Bauen

Günther Hoffmann in seinem Berliner Büro. (Foto: BMVBS)

05.11.2010

Deutschlands oberster Baubeamter kommt aus Bayern

Der frühere Mitarbeiter der Obersten Baubehörde, Günther Hoffmann, avancierte Ende vergangenen Jahres zum Abteilungsleiter Bau im Bundesbauministerium

Seit Ende letzten Jahres ist er quasi der oberste Baubeamte der Republik: Günther Hoffmann. Denn im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) ist er Leiter der Abteilung Bauwesen, Bauwirtschaft und Bundesbauten.
In Nürnberg (Jahrgang 1949) geboren und aufgewachsen, kam er nach München, da sein Vater, der Lehrer war, an die Staatskanzlei versetzt wurde. In der Landeshauptstadt besuchte er das Gymnasium und studierte dann Architektur an der Technischen Universität (TU). „Nach dem Studium habe ich, wie natürlich alle jungen Architekten, Wettbewerbe gemacht und sogar mit anderen zusammen einen gewonnen“, erzählt Hoffmann. In einer Partnerschaft wurde der Wettbewerbserfolg gebaut und zwar das Landratsamt in Passau.
An diese Zeit schloss sich die Ausbildung für den höheren bautechnischen Verwaltungsdienst in Bayern. Nach dem Referendariat und Bestehen der 2. Staatsprüfung kam Hoffmann als Architekt und Abteilungsleiter in die Finanzbauverwaltung, die damals im Finanzministerium angesiedelt war, und zwar an das Finanzbauamt München I. 1988 wurde Hoffmann dann ins Finanzministerium berufen, wo er Referent für die bayerische Finanzbauverwaltung war und später Vertreter des Leiters der Finanzbauverwaltung.
1993 kam mit Ministerpräsident Edmund Stoiber die Zusammenlegung der Staatsbau- mit der Finanzbauverwaltung. Und im Zuge dieser Zusammenlegung der beiden Bauverwaltungen kam Hoffmann mit seinem Aufgabenbereich aus dem Finanzministerium direkt in die Oberste Baubehörde (OBB). Dort war er von 1994 bis 2009 Sachgebietsleiter Staatliche Hochbauverwaltung und unter anderem mit den Zuständigkeiten für den gesamten Bundesbau betraut. „Da legt sich dann auch die Spur schon ein bisschen für später.“

"Es ist spannend in Berlin zu leben und zu arbeiten"

