Wirtschaft

Für diese Parabolrinnenkraftwerke produziert Schott in Mitterteich die Solar-Receiver, also die Absorberrohre (weiße Röhren in der Mitte). (Foto: dapd)

30.11.2012

Produzieren für die Energiewende

In Mitterteich rollte der einmillionste Solar-Receiver vom Band

Solarthermische Kraftwerke sollen langfristig einen wichtigen Beitrag für die globale Energieversorgung liefern. Der Solar-Receiver, Herzstück der konzentrierenden Solarthermie-Technologie (CSP=Concentrated Solar Power), wird seit 2006 in Mitterteich (Landkreis Tirschenreuth) in Serie produziert. Vor Kurzem feierte man Jubiläum: In der Oberpfalz, zeitgleich auch im spanischen Tochterwerk in Aznalcóllar, wurde der einmillionste CSP-Receiver fertiggestellt.
In den Desertec-Kraftwerken wird aus gebündelter Sonnenenergie mittels Dampfturbine Strom erzeugt. Erste Wüstenkraftwerke befinden sich bereits in Spanien, den USA, Marokko oder Abu Dhabi. Erst kürzlich hat Schott 17.000 Receiver für eine erste Anlage nach Indien geliefert. Laut Hans-Joachim Konz, Mitglied des Vorstandes von Schott, befinden sich weltweit 40 weitere Projekte in der Konstruktion bzw. in der konkreten Planungsphase.

Gegenwind für Desertec

Diese Erfolgsmeldung wird allerdings durch die jüngst erfolgten Rückzüge der beiden Technologiekonzerne Siemens und Bosch aus dem Desertec-Projekt getrübt. Die Bosch-Tochter Rexroth, seit 2009 assoziierter Partner, begründet den Schritt mit der schwachen Konjunktur. Noch schwerwiegender, vor allem in der Außendarstellung, wiegt der Rückzug von Siemens. Das ehrgeizige Infrastrukturprojekt ist schließlich langfristig angelegt und befindet sich nach wie vor noch auf dem Weg „Von der Vision zur Realität“. Zwar hält Vorstandsvorsitzender Peter Löscher die mit Desertec verbundene Vision für längerfristig richtig, aber nicht zuletzt im jetzigen Kontext der europäischen Schuldenkrise gebe es andere Schwerpunkte. Auch hätten sich die geopolitischen Rahmenbedingungen verändert. Noch 2009 hatte man mit dem Kauf des israelischen Unternehmens Solel Weltmarktführer im Solarwärmemarkt werden wollen. Die so entstandene Siemens Concentrated Solar Power Ltd. sollte solarthermische Kraftwerke in Eigenregie bauen. Doch die Übernahme wurde zum millionenschweren Verlustgeschäft. Die Führerschaft in Sachen Solar-Receiver hat Siemens damit wohl an Schott abgegeben.
Nikolaus Benz, Geschäftsführer der Schott Solar CSP GmbH, kommentierte dies lapidar mit den Worten „Schade das Siemens raus ist, dieser Schritt ist nicht nachvollziehbar und war auch nicht notwendig“. Benz ergänzte seine Anmerkungen noch mit ein klein wenig Ironie: „Wenn aufgeräumt wird, wird auch etwas weggeworfen, was vielleicht besser nicht aufgeräumt worden wäre“. Er bezog sich dabei offensichtlich auf den eigentlichen Hintergrund des Rückzugs, dem vor kurzem gestarteten Sanierungsprogramms „Siemens 2014“. Durch dieses sollen in den kommenden zwei Jahren Einsparungen in Höhe von 6 Milliarden Euro erreicht werden.
 Für Konz ist die Überzeugungsarbeit in der Politik jedoch noch lange nicht beendet. Erst einen Tag vor der Jubiläumsproduktion saß man noch bei Bundeswirt-schaftsminister Philipp Rösler (FDP) und bat um Unterstützung: „Die Komplexität einer solchen Initiative erfordert eine ressourcenübergreifende Unterstützung.“ Weshalb man ebenso mit Bundesumweltminister Peter Altmeier (CDU) und Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) im Gespräch ist. Gerade die außenpolitische Komponente sei, so Konz, von großer Bedeutung.
Laut einer Studie des DLR geht man von einem Marktpotential der CSP-Technologie in der EU um in der MENA-Region (Middle East & North Africa) von mehr als 500 Gigawatt installierter Leistung im Jahr 2050 aus. Bis dahin könnten etwa 10 bis 25 Prozent des europäischen Strombedarfs aus den Wüsten gedeckt werden. Für den gesamten CSP-Markt wird in den kommenden Jahren ein jährliches Marktvolumen von 15 Milliarden Euro erwartet.
Randnotiz: Bis 2015 möchte China, laut einem Bericht der China Daily, bis zu 3000 Megawatt Kapazitäten konzentrierender Solarthermie (CSP) aufgebaut haben. (Matthias Hüttmann)

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Kommentare (2)

  1. ideengeber1 am 13.12.2012
    Schade, daß mit keiner Silbe erwähnt wurde, daß das genau die Technologie ist, die auch von der in Insolvenz gegangenen Firma Solarmilenium propagiert und vermarktet wurde.

    Ohne Verschwörungstheoretiker zu sein kann man doch zu dem Schluß kommen, daß - neben den hausgemachten Problemen bei SM- doch die starken Einflüsse und Lobbyarbeit der "Großen" zum
    Niedergang von SM beigetragen haben.
  2. Matthias Hüttmann am 31.01.2013
    Hallo "ideengeber1",

    da haben Sie sicherlich Recht, das wäre ebenso ein interessantes Thema gewesen. Jedoch ging es in dem Artikel eigentlich nur um den einmillionsten Solar-Receiver von Schott. Der Text ist aus aktuellem Anlass (Siemens und Bosch waren aus dem Desertec-Konsortium ausgestiegen) ein wenig ausführlicher geworden. In der Zeitschrift SONNENENERGIE ist ein ausführlicherer Artikel zu finden, die Website hat den gleichen Namen wie die Zeitschrift.

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