Bauen

Die neue Ortsumfahrung von Faulbach. (Foto: Staatliches Bauamt Aschaffenburg)

01.02.2013

Bauzeit unterschritten

Ortsumgehung von Faulbach für den Verkehr freigegeben

Am 19. März 2007 wurde das Faulbacher Rathaus (Landkreis Miltenberg)in seinen Urfesten erschüttert. Ein „Brummi“-Fahrer hatte die zahlreichen Warnhinweise ignoriert und sein Fahrzeug im historischen Torbogen verkeilt. Immer wieder waren in der Vergangenheit Lkws an das Bauwerk geprallt, doch diesmal führte der Unfall zu einer massiven Schädigung der Bausubstanz. Eine notwendige, wochenlange Sanierung mit umfangreichen Umleitungen und damit einhergehenden Einschränkungen des Verkehrs waren der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Politik, Kommune und Straßenbaubehörde erklärten das bereits seit langem angedachte Projekt „Ortsumfahrung Faulbach“ zur Chefsache und fanden schließlich eine schnelle Lösung für die zeitnahe Realisierung: die kommunale Sonderbaulast.
Zentrales Element des Förderprogramms „Staatsstraßen in kommunaler Sonderbaulast“ ist das Auftreten der Kommune als Bauherr. Mit einem höheren staatlichen Fördersatz von 80 Prozent reduzierte sich der Eigenanteil der Südspessartgemeinde rund 5,3 Millionen Euro teuren Gesamtprojekt deutlich. Zudem beteiligte sich der Landkreis Miltenberg mit gut 400 000 Euro am Umbau des Knotenpunkts mit den Kreisstraßen.
Im Auftrag der Gemeinde Faulbach plante ein Ingenieurbüro die Fortsetzung der Trasse um den Ort herum. Das Baurecht wurde mittels Bebauungsplan erlangt. Besonderes Problem war die Verlegung eines Wasserschutzgebiets im Verlauf der Entlastungsstraße und die Sicherstellung einer Ersatzversorgung. Nach erfolgreichem Grunderwerb durch die Gemeinde übernahm das Staatliche Bauamt Aschaffenburg im Auftrag Faulbachs die weitere Abwicklung der Maßnahme.
Bauvorbereitend fanden Grabungsarbeiten zur Erkundung von Bodendenkmälern statt. Sie ergaben einen fundfreien Trassenverlauf, so dass eine Erweiterung der Untersuchungsfläche nicht notwendig war und es zu keiner Verzögerung des Baubeginns kam. Lediglich im Bereich eines Feldwegs wurden Siedlungsaktivitäten aus dem Endneolithikum oder der Bronzezeit durch eine Grube mit Scherbenfunden entdeckt.
Die Bodenuntersuchungen ergaben sehr unterschiedliche Bodenschichten. Von Schwemmlehm über Talschotter bis hin zu Fels kam alles in den Schichthorizonten vor, sodass umfangreiche Bodenverbesserungsmaßnahmen vorgenommen werden mussten.
Nach öffentlicher Ausschreibung erfolgte schließlich am 7. Oktober 2011 der Baubeginn mit feierlichem Spatenstich. Nach nur einem Jahr Bauzeit konnte die 2,025 Kilometer lange Neubaustrecke fertiggestellt und dem Verkehr übergeben werden. Am 2. November 2012 wurde die offizielle Einweihung der insgesamt 2,8 Kilometer langen Ortsumfahrung gefeiert.
Die Arbeiten umfassten Erdbewegungen von rund 55 000 Kubikmetern, die Herstellung von fünf Brückenbauwerken und die zeitweise Verlegung des Faulbachs. Neben zwei Kreisverkehrsplätzen wurden zwei weitere, höhengleiche Knotenpunkte angelegt. Außerdem fanden Gewässerausbauten statt, vier Regenwasserrückhaltebecken wurden angelegt sowie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen umgesetzt und insgesamt 22 500 Quadratmeter Asphaltfläche für Straße, Geh- und Radwege sowie Feldwege hergestellt. Die anvisierte Bauzeit von 15 Monaten wurde aufgrund eines milden Winters 2012 und ausbleibender Schwierigkeiten unterschritten. Besonders die partnerschaftliche Bauabwicklung ist hervorzuheben. Das sehr engagierte Auftreten der beteiligten Firmen trug erheblich zu der dreimonatigen Bauzeitverkürzung bei.

Fünf Brückenbauwerke


Bereits kurze Zeit nach der Verkehrsfreigabe ist offensichtlich, dass die mit dem Projekt verfolgten Ziele erreicht wurden. Für den Südspessart ist eine Verbesserung der Anbindung an die Mittelzentren und Oberzentren sowie Stärkung der regionalen Entwicklungsachse schon jetzt spürbar. Auch die Entlastung der engen Ortsdurchfahrt Faulbachs durch den Durchgangsverkehr ist erheblich zurückgegangen. Die damit einhergehende Aufwertung des Wohnumfelds und der Verbesserung der Lebensbedingungen in der Gemeinde resultiert nicht zuletzt aus der nun vorhandenen, bedarfsgerechten Anbindung der Gewerbegebiete in westlicher Richtung Faulbachs.
Bürgermeister Walter Weiner freut sich auf die Entwicklungsmöglichkeiten seiner Gemeinde. Die anstehende Dorferneuerung und die Entwicklung eines innerörtlichen Verkehrskonzepts bergen Chancen. Nach der gebannten Anprallgefahr am Torbogen soll die Sanierung des historischen Rathauses vollzogen werden, das in Zukunft weniger Erschütterungen ertragen muss. Damit wackelt dann auch der Stuhl des Bürgermeisters nicht mehr.
(Michael  Jung)

Im März 2007 rammte ein Lkw das Faulbacher Rathaus - Foto: Gemeinde Faulbach)

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