Politik

15.06.2012

Selber schuld

Ein Kommentar von Waltraud Taschner


Frauen-Fiasko bei den Schwarzen: Einige Bezirksverbände der CSU werden es nicht schaffen, für die Landtagswahl 2013 genug Kandidatinnen aufzustellen. Wobei „genug“ etwa in Oberbayern heißt: So viele Direktkandidatinnen präsentieren wie nächstes Jahr aus dem Landtag ausscheiden. In Oberbayern sind das fünf von insgesamt acht Parlamentarierinnen. Die Aspiranten für deren Nachfolge sind allesamt männlich. Wollte man – die aktuellen Mehrheitsverhältnisse vorausgesetzt – die nur für Parteivorstände geltende Frauenquote von 40 Prozent erfüllen, müsste man allein in Oberbayern zwölf Direktmandate für Frauen reservieren. Kürzlich drang auch aus Schwaben die Kunde, dass sich weibliche Landtagskandidaten schwertun. Und wahrscheinlich wird es in den übrigen CSU-Bezirken ähnlich laufen.

Nur eine Quote light


All das ist keine Überraschung: Die CSU hat beim Parteitag 2010 lediglich eine Quote für Vorstandsposten beschlossen. Mehr nicht. Die vielbejubelte Frauenquote ist damit eine Quote light. Um mehr Frauen in die Parlamente zu bekommen, hätte es einer Quotierung von Delegiertenversammlungen bedurft. Diese nämlich wählen die Direktkandidaten. Weil die CSU bei der letzten Landtagswahl 90 der insgesamt 91 Direktmandate gewann, über die Liste aber nur zwei Ausgleichsmandate erhielt, ist die Zusammensetzung der Delegiertenversammlungen essentiell für die Kandidatenkür.
Überraschend mutet jetzt allenfalls das Staunen und die Empörung christsozialer Funktionäre an – die „Sorge“ der Oberbayern-Chefin Ilse Aigner oder der Trotz der JU-Vorsitzenden Katrin Albsteiger – sie pampte in Schwaben, ihre Partei könne ja nun bei der Kandidatenaufstellung zeigen, wie viel sie für Frauen übrig habe. Von Aigner wiederum ist nicht bekannt, dass sie die Quotierung von Delegiertenversammlungen je offensiv gefordert hätte. Albsteiger war sogar die Quotierung der Vorstandsposten zu weit gegangen.
Was in der Tat überraschend gewesen wäre: wenn Frauen in der CSU sich jetzt ganz locker gegen männliche Platzhirsche durchsetzten – und gegen Bewerber, die von den Platzhirschen gepusht werden. Da sind selbst Parteichef Horst Seehofer die Hände gebunden. Er hatte schon Mühe, seinen Parteifreunden die jetzige Miniquote zu verkaufen. Vorerst bleibt es dabei: Christsoziale Männer helfen Frauen allenfalls in den Mantel, aber nicht in den Inner Circle der Macht.

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