Wirtschaft

Pellethersteller, Sägewerker, Drechsler, Forstunternehmer, Waldbauern und die papierverarbeitende Industrie profitieren vom Wald. (Foto: Wraneschitz)

04.07.2014

Der Wald bietet hierzulande 1,2 Millionen Arbeitsplätze

Holz ist nicht nur eine bayerische Wirtschaftsmacht

Über alle Facetten von Waldbewirtschaftung bis zu den verschiedensten Nutzungsarten informierte vor Kurzem der Frankenwaldtag. Holz ist eine stark unterschätzte Wirtschaftsmacht. 1,2 Millionen Arbeitsplätze hängen bundesweit direkt oder indirekt von der Frucht des Waldes ab, weiß Thomas Krämer. Das gehe „vom Pellethersteller für die Heizungen über Sägewerker, Drechsler, Forstunternehmer, Waldbauern bis hin zur papierverarbeitenden Industrie“, zählt der Forstdirektor auf. Dass wirklich so viele Menschen vom Wald leben, hatte Krämer kurz zuvor erfahren: Aus einer Rede von Hans-Peter Friedrich, des CSU-Bundestagsabgeordneten im Wahlkreis Hof.
Thomas Krämer leitet den Forst-bereich im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten AELF Münchberg. Vom Dienstsitz Bad Steben aus kümmern sich seine Mitarbeiter um 59.000 Hektar (ha) Wald in den Landkreisen Hof und Wunsiedel. Mittendrin in dieser Region, die sich selbst Hochfranken nennt: die drei Kleinstädte Naila, Selbitz und Schwarzenbach am Wald. In deren „interkommunalem Entwicklungskonzept spielt das Potenzial des Waldes eine ganz wichtige Rolle“, erzählt Werner Peetz.
Auf Peetz’ Schwarzenbacher Stadtverwaltungsvisitenkartesteht als Funktion „Sonderbeauftragter“. Einer seiner Arbeitsergebnisse: Das Holzforum der „Zukunftsallianz SSN+“, ein seit 2008 im europäischen Leader-Programm gefördertes Projekt. 2010 und 2012 hat das Holzforum unter Federführung der Stadt Schwarzenbach bereits jeweils tausende Interessierte in das selbst ernannte „Herz des Frankenwaldes“ gezogen.
Bei der diesjährigen Vorberei-tung war erstmals auch maßgeb-lich die Forstverwaltung dabei. Ein Grund laut Forstdirektor Krämer: Noch immer kennen viele Menschen nicht den Unterschied zwischen den AELF-Dienststellen und dem Wirtschaftsbetrieb „Bayerische Staatsforsten“. Ein zweiter Grund: Das Forstministerium des Freistaats organisiert pro Jahr drei bis vier regionale Waldbesitzertage. Diesmal war Oberfranken an der Reihe. Da stand für Krämer die Kooperation mit dem etablierten Frankenwaldtag außer Frage. Den kommunalen Organisatoren kam die finanzielle und personelle Unterstützung der Forstverwaltung natürlich sehr gelegen. So entstand ein Programm von Vorträgen für Privatwaldbesitzer bis zu einer Kunstaktion für Kinder.
Problem: Bis auf wenige Ausnahmen war fast alles im Freien geplant. Doch nach wochenlanger Trockenheit machte der Himmel am Sonntag seine Schleusen auf: Es goss teilweise wie aus Kübeln auf den Festplatz mit dutzenden Ausstellungsständen und den Waldparcours „Forstwirtschaft live“ mit zwölf Stationen.
Aber die Frankenwäldler, im Winter in „Bayerisch-Sibirien“ Wetterunbillen gewöhnt, ließen sich den Besuch nicht vermiesen. Laut Forstdirektor Krämer wurde die erhoffte Mindestbesucherzahl von 5000 überschritten. Bestes Zeichen: Selbst die Bratwurststände auf freier Wiese meldeten am Ende „ausverkauft“. Lediglich die Geologie-Führungen durch einen Steinbruch und der Barfußpfad fielen dem Wetter zum Opfer. Aber selbst das Abseilen von Freiwilligen durch die Bergwacht fand statt. Weshalb Forstchef Krämer und Stadtorganisator Petz nach „optimalen Vorbereitungen“ auch am Ende recht zufrieden aussahen. Von Vorführungen zum richtigen Umgang mit großen und kleinen Forstmaschinen bis zum Wunsch, Kinder an den Forstbetrieb heranzuführen, seien die Ziele erreicht worden. Der Forstverwaltung war es laut Thomas Krämer auch ein großes Anliegen, „den Einsatz von Harvestern nicht zu verteufeln. Denn Handarbeit bei der Holzernte ist gefährlich, oft sogar tödlich.“ Diese Gefahr stellte die landwirtschaftliche Sozialversicherung – die ehemalige Berufsgenossenschaft – eindrucksvoll unter Beweis, indem sie Melonen durch Holzstücke zerstörte. Da wurde sogar Schirmherr Hans-Peter Friedrich blass. Dennoch wurde auch gezeigt, dass alte Forsttechniken beileibe nicht vergessen werden sollten: Holzrücken mit Pferden beispielsweise macht es möglich, auch einzelne große Bäume aus dichten Beständen zu bringen.
Selbst die Aussteller im Freien klagten nicht über mangelden Zuspruch. Vielleicht half, dass sich Bayerns Waldkönigin Isabella Wimmer von vielen Firmen und Institutionen persönlich beraten ließ. Sie wie die anderen Interessierten konnte zum Beispiel Borkenkäfer ganz aus der Nähe durch ein Mikroskop betrachten. Der Schädling bedroht auch heuer wieder viele Nutzbäume in Fran-kenwäldler Fichtenbeständen. Gerade zum Umgang mit dem Insekt gab es viele Fragen – und viele Antworten der Fachleute. Denn Waldbesitzer sorgen sich um ihre Bäume: beide wichtige Teile der hiesigen Holzwirtschaft.
(Heinz Wraneschitz)

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