Wirtschaft

Hans-Peter Schmidt setzt auf den Komponisten Christoph Willibald Gluck. (Foto: Schweinfurth)

30.05.2014

Was Kulturförderung bewirken kann

Opern-Engagement der Nürnberger Versicherungsgruppe machte Metropolregion Nürnberg weltweit bekannt

Die Kulturförderung der Nürnberger Versicherungsgruppe geht auf die krisenhafte Wirtschaftsentwicklung aufgrund des Strukturwandels in der Frankenmetropole vor 15 Jahren zurück. Damals habe es zwischen Stadt Nürnberg und IHK Nürnberg die Absicht gegeben, sich 1,5 Millionen DM an Fördergeld von der EU zu holen. „Das konnte zum Glück verhindert werden“, erklärt Hans-Peter Schmidt, Aufsichtsratsvorsitzender der Nürnberger Versicherungsgruppe, der Staatszeitung. In seiner damaligen Funktion als Vorstandschef der Nürnberger und IHK-Präsident habe er vehement dafür gekämpft, das Stigma der „Krisenregion“ abzuwenden. „Denn hätten Stadt und IHK die 1,5 Millionen DM akzeptiert, wären auch noch die gesunden Unternehmen abgewandert“, sagt Schmidt.
Stattdessen habe man sich nach langen Diskussionen darauf geeinigt, aus der „K-Krisenregion eine K-Kulturregion“ zu machen. In dieser Zeit sei die Idee der europäischen Metropolregionen aufgekommen. „München und Stuttgart waren schon eine. Und wir wollten eine werden“, so der Aufsichtsratschef der Nürnberger Versicherungsgruppe. Voraussetzung für die Anerkennung als europäische Metropolregion bei der EU waren Schmidt zufolge herausragende Leistungen in den vier Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Sport. „Nun bei der Wirtschaft haben wir das mit den Weltkonzernen Adidas, Puma und Schaeffler. Außerdem haben wir einen starken Mittelstand, eine große Automobilzulieferindustrie. Fast kein Auto der Welt fährt ohne ein Teil aus Franken“, erklärt Schmidt. Auch bei der Wissenschaft konnte man mit der Universität Erlangen-Nürnberg und der Ohm-Hochschule in Nürnberg Gewichtiges vorweisen. Nur bei der Kultur gab es außer dem Germanischen Nationalmuseum nichts besonderes. Darum sei man auf Christoph Willibald Gluck gekommen. Mit ihm habe man die Anerkennung zum Staatstheater erreicht.
„Gluck war der musikalische Superstar des 18. Jahrhunderts. Alle, die nach ihm kamen, haben sich auf ihn gestützt“, erklärt Schmidt. So sei Mozarts „Entführung aus dem Serail“ Glucks „Pilgrimme von Mekka“ entlehnt. Auch Mozarts „Don Giovanni“ basiere auf Glucks „Don Juan“. Ebenso hätten zahlreiche Filmmusiken Gluck-Musik transponiert. „Gluck galt lange Zeit als verschollen, aber 2005 haben wir ihn mit den 1. Internationalen Gluck-Opern-Festspielen in der Metropolregion Nürnberg wieder einer breiten Öffentlichkeit bekanntgemacht“, erklärt Schmidt die Kulturförderung der Nürnberger Versicherungsgruppe für diese Festspiele. Durch sie gebe es jetzt weltweit wieder mehr als 250 Gluck-Aufführungen an über 40 Spielorten in 2014. Und immer sei Gluck auch ein Botschafter für die Metropolregion Nürnberg. Insofern war Gluck die richtige „Notwehr gegen das damalige Jammern und die Larmoyanz in der Region“, ist Schmidt überzeugt.
Die diesjährigen Internationalen Gluck-Opern-Festspiele finden vom 14. bis 27. Juli an den Spielorten Nürnberg, Fürth, Erlangen, Coburg, Berching und Freystadt statt. Für die nächsten Festspiele im Jahr 2016 hofft Schmidt, noch den Spielort Bayreuth hinzunehmen zu können. Das hängt allerdings von den Fortschritten bei der Sanierung des markgräflichen Opernhauses ab. „Aber spätestens 2018 werden wir mit Gluck in Bayreuth sein“, betont Schmidt. Denn auch die Wagner-Stadt habe eine Beziehung zu Gluck. Grund: Wagners „Iphigenie in Aulis“ gründet auf Glucks „Iphigenie in Aulis“. Darum will Schmidt auch unbedingt die beiden Fassungen in Bayreuth darbieten lassen. Zuerst die Wagnersche Fassung, als Respekt vor der Wagnerstadt, und anschließend die Glucksche Fassung. Dann könne man feststellen, dass Gluck sehr gefällige Musik komponiert hat. „Glucks Musik ist keine verklausulierte, kaprizierte Musik“, betont Schmidt. Darum sei dieser Komponist bestens geeignet, Menschen, die mit klassischer Musik eigentlich nichts anfangen können, die Klassik dennoch nahezubringen.
Aus heutiger Sicht war also Schmidts Engagement für die Metropolregion Nürnberg genau richtig. Die Kulturförderung der Nürnberger Versicherungsgruppe für die Internationalen Gluck Opern Festspiele sorgt weit über den nordbayerischen Raum hinaus für Bekanntheit. Darum ist aus der Krisen- eine Chancenregion geworden.
(Ralph Schweinfurth)

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