Bauen

Die Teilnehmer der Professoren-Tagung bestaunen im Stadtentwicklungsgebiet Esch-Belval das gelungene Nebeneinander von Alt und Neu. (Foto: Ziegel Zentrum Süd)

24.09.2010

6000 Jahre Ziegelarchitektur im Rückblick

Ziegel Zentrum Süd: Professoren-Tagung 2010 in Trier

Althergebrachtes Wissen ist in Zeiten ökologischer Umwälzungen häufig Grundstock für neues Denken. Die Entwicklungsschritte von nahezu unverwüstlichen römischen Ziegelbauten, die in Trier als Weltkulturerbe erlebbar sind, zu innovativen Ideen junger Ziegelproduzenten im 21. Jahrhundert bildeten den gedanklichen und stofflichen Rahmen der Professoren-Tagung des „Ziegel Zentrum Süd“. Bausteine für nachhaltige Gebäudehüllen, die auch in den kommenden Jahren auf die Neuerungen der Energieeinsparverordnung eingehen können und Garant für energieeffizientes Planen und Bauen sind, wurden exemplarisch in den Vorträgen aufgezeigt und gleichzeitig in drei Ausstellungen – quasi zum Anfassen – präsentiert.
Die Grundprinzipien von Urbanität und Stadtgestalt waren ebenso Thema der Tagung wie gelungene System- und Raumstrukturen, die aus dem erfolgreichen Zusammenspiel der Planung von Fachleuten entstehen können. Die Baugeschichte der Stadt Trier wurde in Vortrag und Exkursion beleuchtet. Eine Exkursion nach Luxemburg, in das riesige Stadtentwicklungsgebiet von Esch-Belval und zu nicht minder spektakulären Projekten in der Hauptstadt rundeten die Veranstaltung ab.
„Vor allem die konstante Verschärfung der Energieeinsparverordnung wurde von so manchem Planer vermeintlich als Todesstoß für Ziegel als Außenwandbaustoff gesehen. Weit gefehlt. Die ungeheure Innovationskraft der Ziegelindustrie der letzten Jahre und Jahrzehnte zeigt deutlich, dass dieser Baustoff nach seiner 6000jährigen Erfolgsgeschichte noch lange nicht am Ende angelangt ist“, betonte Waltraud Vogler, Geschäftsführerin des Ziegel Zentrum Süd.
Die Bandbreite von schweren, speicherfähigen, nahezu unverwüstlichen Ziegeln – wie bei den römischen Bauten, die in Trier zu sehen sind – zu den filigranen, großformatigen, hochwärmedämmenden Ziegelerzeugnissen des 21. Jahrhunderts dokumentieren den Erfindergeist und die Fachkenntnis der jungen Ziegelhersteller. Heutzutage sehnen sich allergiegeplagte, gestresste Auftraggeber nach behaglichem Raumklima und nach Baustoffen, die die Gesundheit nicht gefährden. Zukünftigen Generationen soll ein unbedenkliches Erbe hinterlassen werden.


Drei Ausstellungen


Das Ziegel Zentrum Süd mit Sitz in München fördert Lehrende und Studierende der Architektur und des Bauingenieurwesens. Dabei steht der Baustoff Ziegel mit seinen Potenzialen im Vordergrund. Anlässlich der Professoren-Tagung in der Aula des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Trier trafen sich an die 40 Professorinnen und Professoren der Architektur und des Bauingenieurwesens, um sich über neue Projekte und Erkenntnisse auszutauschen.
Neue Ansprüche, zum Beispiel veränderte Wohnformen, hohe Anforderungen zum Wärmeschutz, neue Bedingungen aus der Nachhaltigkeit stellen die Haut eines Gebäudes vor neue Herausforderungen. Thomas Jocher von der Universität Stuttgart näherte sich anlässlich der Tagung dem Wert und Nutzen von Gebäuden über die Beschaffenheit der Hüllen, die sie umschließen, und betrachtete die spezifische Leistungsfähigkeit der „Haut“ im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und „Schönheit“.
Auch energetische Aspekte waren Teil seiner Überlegungen. Aspekte, die Kernpunkte der Arbeit von Georg Sahner, Hochschule Augsburg, sind, der in seinem Vortrag Systemstrukturen energieeffizienter Architektur beleuchtete. Kybernetische Planungsprozesse und sich selbst regulierende Systeme brachte er in Zusammenhang mit nachhaltiger Architektur im Zeitalter des demographischen Wandels. Michael Pröll, Ziegel Zentrum Süd, spannte den Bogen von jahrtausendealten Bauwerken aus Ziegel zu heutigen Gebäuden und ihren Eigenschaften und den Anforderungen, die in Bezug auf Wärmeschutz, Schallschutz und Bautechnik und -konstruktion zu beachten sind.
 Erstmalig wurden drei Ausstellungen anlässlich der Professoren-Tagung eröffnet. Die Ausstellung zum Architekturpreis 2009, die seit Februar 2010 die Wanderschaft durch acht süddeutsche Hochschulen angetreten hat, bildete mit 32 gebauten Projekten den Kern der Ausstellungen. Arbeitsmodelle aus gebranntem Lehm, die im Herbst 2009 in einem Entwurfsworkshop der Hochschulen Augsburg und Trier im Kloster Lichtenthal in Baden-Baden entstanden, wurden als beeindruckende Formation gezeigt. Die gelungene Präsentation wurde ergänzt durch Anschauungsmaterial in Form von Hintermauerziegeln der neuesten Generation und Klinker, Vormauerziegel und Keramikhohlplatten in Oberflächen, Farben und Formaten, die den gestalterischen Nerv der Architekten besonders treffen.
Matthias Sieveke von der Hochschule Trier dokumentierte in seinem Vortrag die gut 2000jährige Geschichte der Stadt Trier von ihren römischen Anfängen, über die dramatischen Veränderungen, die das Mittelalter und die Entstehung der Bischofsstadt für das Stadtgefüge mit sich brachte, bis hin zur Moderne.


Lebhafte Diskussion


Stadträumliche Qualitäten und wesentliche Prinzipien zur Stadtgestaltung sind seit Jahrzehnten Anliegen von Rob Krier, Berlin. Er zeigte eine beeindruckende Zahl von zum Teil großräumigen Stadtbausteinen, anhand derer er seine Thesen zur Stadtkomposition herleitete.
Die Cité Judiciaire, sein erst kürzlich vollendetes Werk am Rande der Luxemburger Altstadt, leitete über zur sehr lebhaften Diskussion zum Abschluss der Tagung. Sie war bestimmt von der Kontroverse zwischen Krier’s Auffassung vom Umgang mit der Moderne, vor allem in Bezug auf Formensprache und Materialität, die in weiten Zügen abwich von der Auffassung vieler Professorinnen und Professoren.
Die Luxemburg-Exkursion führte nach Esch-Belval, einem großen Stadtentwicklungsgebiet, das auf Brachland der Schwerindustrie nach dem Masterplan von Jo Coenen zwischen archaisch anmutenden Hochöfen am Entstehen ist. Rob Krier führte durch die Cité Judiciaire auf dem Heilig-Geist-Plateau. Der Blick von dort hinüber zu den Bauten des Kirchberg-Plateaus hätte die Kontraste kaum deutlicher veranschaulichen können.
Der Besuch des erst im Mai 2010 eröffneten städtischen Museum „Villa Vauban“, geführt durch den Architekten Philippe Schmit, vermittelte eine wohltuende Gestaltungs- und Detailsicherheit und gekonnten Umgang mit komplexen Raumzusammenhängen und hochwertigen Oberflächen zum Abschluss der Exkursion. (BSZ)

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