Bauen

Zu den bekanntesten Objekten von Allmann Sattler Wappner zählt unter anderem die Herz-Jesu-Kirche in München. (Foto: Probst)

22.08.2014

Drei Namen - eine Marke

Im Portrait: Das Münchner Architekturbüro Allmann Sattler Wappner

Unter drei Monaten Wartezeit, wurde mir prophezeit, ginge wahrscheinlich gar nichts. Wer bei Branchenstars zu Gast sein will, hat halt lange Wartezeiten in Kauf zu nehmen. So will es zumindest das Klischee. Anfängliche Befürchtungen verflogen jedoch im Nu, denn schon nach einem morgendlichen Telefonat und einer beendeten Dienstreise zum Kölner Dom, wo das Münchner Architekturbüro Allmann Sattler Wappner (ASW) beauftragt wurde, die Dombauplatte auf der Ostseite verkehrstechnisch neu zu gestalten, stand er vor mir, Ludwig Wappner, Stadtplaner und seit 2010 Professor am Karlsruher Institut für Technologie im Fachgebiet Baukonstruktion und Entwerfen. Trotz seiner 57 Jahre immer noch jugendlich und locker.
Ob im Internet, in Präsentationsmappen oder in Ausschreibungen, Allmann Sattler Wappner erscheinen stets als Trinität. Gegründet 1987 durch Markus Allmann und Amandus Sattler, stieß 1993 Ludwig Wappner zum Unternehmen dazu, das sich mittlerweile in einer ehemaligen jüdischen Kolbenfabrik in der Nymphenburgerstraße 125 in München eingerichtet hatte.
Allmann, Sattler und Wappner kannten sich bereits aus der gemeinsamen Studentenzeit an der TU München. Da es dem Sprichwort nach angeblich „auf jedem Schiff, das dampft und segelt“ einen gibt, „der die Dinge regelt“, betonte Wappner jedoch die Frage nach der Hoheit im Büro standhaft, dass sie ihre GmbH nur als Triumvirat führen. Dies scheint deswegen möglich zu sein, weil sie keine einzelnen Projekte betreuen, sondern eine beratende, kontrollierende und organisatorische Funktion haben. Die beeindruckenden und erfolgreichen Ergebnisse scheinen diese Arbeitsmethode zu bestätigen.
„Städtebauliche Planungen, öffentliche Bauten, Wohngebäude, gewerbliche Bauten und Arbeiten im Bereich des Produktdesigns“, heißt es auf der Homepage von ASW, „dokumentieren den Ansatz einer vom Konzept bis zum Detail ganzheitlichen Entwurfsmethodik.“ Und: „Die Suche nach einem kontextbezogenen Dialog, einer räumlichen Identität, bei gleichzeitiger struktureller Offenheit, der Angemessenheit von Ressourcen und der Präzision in der Umsetzung kennzeichnen die Arbeiten.“
So liest sich denn die Liste der von ASW gewonnenen Wettbewerbe in der internationalen Architektur-Datenbank archINFORM schon fast wie ein Märchen aus 1001 Nacht und kann nur als Auszug wiedergegeben werden: vom Deutschen Architekturpreis (1977) für das Schulzentrum in Flöha, über den Licht-Architektur-Preis (2001) für die Herz-Jesu-Kirche in München, den LEAF AWARD (2004) und den Hugo-Häring-Preis (2006) für Südwestmetall in Reutlingen, bis hin zum ECOLA AWARD (2006) für das Haus der Gegenwart in München. Letzteres wurde 2005 anlässlich der Bundesgartenschau errichtet und ging aus einem Wettbewerb zwischen 100 Architekturbüros hervor.
Selbst wenn man bedenkt, dass bei ASW 57 Menschen am Erfolg mitarbeiten, ist der Ertrag an Preisen und Auszeichnungen doch mehr als beachtenswert.

Zahlreiche Erfolgsprojekte


Wer so erfolgreich Preise und Auszeichnungen einheimst, wie das Architekturbüro Allmann Sattler Wappner, kann natürlich nach 27 Jahren am Markt zahlreiche Erfolgsprojekte vorweisen. Zu den bekanntesten zählen unter anderem das Dornier-Museum in Friedrichshafen sowie die Herz-Jesu-Kirche und das Haus der Gegenwart in München. Generalplanungen für die neue Corporate Architecture der AUDI AG werden – nach Angaben von ASW – gegenwärtig in mehr als zehn Ländern weltweit realisiert. In München kamen in jüngster Zeit unter anderem das Stachus-Einkaufszentrum, die Pasinger Hofgärten und das Forum am Hirschgarten hinzu.
Die Entwürfe von ASW, heißt es im Ankündigungstext des neuen Präsentationsbands Optionen, der im Herbst 2014 mit 530 Abbildungen auf 370 Seiten erscheint (ISBN 978-3-85676-319-0), „zeugen von großer Sensibilität; sie reagieren intelligent auf die jeweilige Situation – locker, kulturell und sozial…“. 32 illustrierte Beispiele sollen diese Aussage belegen.
Wie schon Seneca der Jüngere vor 2000 Jahren im alten Rom erkannt hat, lernen wir beim Lehren. Unter diesem Blickwinkel sind alle drei ASW-ler permanent im „Trainingslager“: Bereits seit 2006 hat Markus Allmann eine Professur an der Universität Stuttgart. Amandus Sattler, der zweite Mann im Triumvirat ASW, aus Oberfranken stammend, nimmt seit 2009 eine Vertretungsprofessur an der FH Köln wahr und besitzt schon seit 2005 einen Lehrauftrag an der Akademie der Bildenden Künste in München. Und Ludwig Wappner, der gebürtige Unterfranke aus Hösbach, erhielt 2010 eine Professur am Karlsruher Institut für Technologie.
So stressig der Wettbewerb im Lager dieses Berufsstands auch sein mag, die Ergebnisse von ASW-Architekten sprechen für sich. Als Wappner allerdings gefragt wird, welche Ziele er noch in den nächsten 30 Jahre als Architekt und Designer habe, spürt man beim Gegenüber ein leichtes Zucken: Den Gedanken, den jetzigen Alltagsstress noch drei Jahrzehnte fortzusetzen, hatte er wohl noch nicht so häufig. Sein Kommentar war ebenso trocken wie bezeichnend: Nur als Hochschullehrer dürfe er nicht länger als bis 67 arbeiten. Damit stehen die Zeichen gut, dass ASW im Panoptikum der ganz Großen ihren Platz einnehmen werden. (Ulrich Probst)

(Das ASW-Triumvirat: Markus Allmann, Ludwig Wappner und Amandus Sattler v.l.; der Innenraum der Herz-Jesu-Kirche und das neugestaltete Stachus-Untergeschoss in München - Fotos: ASW/Probst)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 42 (2017)

Sollen Arbeitnehmer das Recht haben, auf eine 28-Stunden-Woche zu reduzieren?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 20. Oktober 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Jürgen Wechsler, Bezirksleiter IG-Metall Bayern

(JA)

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.