Wirtschaft

21.02.2014

Die ungeliebte dritte Startbahn

Ein Kommentar von Ralph Schweinfurth

Nach dem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs kann also die dritte Start- und Landebahn am Münchner Flughafen gebaut werden. Das ist eine gute Nachricht für die bayerische Wirtschaft und den Luftverkehrsstandort Deutschland. Eine schlechte Nachricht ist es für die Anwohner rund um den Franz-Josef-Strauß Airport. Sie werden noch mehr Lärm und Abgase ertragen müssen.
Man mag dem ökologisch bedenklichen Flugverkehr sehr skeptisch gegenüberstehen, ohne ihn gibt es aber keine Außenwirtschaftserfolge für Bayern. Denn die Unternehmer im Freistaat sind auf möglichst viele Direktverbindungen gerade in die aufstrebenden BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) angewiesen, um Geschäfte machen zu können. Außerdem sollte man sich vergegenwärtigen, dass nicht nur der Airport selbst ein Jobmotor ist, sondern auch die exportabhängigen Unternehmen im Freistaat als solcher zu bezeichnen sind.
Das ist aber nicht das einzige Argument für die dritte Bahn. Wenn Deutschland weiterhin mit Frankfurt und München internationale Drehkreuz-Airports haben möchte, ist die Kapazitätserweiterung im Erdinger Moos unumgänglich. Denn gerade die arabischen Staaten investieren derzeit massiv in den Ausbau ihrer Flughäfen. Hätte Deutschland dem nichts entgegenzusetzen, würden nur noch Zubringerflüge von hier in diese internationalen Verteilknoten stattfinden.
Das kann selbstverständlich auch ein Weg sein für die Luftfahrt hierzulande. Allerdings überlässt man dann einen gewaltigen Teil an Wertschöpfung anderen Staaten – mit all den negativen Konsequenzen für den Arbeitsmarkt hierzulande.
Selbstverständlich ist es dramatisch, wenn die Alteingesessenen von Attaching, das ja denn direkt in der Verlängerung der dritten Bahn wäre, ihre angestammte Heimat verlassen müssen. Aber ein paar Kilometer weiter zu siedeln, ist angesichts der großzügigen Kompensationszahlungen, die der Flughafen München leisten will, zu verkraften. In den Kohletagebaugebieten Ostdeutschlands müssen die Menschen ähnliche Opfer bringen. Und selbst in Bayern gab es derartige Vorgänge. Man denke nur an den einstigen Ort Fall, der unter Wassermassen jetzt am Grund des Sylvensteinspeichers liegt.
Gesamtdeutsch betrachtet, ist die Erweiterung am Münchner Flughafen relativ einfach durchführbar. Denn hier sind nur wenige Anwohner betroffen. Im dicht besiedelten Bereich des Frankfurter Flughafen ist das schon eine andere Sache. Klar könnte man Flugverkehr an den krisengeschüttelten Flughafen Nürnberg umlenken. Doch selbst wenn es eine komfortable Bahnverbindung zwischen den süd- und den nordbayerischen Terminals gäbe, würden die Fluggäste so einen umständlichen Transfer zu ihrem Anschlussflug nicht auf sich nehmen.
Klar ist auch, dass man mit der derzeitigen Passagierentwicklung am Münchner Flughafen keine dritte Bahn braucht. Die Flieger werden immer größer und somit können mehr Fluggäste mit weniger Flugzeugen befördert werden. Aber wenn man Wachstum möchte, um auch künftig im internationalen Flugverkehr vorne mitspielen zu können, braucht man die dritte Bahn. Denn dann können neue Flugziele entwickelt werden. Denn auch Angebote schaffen Nachfrage – nicht nur umgekehrt.
Alle Startbahngegner werden jetzt sagen, der Autor dieses Artikels hat ja leicht reden, denn er muss ja nicht neben dem Münchner Flughafen leben. Doch ist diesem Autor völlig klar, was Fluglärm und Abgase bedeuten. Denn er wohnt etwa 800 Meter entfernt von der Start- und Landebahn des Nürnberger Flughafens. Zwar sind die Flugbewegungen dort wesentlich geringer als am Münchner Airport, aber nachfühlbar ist die Belastung trotzdem.

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