Neben seiner regulären Arbeit war Hoffmann auch lange Zeit ehrenamtlich bei der Bayerischen Architektenkammer tätig – Mitglied der Vertreterversammlung und seit 1995 1. Vizepräsident der Kammer. In diesem Amt war er zuständig für Personal, Organisation und Haushalt, aber auch für die Leitlinien der Kammer. Seit 2001 war Hoffmann parallel dazu auch Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer in Berlin. Beide Ämter gab er im März 2010 ab, um sich voll der Arbeit im Bundesbauministerium widmen zu können. Denn, so Hoffmann, es hätte „Themenbereiche gegeben, die sich berühren und ich hätte im Prinzip den Berufsstand oder meinen jetzigen Arbeitgeber nicht zu 100 Prozent unterstützen können, wenn ich noch andere Verpflichtungen eingegangen wäre“.
Im Rahmen der Neubildung der Bundesregierung wurde Hoffmann gefragt, ob er Interesse hätte, ins Bundesbauministerium zu wechseln. Für ihn eine überraschende Anfrage. „Wir haben natürlich alle nach Berlin geschaut, was passiert, insbesondere nachdem wir erfahren haben, dass Peter Ramsauer als Bundesbauminister das Ministerium übernehmen wird, aber persönlich habe ich nicht damit gerechnet.“
Auf die Frage, ob ihm der Abschied aus München schwer gefallen ist, antwortet Hoffmann: „Natürlich fällt einem der Abschied aus München immer schwer und vor allem freut es einen unheimlich, wenn man wieder nach München zurückkommt. Allerdings muss ich sagen, dass sich die Aufgabe und vor allem die Stadt Berlin sehr spannend darstellen. Beide Städte sind überhaupt nicht miteinander zu vergleichen, sind vom Charakter und Städtebau ganz unterschiedlich angelegt. Trotzdem ist es spannend, in Berlin zu leben und zu arbeiten.“
Nach Berlin ging Hoffmann mit dem Anliegen, nachhaltiges und qualitätsvolles Planen und Bauen umzusetzen. In diesem Zusammenhang verweist er darauf, dass man während seiner Zeit in der OBB und der Bayerischen Architektenkammer auch immer die Durchführung von Architektenwettbewerben förderte. „Architektenwettbewerbe sind Leistungs- und Qualitätswettbewerbe, die letztendlich in unserem Land die Baukultur mitbegründen, auf die wir ja auch stolz sein können und die das Bild unserer Heimat prägen.“
Mit diesen Vorstellungen ist Hoffmann natürlich auch nach Berlin gegangen. Die Festlegungen im Koalitionsvertrag rückten allerdings die Vorbildfunktion des Bauens für die öffentliche Hand, insbesondere was die Nachhaltigkeit betrifft, die Planungsqualität sowie die energetische Gebäudeoptimierung in den Vordergrund. „Und das ist eins der Dinge, die ich mir wirklich auf die Fahnen geschrieben habe, dass wir hier beispielhaft für den Bund darstellen, wie wir nachhaltig ressourcenschonend und energiesparend bauen können und trotzdem beste Technologie haben.“
In diesem Zusammenhang kommt Hoffmann auf die Bauforschungsinitiative Zukunft Bau zu sprechen, die das Ziel hat, die internationale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Bauwesens auch zu stärken und bestehende Defizite, insbesondere im Bereich der technischen, baukulturellen und organisatorischen Innovationen zu beseitigen beziehungsweise wieder zu besetzen. Gefördert wird im Rahmen der Bauforschung überwiegend die mittelständisch strukturierte Bauwirtschaft in Deutschland.
Als gelungenes Beispiel dieser Forschungsinitiative nennt Hoffmann das Plus-Energie-Haus. Anhand dieses Projekts wird gezeigt, wie durch intelligente Architektur und den Einsatz innovativer Gebäudetechnik ein Haus nicht nur den Strom erzeugt, den es für sich braucht, sondern darüber hinaus auch noch mehr Strom liefert. 2011 soll in Berlin ein tatsächliches Plus-Energie-Haus realisiert werden, in dem eine Familie lebt. Finanziert wird dieses Haus über die Forschungsinitiative unter Beteiligung der Bauwirtschaft.
Derzeit sei man auch in Gesprächen mit der bayerischen Bauwirtschaft und dem bayerischen Wirtschaftsministerium, wie diese Pilotprojekte, mit Unterstützung des Bundes, in Modellregionen weiter voranzubringen sind. Obwohl momentan noch in der Projektfindung, „wird es im Bereich des Wohnungsbaus und der innovativen Technik sein, die unter anderem in Richtung Entwicklung energetischer Bauteile geht, um letztendlich die Gebäudetechnik zu optimieren“.
Im Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Bundesregierung steht unter anderem: „Der Bund wird auch in Zukunft seiner Vorbildfunktion für Baukultur und Nachhaltigkeit bei seinen Baumaßnahmen gerecht werden.“ Für Hoffmann erstreckt sich die Vorbildfunktion nicht nur auf die besondere Qualität, die man von Seiten des BMVBS einfordert, sondern erstreckt sich insbesondere auch auf die energetische Sanierung von Bundesbauten, vor allem beim Einsatz innovativer Technologien und Materialien. Um diese Vorbildwirkung in energetischer Hinsicht voranzutreiben werden laut Hoffmann im Bereich der Bundesbaumaßnahmen die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit nicht unwesentlich unterschritten. „Das heißt, wir erfüllen schon mehr als wir eigentlich sollen, um hier tatsächlich als Vorbild nach außen wirken zu können.“ Damit seien alle Bauwerke gemeint, die der Bund betreut, also nicht nur Regierungsgebäude, sondern auch Bauten für museale und kulturelle Zwecke.
Das Bauvolumen des Bundes lag nach Hoffmanns Worten in den letzten Jahren in einer Größenordnung von rund 2,5 bis 3,5 Milliarden Euro. 2009 betrugen die Bauausgaben einschließlich der Baunebenkosten 3,1 Milliarden Euro.
Eins, was oft so gar nicht gesehen wird, stellt Hoffmann aber noch heraus. Der Bund hat natürlich auch im Ausland einen enormen Bestand von Bauten und zahlreiche zivile Baumaßnahmen – Stichwort: Auswärtiges Amt mit seinen Botschaften. „Ich meine, dass gerade in der Zeit, wo das Wirtschaftswachstum nicht mehr so stetig steigt, wir mit unserem Bauvolumen ein ganz wichtiger Garant sind für den Export hochwertiger deutscher Architekten- sowie Ingenieurleistungen.“

