dagegen ebenso wie die bayerische Konzerntochter Weihenstephan einen Glyphosat-Ausstieg ab. „Wir sehen dafür keine Veranlassung“, sagt ein Sprecher.

Bei Greenpeace ist man sich jedoch sicher, dass weitere Milchverabeiter folgen werden. Der Handel und die Verbraucher würden nun den nötigen Druck aufbauen, sagt Dirk Zimmermann, Agrarexperte bei der Umweltschutzorganisation: „Auch bei der Gentechnik hatte die Politik ein Verbot gescheut. Doch sehr viele Hersteller und Einzelhändler haben sich aufgrund der Nachfrage der Kunden entschlossen, komplett auf Gentechnik zu verzichten.“ Der Kunde erreiche das, „wozu die Politik nicht in der Lage ist“.

Tatsächlich hat Deutschlands größte Genossenschaftsmolkerei DMK den Anteil ihrer gentechnikfreien Milch gerade erheblich ausgeweitet. Die Landtags-Grüne Gisela Sengl prophezeit ebenfalls: „Die Verarbeiter schaffen, was die CSU nicht schafft.“

Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein, zudem schreiben ihm Kritiker eine Mitschuld am Insektensterben zu. Bereits heute arbeiten viele Bauern ohne das Gift. Doch sie haben deshalb einen höheren Aufwand. Der Verbraucher muss bereit sein, dafür zu zahlen. (Tobias Lill)

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