Unser Bayern

Das Aquarell "Der Briefschreiber" zeigt, wie geschickt Haag mit Licht und Schatten zu spielen verstand.

25.02.2011

Die Queen und Kamele bescherten dem Franken Reichtum

Carl Haag war in Großbritannien einer der gefragtesten Maler für die Träume aus Tausend und einer Nacht


Der Orient, Nordafrika und der Nahe Osten bieten Künstlern reizvolle Motive. Wie die Auseinandersetzung mit diesen „exotischen" Gegenden aussehen, lässt sich an der Ausstellung Orientalismus in Europa. Von Delacroix bis Kandinsky beobachten, die derzeit in der Hypo-Kunsthalle in München zu sehen ist (bis 1. Mai). Mit Napoleons Ägyptenfeldzug (1798 bis 1801) setzte in ganz Europa geradezu eine Ägyptomanie ein. Viele Künstler reisten in der Folge an Originalschauplätze und kehrten mit Eindrücken zurück, die sie zu märchenhaften Bildern verarbeiteten. Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit einem französischen und einem belgischen Museum entstanden ist, zeigt vor allem französische Künstler. In England waren die Orientalisten aber mindestens so gut beschäftigt. Und auch bei uns gab es bedeutende Orientalisten. Einer von ihnen war der gebürtige Erlanger Carl Haag (1820 bis 1915), der allerdings nicht in der Hypo-Schau vertreten ist.

„Und wenn ich mein ganzes Leben lang ruiniert sein werde oder in Beduinen-Sandalen hingehen müsste, ich muss nach Palmyra gehen". Der Künstler hatte Bilder der syrischen Ruinenstadt gesehen und war überzeugt: Dort musste er malen. Monatelang reiste er quer durch den Vorderen Orient. Von seinen Reiseerinnerungen zehrte er ein Leben lang. Sie inspirierten ihn zu farbenprächtigen Gemälden – und machten ihn zu einem wohlhabenden Mann.

Das war ihm am 20. April 1820 nicht an der Wiege im fränkischen Erlangen gesungen worden. Der Vater, ein Bäcker, starb früh; der Knabe wuchs abwechselnd in Nürnberg und bei Verwandten in Frauenaurach auf. Im Alter von 16 Jahren kam er an die Nürnberger Kunstschule. Bis 1844 blieb Carl Haag in Nürnberg, dann zog es ihn hinaus in die Welt – zunächst nach München, wo er sich als erfolgreicher Porträtmaler über Wasser hielt; dann reiste er weiter mit hilfreichen Empfehlungsschreiben hoher Gönner in der Tasche. Eigentlich wollte er nach Paris, blieb dann aber einen Winter lang in Brüssel hängen. Im Frühling 1847 ging es weiter auf die Britische Insel. Er hatte viel von der englischen Aquarellmalerei gehört – und er war begeistert von den „Watercolours". Dies war sein Metier. Also blieb er in London und stürzte sich in die Arbeit: Haar studierte nicht nur die Maltechniken, sondern experimentierte auch eifrig. Er legte die Blätter in die Sonne, mischte unterschiedliche Materialien… Irgendwann erreichte er jene leuchtenden Farben, die seine Bilder so einzigartig machen.

Nach dem Sommer entfloh der er dem englischen Nieselregen und reiste nach Rom – und malte und malte. Im Frühling kehrte er nach London zurück, nur um im nächsten Herbst wieder auf Reisen zu gehen. Dabei kam es in Tirol zu einer zukunftsentscheidenden Begegnung mit Fürst Karl zu Leiningen, dem Halbbruder der englischen Königin Victoria. Haag malte ihn samt seinen Jagdfreunden – der Fürst war zufrieden und versprach, den Künstler bei der englischen Königin einzuführen. Und so wurde Haag, als er im Frühjahr nach London zurückkehrte, nicht nur als erster Ausländer überhaupt zu einem Vollmitglied der „Society of Painters in Watercolours" ernannt, sondern erhielt auch eine Einladung auf Schloss Balmoral in Schottland. Gemalte Urlaubserinnerungen der königlichen Familie entstanden in der Folge. Ein Abend in Balmoral oder Ein Morgen in den schottischen Highlands gehören zu Haags berühmtesten Bildern.

Jahrelang arbeitete der Deutsche für Königin Victoria. Die letzten beiden Bilder für die Queen wurden 1865 vollendet. Kurz darauf war es allerdings vorbei mit der königlichen Patronage. Haag hatte wegen der umfangreichen königlichen Aufträge kaum andere Einnahmen gehabt und deshalb immer höhere Preisvorstellungen gegenüber der Königin geäußert. Diese fand die Bilder schließlich zu teuer. Zähneknirschend zahlte sie zwar, doch nahm sie sich vor, Haag nie wieder zu beschäftigen. Ein freundlicheres Nachspiel beendete die Geschichte zwischen Carl Haag und Queen Victoria. Nachdem der Maler am 8. Juli 1899 – fast 35 Jahre nach der „Trennung" – bei seinem letzten Besuch in Schloss Windsor ein Gemälde von Jerusalem gezeigt hatte, vertraute die Königin ihrem Tagebuch an: „Ich kannte ihn früher sehr gut, hatte Malstunden bei ihm und besitze viele schöne Gemälde von ihm." Noch heute befinden sich über 50 seiner Werke im Besitz der englischen Königsfamilie.

Doch zurück in die 1850er Jahre: Das Geld der Queen brauchte Haag für seine Reisen. In den Jahren 1854 bis 1857 besuchte er Dalmatien und Montenegro, Venedig und erneut Rom und Tirol. Haag hatte zu dieser Zeit vor allem mit Italienbildern Erfolg. Der Markt schrie jedoch zunehmend nach Bildern aus Ägypten und dem Nahen Osten. Eine ganze Reihe von Künstlern lebte und arbeitete bereits dort. Warum also nicht auch er?

Im Herbst 1858 schiffte sich Carl Haag nach Ägypten ein – seine Karriere als Orientalist begann. Zunächst hatte sein Hauptziel Jerusalem geheißen. Doch in Kairo traf er zufällig auf seinen Freund und Malerkollegen Frederick Goodall und folgte dessen Einladung, Haus und Atelier zu teilen. Den Winter über blieben beide in Kairo. Jede Minute des Tageslichtes nutzten sie, um in den Straßen der lebhaften Stadt und in ihrer Umgebung zu malen. Die Künstlerfreunde reisten zusammen durch die Wüste nach Suez, von wo sie mit einem Boot zu den Quellen des Moses aufbrachen. Andere Exkursionen – auf Eseln – führten sie ins Nildelta und zu den Pyramiden von Gizeh. (Cornelia Oelwein)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der Februar-Ausgabe von Unser Bayern.

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