"Ich glaube, dass der freiwillige Ansatz der richtige ist"

Als Beispiele herausragender Baumaßnahmen nennt Hoffmann unter anderem den Bundesgerichtshof in Karlsruhe, ein denkmalgeschütztes Gebäude, das energetisch saniert wird. Ferner die Deutsche Botschaft in Washington, auch ein Symbol der neuen Republik. Das Gebäude wird ebenfalls einer energetischen Sanierung unterzogen, die natürlich den Denkmalschutzcharakter und die Erscheinungsform des Gebäudes bewahrt, aber „trotzdem zeigt, welche Technologie- und Innovationsfähigkeit die deutsche Bauwirtschaft hat“.
Es ist laut Hoffmann auch ein besonderes Anliegen des Bundesbauministeriums und insbesondere seiner Abteilung, über Auftrags- und Antragsforschung diese innovativen Technologien weiter zu entwickeln. „Wir setzen da auch auf einen privatwirtschaftlichen Anteil, das heißt, wir finanzieren 30, 40, 50 Prozent und hoffen dadurch das Engagement der Bauwirtschaft zu aktivieren.“
Derzeit wird noch die Auslobung eines Wettbewerbs für die Sanierung des ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Umweltbundesamts in Berlin vorbereitet. „Dort werden wir beispielhaft erproben und nachweisen, wie wir mit einer energetischen Optimierung und Sanierung an denkmalgeschützten Gebäuden umgehen.“
Im Zusammenhang mit den „Richtlinien für Planungswettbewerbe“ (RPW) erklärt Hoffmann, dass es früher die GRW (Grundsätze und Richtlinien für die Durchführung von Wettbewerben) gegeben hat – regional unterschiedliche Regeln. In den letzten Jahren gelang es schließlich in enger Zusammenarbeit zwischen dem Bundesbauministerium und den berufsständischen Kammern, hier zu einer einheitlichen Regelung bei der Durchführung von Wettbewerben zu kommen.
13 der 16 Bundesländer sowie der Bund haben mittlerweile die RPW eingeführt. Hoffmann ist davon überzeugt, dass in näherer Zukunft alle Länder ein einheitliches Wettbewerbswesen auf der Basis dieser Richtlinien haben. In Bayern wurden die neuen Regeln ebenfalls in Kraft gesetzt und für Wettbewerbe mit dem Freistaat als Auslober für verbindlich erklärt. Zugleich sind in Bayern aber die alten GRW nicht abgeschafft. Kommunen und private Auslober können zwischen beiden wählen – je nachdem, welche Regeln ihnen in einem Wettbewerb besser passen.
Hoffmann erachtet die RPW für „ganz wertvoll“, denn darin ist geregelt, wie ein einvernehmliches Vertragsverhältnis zustande kommen kann und eine qualitativ hochwertige, aber gerechte Beurteilung der Arbeiten erfolgt. „Ich glaube, dass die RPW die Länder durch die einheitliche Verfahrensweise überzeugen werden.“ Er könne nur dafür werben, „weil wir bei den Wettbewerben keine Verfahrenseinsprüche haben, das heißt, die Verfahren sind absolut sicher und überzeugen den Bauherren, ob öffentlich oder privat.“
