Politik

Randalierende Fußballfans sind immer öfter ein Problem. (Foto: dpa)

14.02.2014

Krawallmacher sollen draußen bleiben

Der Deutsche Städtetag fordert bei seiner Tagung in München mehr Geld für Soziales und härtere Strafen für Fußballrowdys

Von den 20 größten deutschen Städten werden nur zwei – Düsseldorf und Dresden – von christdemokratischen Rathauschefs regiert, alle anderen sind in der Hand der SPD, Stuttgart untersteht den Grünen. Man muss das mal kurz vorrechnen, um die Machtverhältnisse im Deutschen Städtetag zu illustrieren. Die dort zusammengeschlossenen Oberbürgermeister forderten nämlich gerade auf ihrer Präsidiumssitzung in München händeringend mehr Geld vom Bund zur „Entlastung der Kommunen von Sozialausgaben“. Den angeblichen Hauptgrund für die rasant gestiegenen Sozialausgaben nennen die sozialdemokratischen Oberbürgermeister nur ungern – sie fürchten den Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit. Jedenfalls meldeten die Städte dem Deutschen Städtetag bei der Zuwanderung aus Osteuropa fürs Jahr 2013 ein Plus von 24 Prozent gegenüber 2012. Weshalb die Rathauschefs mehr Geld von Berlin wollen.

Hallenbäder sanieren?
Ein teurer Luxus

Eine vergleichsweise kleine Entlastung bei der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung hat der Bund für die laufende Legislaturperiode schon angekündigt, den konkreten Zeitpunkt allerdings noch offen gelassen. Ob die in Aussicht gestellten fünf Milliarden Euro allerdings viel bringen, bleibt abzuwarten. Nach Angaben von Ulrich Maly, dem Präsidenten des Deutschen Städtetags, summieren sich die kommunalen Sozialausgaben inzwischen auf 46 Milliarden Euro jährlich. Obendrein erreichten die Kassenkredite im vergangenen Jahr die Rekordmarke von 50 Milliarden Euro.
Im Klartext: Die Städte müssen sich verschulden, um überhaupt noch die laufenden Ausgaben für die Kinderbetreuung oder die Langzeitarbeitslosen abzudecken, an Investitionen in die teilweise marode Infrastruktur ist überhaupt nicht mehr zu denken, Hallenbäder und Bibliotheken sind ein Luxus, den sich nur noch wenige Orte gönnen können. Angesichts dieser Zahlen verwundert es schon ein wenig, warum es wiederum gerade die SPD-Oberbürgermeister sind, die ohne jedes Murren alle Pläne der Bundespartei zur erweiterten Betreuung von Kleinkindern oder zum Nachmittagsunterricht mittragen – obwohl das weiteres Personal und damit weitere Kosten verursachen wird. „Wir kalkulieren mit einem notwendigen Stellenzuwachs im zweistelligen Prozentbereich“, sagte Stephan Articus, der Hauptgeschäftsführer des Städtetags, der Staatszeitung.

Reiseverbot für Rambo-Fans?


Damit hören die Sorgen für die Rathäuser aber noch nicht auf. Zu schaffen macht den Kommunen auch die zunehmende Gewalt in der Fußballszene. Während sich die Mitglieder verfeindeter Fanclubs früher gern in und um die Stadien prügelten, haben sich die Auseinandersetzungen inzwischen auch in die Innenstädte verlagert. Logisch, denn die Vereine haben inzwischen auf die Krawallmacher reagiert und Videokameras installiert beziehungsweise die Einlasskontrollen verschärft. Der Städtetag fordert jetzt ein Reiseverbot für gewalttätige Fußballfans an Spieltagen. Auf diese Weise soll bereits die Anreise polizeibekannter Schläger zu Auswärtsspielen verhindert werden. Polizeibekannte Gewalttäter, so der Plan, sollen sich am Tag vor Auswärtsspielen auf dem örtlichen Revier melden müssen. Obendrein liebäugeln die Kommunen mit so genannten Schnellprozessen, wie sie in England – dem Mutterland des Fußballrowdytums – bereits gang und gäbe sind. In Deutschland dagegen vergehen zwischen Straftat und Prozess manchmal Monate bis Jahre.
Die Vereine mit den besonders gewaltbereiten Fans sind gut beraten, auf diesen Wink mit dem Zaunpfahl zu reagieren. Denn der Deutsche Fußball-Bund kennt durchaus schmerzhafte Strafen. So können Mannschaften dazu verdonnert werden, in leeren Stadien zu spielen, auch Punktabzüge sind möglich. Das ist nicht nur eine sportliche Blamage, sondern bedeutet für den deutschen Profifußball auch Gewinneinbußen. Und spätestens da hört für die Vereinsbosse der Spaß auf. (André Paul)

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