Bauen

Die bronzefarbige Fassade des großen Konzertsaals. (Foto: Sturm)

10.12.2010

Bronzefarbene Hülle

Neubau der Musikschule Essenbach

Der Neubau der Musikschule Essenbach in unmittelbarer Nähe zur Eskara-Halle und Hauptschule stärkt die Entwicklung der westlichen Gemeindegrenze zu einem Kultur-, Bildungs- und Freizeitzentrum. Als wesentliche Aufgabe ihrer städtebaulichen Bearbeitung innerhalb der Entwurfsaufgabe sah das Landshuter Architekturbüro feigel – huber – architekten zusammen mit der vorhandenen Baukante der Eskara zum einen in der Herausarbeitung einer klaren Ortsrandbebauung, als auch in der Aufnahme vorhandene Bezüge von Platz- und Raumkanten, die durch den Neubau gestärkt und ihren städtebaulich Abschluss finden. Die prominente zentrale Anordnung des Saals und dessen klare Ausformulierung mit der vorgelagerten Platzstruktur formuliert zur Eskara ein gleichwertiges Gegenüber, so das Architekturbüro.
Die Haupterschließung des Neubaus erfolgt über eine zentrale zweigeschossige Eingangshalle und die L-förmig um den Saal herum angeordnete Erschließungsachse, wodurch einer akustischen Entkoppelung von Konzertsaal und den übrigen Räumlichkeiten der Musikschule bereits im Entwurf Rechnung getragen wird. Eine natürliche Belichtung aller Erschließungsbereiche bis in das Untergeschoss wird laut feigel – huber durch entsprechende Oberlichter entlang des Saals sichergestellt.
Die Verwaltung wurde im Erdgeschoss direkt im Zugangsbereich angeordnet. Im Untergeschoss sind neben den erweiterten Sanitäranlagen für große Saalveranstaltungen unter anderem besonders laute Musikräume untergebracht. Sämtliche Unterrichtsräume werden übersichtlich mit vorgelagerten Warte- und Aufenthaltsbereichen im Obergeschoss untergebracht.
Aus akustischen Gründen (Masse = Schallschutz) wurde das gesamte Gebäude in Massivbauweise (Stahlbeton beziehungsweise Mauerwerksbau) errichtet. Insbesondere die Unterrichts- und Probenräume erhielten massive Außenwände in Stahlbeton mit Wärmedämmverbundsystem beziehungsweise hinterlüfteter Metallverkleidung. Die Fenster in den Proben- und Unterrichtsräumen sind als Lochfenster ausgeführt. Das Foyer erhielt eine Pfosten-Riegelfassade in Holzbauweise mit außen liegenden Metalldeckleisten.
Der Konzertsaal wurde mit Außenwänden in Stahlbetonbauweise geplant, das Tragwerk in Holzleimbindern, innenseitig akustisch mit Holzelementen belegt, außenseitig mit hinterlüfteter Metallfassade.Die Lüftung im Saal erfolgt mechanisch (Versammlungsstättenverordnung), ansonsten ausschließlich über eine natürliche Be-und Entlüftung über die Fensterelemente. Als Dachform wurden, so die Landshuter Architekten, ausschließlich Pultdächer mit einer Metalldeckung gewählt

Kompakte Bauweise


Entscheidend war für das Planungsbüro eine freundliche, helle Gestaltung mit einem Wechselspiel von warmen und kalten Materialien die gleichermaßen Vertrauen und Identifikation für die Nutzer und den gesamten Ort darstellt. Das bronzefarbige Metallmaterial der Fassade des großen Konzertsaals rekrutiert sich aus der Metapher eines Blasinstruments und spiegelt somit auch nach außen die Nutzung wieder. Putzflächen stellen den Ortsbezug zur umliegenden Bebauung dar. Die linienartige Fassadengestaltung der Unterrichts und Probenräume im Obergeschoss mit ihren rhythmisch angeordneten Fensteröffnungen lassen symbolhaft die Struktur einer Notenzeile wieder erkennen.
Die Musikschule wird von der bestehenden Energiezentrale der Eskara versorgt. Durch die kompakte Bauweise, einer hoch gedämmten Hülle mit entsprechend starken Wärmedämmverbundsystem und hochwertigen Isoliergläsern kann der Heizenergiebedarf laut feigel – huber optimiert werden. Als Heizsystem wurde ein Niedertemperatursystem/Fußbodenheizung vorgesehen. Die schwere Bauweise der Aussenwände begünstigt neben der Akustik unter anderem den sommerlichen Wärmeschutz, wodurch die solaren Einträge tagsüber gut aufgenommen werden und nachts durch entsprechende Nachströmöffnungen in den Fenstern dezentral abgelüftet werden.
Der Konzertsaal lehnt sich an die akustisch bestens bewährte Rechteckform an. Durch die leicht aus der Parallelen geneigten Seitenwand und Decke werden jedoch störende Flatterechos vermieden und beste Voraussetzungen für eine homogene Schallübertragung geschaffen, betonen die Architekten. Für die Verkleidung der Wandoberflächen wurden strukturierte Holzverkleidungen ausgeführt, die den Schall diffus streuen. Zur variablen Beeinflussung der Akustik wurden schallabsorbierende Vorhänge integriert. Auf diese Weise lassen sich die akustischen Verhältnisse sehr gut an die Nutzungen anpassen.
Die technische Ausstattung des Konzertsaals lässt die meisten Musikschulen neidvoll nach Essenbach blicken. So gibt es im neuen, akustisch perfekt abgestimmten Konzertsaal für den „täglichen Betrieb“ und kleinere Veranstaltungen ein Touchpanel mit dem sich die komplette Technik im Raum intuitiv steuern lässt. Neben dem allgemeinen Raumlicht lässt sich damit auch die Bühnenbeleuchtung, die Beschallungstechnik und die moderne Videotechnik steuern. Für größere Veranstaltungen und Konzerte stehen der Musikschule ein digitales Audiomischpult sowie ein hochmodernes Lichtsteuerungssystem zur Verfügung. Auch bei der Videotechnik setzte das für die Elektroplanung verantwortliche Ingenieurbüro Sterr aus Landshut auf moderne Standards.
Die nicht nur akustisch, sondern auch optisch sehr ansprechenden Lautsprechersysteme wurden von der Installationsfirma MEDIA-tek aus Bodenkirchen exakt ausgerichtet und architektonisch sehr ansprechend montiert. So wurde zum Beispiel vor der Installation eine so genannte elektroakustische Simulation erstellt, die Aufschluss über die besten Lautsprecherpositionen gibt. Auch die Montage der Lautsprechersysteme wurde bestens gelöst. So ist beispielsweise kein störendes Lautsprecherkabel zu sehen, da diese innerhalb der Lautsprecherhalterungen verlegt wurden. (FHH)

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