Die Einführung einer umfassenden Sanierungspflicht für bestehende Gebäude ist vom Tisch. Für Hoffmann eine richtige Entscheidung, denn eine Pflicht, die noch dazu mit Strafen versehen werden sollte, ist seiner Ansicht nach nicht der richtige Ansatz, die Gesellschaft zu überzeugen, mehr in die energetische Sanierung ihrer Gebäude zu investieren. „Ich glaube, dass der freiwillige Ansatz der richtige ist und da hilft auch unsere Vorbildfunktion, indem wir einfach die Bürger überzeugen.“ Das Gebot der Wirtschaftlichkeit sei ja durch das Bundesbauministerium erfolgreich im Energiekonzept der Bundesregierung verankert worden, da der geplante Entwurf ja erhebliche Eingriffe in das grundgesetzlich verankerte Eigentumsrecht vorsah. Man müsse sich jetzt eben nach dem Motto „Fördern – Fordern – Informieren“ auf finanzielle Anreize konzentrieren, um die energetische Sanierung insgesamt nach vorne zu bringen.
Im Zusammenhang mit den ständig sinkenden Neubauzahlen meint Hoffmann, dass dies verständlich ist, denn der Wert müsse in erster Linie darauf gelegt werden, den Bestand zu erhalten und energetisch fit für die Zukunft zu machen.
Besonders hob Hoffmann das Verhältnis zur Bauwirtschaft hervor. Der Koalitionsvertrag betone, dass die Bau-, Wohnungs- und Immobilienwirtschaft besonders wichtige Wirtschaftszweige in Deutschland sind. Aus diesem Grund würde die Bundesregierung unter Federführung des BMVBS mit der ausführenden Bauwirtschaft, der Industriegewerkschaft Bau, Agrar und Umwelt sowie der Baustoffindustrie einen Strategiedialog führen. Diese Plattform wird genutzt, um verkehrs- und baupolitische Themen, die von strategischer Bedeutung für die Branche sind, zu vertiefen. „Wir haben eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und wollen als ersten Meilenstein mit tatsächlichen Ergebnissen in diesem laufenden Dialogprozess ein Zwischenbilanzgespräch mit dem Bundesbauminister und den Präsidenten der Verbände in der Mitte der Legislaturperiode anstoßen.“
Ein zweiter Punkt ist für Hoffmann die Gesamtwirtschaftlichkeit, die seiner Ansicht nach die Baukultur, die Nachhaltigkeit, die energetische Sanierung von Bundesbauten und den Einsatz innovativer Technologien und Materialien beinhaltet. „Meine Überzeugung ist, dass man diese Punkte in eine erweiterte Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einbeziehen muss, weil, und da ist mir ganz persönlich daran gelegen, nicht nur mit dem Begriff der Wirtschaftlichkeit Kosten erfasst werden, sondern letztendlich auch der Nutzen der Maßnahmen.“ Das heißt, neben den monetären Aspekten müssen auch die nicht monetär bewertbaren Aspekte angemessen im Rahmen dieser Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen mit einbezogen werden.
„Bei all unseren Baumaßnahmen liegt mir natürlich besonders am Herzen, dass sie sich besonders qualitätsvoll darstellen, sie zweckmäßig und wirtschaftlich errichtet werden, sich im Gesamtbild unserer gebauten Umwelt einfügen und das Ganze zu einem runden Bild gestalten.“ Und was ihn insbesondere bewegt, ist „das Bild unserer Städte und Gemeinden, dass wir hier tatsächlich zu einem geordneten Städtebau und zu einer optimalen Gestaltung kommen“. (Friedrich H. Hettler)

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