Bauen

Der Neubau von der Wieseler Straße aus gesehen. (Foto: Michel+Wolf+Partner)

29.11.2013

Dunkler Kliniker und Holz

Neubau der beruflichen Schule B 14 in Nürnberg

Der Neubau der beruflichen Schule B 14 auf dem Gelände des BBZ in Nürnberg bildet am U-Bahn-Aufgang einen Eingangsplatz, schließt den Straßenraum am Messehaus, schafft einen grünen Innenhof und fasst den Olof-Palme-Platz mit einem starken Kopfbau.
Die beiden ost-west-orientierten viergeschossigen Klassenriegel mit Unterrichtsräumen bilden eine etwa acht Meter breite Erschließungshalle deren Stirnseite am neuen Platz Eingang für die Schule ist. Der Kopfbau an der Wieselerstraße schließt die Lücke zu den Hausmeisterwohnungen.
Die beiden Klassenriegel beinhalten auf vier Geschossen die Unterrichtsräume der B 14, der Kopfbau an der Wieselerstraße die Übungsfirmen und die Lehrerbereiche. Die Räume der B 6 nehmen die Stirnseite zur Deumentenstraße ein und verfügen über einen eigenen Zugang vom bestehenden Schulgebäude her.
In der verglasten Halle führen offene Treppen auf die Galerien, auf denen Flächen zum Aufenthalt und zur Gruppenarbeit einladen.
Die Erschließung erfolgt über drei Treppenhäuser, die an den Enden der Klassenriegel sitzen und die notwendigen Rettungswege gewährleisten. Die offene Halle wird durch Fluchtbalkone vor den Klassenriegeln ermöglicht, die direkt in die notwendigen Treppenhäuser führen. Im Erdgeschoss liegen nur zur Straßenseite hin Unterrichtsräume: Die zum Innenhof hin orientierten Nutzungen sind offen und transparent gestaltet, sodass eine Verbindung zum begrünten Innenhof entsteht.
Als Materialien für die Fassade kamen dunkler Klinker und Holz zur Ausführung. Die eingezogenen Fluchtbalkone erhielten einen Gitterrostbelag und ein schlichtes Geländer.
Das Schulgebäude ist optimal wärmegedämmt und mit einem reduzierten Fensterflächenanteil energetisch optimiert. Entsprechend der Auslobung wird zunächst keine kontrollierte Lüftung vorgesehen. Die notwendige Frischluft für eine Begrenzung des CO2-Gehalts der Raumluft in den Klassenzimmern strömt über eine Überströmöffnung über dem Fenster und den Heizkörpern zu. Der Unterdruck in der verglasten Halle wird durch einen Abluftkamin über dem Nebenraumtrakt erzeugt, und durch einen Ventilator verstärkt.
Durch die einbruchsicheren Nachströmöffnungen ist die Nachtauskühlung im Sommer gewährleistet. Dieses System ist so nachrüstbar, dass zusätzlich Zuluft über den Hohlraumboden eingeblasen werden kann, aus der Abluft könnte dann die Wärme über einen Wärmetauscher zurückgewonnen werden.
Die Fensterflächen sind in allen Fassaden durch einen außen liegenden Sonnenschutz aus Jalousien zu verschatten.
In der Wieseler Straße sollte die Situation der Fußgänger verbessert werden. Die Oberfläche wurde deshalb als Mischfläche gestaltet, auf der alle Verkehrsteilnehmer gleiche Rechte besitzen.
Die Parkplatzreihe auf der Nordseite wurde direkt an die Vorgartenzone der Wohnhäuser verlegt und mit einer Hecke von dieser abgetrennt.
Die Vorzone vor den Klassenräumen mit der ansatzweise vorhandenen Baumreihe wird als grüne Vorzone ergänzt. Hier ist vor dem Neubau auch die Fahrradabstellanlage angeordnet.

Kleinformatiges Granitpflaster für Vorplatz

Die Einhausung der Tiefgaragenabfahrt sollte entfernt und – falls überhaupt notwendig – durch eine leichte transparente Konstruktion ersetzt werden.
Wieseler Straße und der Vorplatz der neuen Schule erhielten einen homogenen Pflasterbelag aus kleinformatigem Granitpflaster. Der Vorplatz ist in der Mitte mit einer aus- und einladenden Sitzbank, die einen Brunnen umschließen könnte, akzentuiert. Die bestehenden Bäume, die über den Parkplätzen und den Vorgärten stehen, blieben erhalten.
In der Fortsetzung der vorhandenen Wiese an der Fassade des Altbaus ist der Innenhof zwischen Neu- und Altbau ein Freiraum-Angebot für die Schule, mit Bänken und wenigen Bäumen zum Verweilen einladend.
 Was hat sich seit der Wettbe-werbsentscheidung 2009 geändert? Architektonisch konnte der Wettbewerbsentwurf völlig unverändert umgesetzt werden. Brandschutz, Schallschutz und Wärmedämmung Baurecht und Sicherheitsaspekte erwiesen sich als leicht lösbar. Lediglich im Bereich der Haustechnik gab es kontroverse Diskussionen und immer wieder Umplanungen. Das apodiktische Verbot von mechanischen Lüftungsanlagen aus der Auslobung, das sich der Rat der Stadt Nürnberg selbst auferlegt hatte, konnte angesichts der speziellen Situation einer kaufmännischen Berufsschule nicht aufrechterhalten werden. Die errechneten Wärmelasten hätten zu hohen Temperaturen in den Klassenräumen geführt.
Die vom planenden Architekturbüro Michel+Wolf+Partner, Stuttgart, zusammen mit ebök im Wettbewerb vorgeschlagene Lösung einer freien, thermisch über einen Abluftkamin angetriebenen Abluftanlage über die Halle mit der Möglichkeit der Nachrüstung einer Zuluftanlage mit Wärmerückgewinnung über den Hohlraumboden wurde planerisch nicht weiterverfolgt. Das VOF-Verfahren führte zur Beauftragung eines Ingenieurbüros, das mit solchen innovativen Anlagen keine Erfahrung hatte und sich damit nicht befassen wollte.
Ergebnis ist, dass jetzt eine dezentrale Lüftungsanlage mit Ankühlung eingebaut ist, mit Einzelgeräten in jedem Klassenraum. Die Kälte wird dabei zentral mittels Erdsonden erzeugt, die im Winter auch die Fußbodenheizung im Erdgeschoss mit Wärme versorgen. (BSZ)

(Das Café und die Eingangshalle - Fotos: Michel+Wolf+Partner)

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