Bauen

Der Laufener Kreuzgang. (Foto: Erzbischöfliches Ordinariat)

12.11.2010

Ein Gesamtkunstwerk

Restaurierung des Kreuzgangs der Laufener Pfarrkirche

Die Ursache für die Restaurierung des Kreuzgangs der Pfarr- und Stiftskirche Maria Himmelfahrt in Laufen lag in dessen Funktion begründet: Einerseits waren einige der im 19. Jahrhundert zu Bodenplatten umfunktionierten Epitaphe durch ständige Begehung so stark abgerieben, dass der Erhalt ihres künstlerischen wie historischen Werts Handlungsbedarf erforderte, andererseits ließ ein inhomogener Untergrund einige der Bodenplatten kippen und aufstehen; zudem war die Gefahr des Zerbrechens der ungleichmäßig aufliegenden Steine gegeben.
Diesen Defiziten des Gewölbegangs aber stand sein Zustand als gewachsenes und gewordenes „Gesamtkunstwerk“ gegenüber, das unter anderem durch Benutzung, Verwitterung, Ausbesserung einzelner Partien hohen ästhetischen Reiz erreicht hatte. Es galt daher einen Weg zu finden, der unter weitestgehender Wahrung des Erscheinungsbildes die erforderlichen Arbeiten zum weiteren Erhalt des Denkmals und seiner Funktion ermöglicht.
Zu Beginn der Maßnahme wurde der Gewölbegang fotografisch und wissenschaftlich erfasst. Dann folgten restauratorische Voruntersuchungen, wobei statische und bauliche Schäden und komplizierte Schadensbilder an den Wandmalereien zu verzeichnen waren. Zusätzlich erfolgten Befundungen an den Epitaphen, der steinernen wie der auf Holz gemalten.

Die alte Auffüllung
musste abgetragen werden


Zuerst wurden Arbeiten zur statischen Ertüchtigung der Gewölbe durchgeführt. Zur Sicherung der Begehbarkeit und der abgelaufenen beziehungsweise lose aufliegenden Grabplatten und Epitaphe des Bodenbelags beschloss man, die Steine zu heben, zwischenzulagern und eine entsprechende Unterlage für eine Neuverlegung zu schaffen. Hierfür musste die alte Auffüllung um 50 bis 80 Zentimeter abgetragen werden. Da diese Abtragung den Bereich der alten Grabstätten betraf, wurde sie archäologisch begleitet. Es kamen vor allem Gruftbauten und Gebeine mit Bekleidungsresten zutage. Nach der Wiedereinsegnung der aufgefundenen Knochenfragmente wurde der Gang mit einem Sand-Kies-Gemisch aufgefüllt und schließlich die Neuverlegung der inzwischen gereinigten und konservierten Steine vorgenommen. Dabei sind die besonders hochwertigen und gefährdeten Steine in weniger stark begangenen Bereichen zu liegen gekommen.
Mit der Sicherstellung der Begehbarkeit des Umgangs setzte sich dessen Restaurierung am Putz, an den Wandmalereien und den an den Wänden aufgestellten Steinepitaphen fort. Ein großes Schadenspotenzial für Wand und Putz bildete eine starke Salzbelastung des Mauerwerks und der Gewölbepfeiler. Daher wurden die Salze mittels Kompressen reduziert, um der anschließend aufgebrachten gefärbten Putzschlämme – deren Erscheinungsbild sich an der historischen Verputzung orientiert – einen weniger aggressiven Haftgrund zu bieten. Bezüglich der Wand- und Gewölbemalereien an der Michaelskapelle und der Ostwand der Stiftskirche entschied man sich für eine Vorgehensweise aus Konservierung, Entrestaurierung (Entfernung schädigender Kittungsmaterialien, Überputzungen) und Restaurierung.
Die Epitaphe wurden gereinigt und neu eingeputzt. Die rotmarmornen Objekte erhielten nach der Festigung eine Behandlung mit heiß aufgetragenem mikrokristallinen Wachs, wodurch ihre verwitterte Farbigkeit wieder befeuert werden konnte. Durch dezente Lasuren der ausgewaschenen Schriftpartien schließlich werden die Epitaphe ihrer Aufgabe als Gedächtnismale nun wieder gerecht. Zu diesem Zweck wurden auch sämtliche Holzepitaphe einer Restaurierung unterzogen: In der für einige Monate zu einem Restaurierungsatelier umfunktionierten Michaelskapelle ließ sich durch Reinigung und Retuschen die Ablesbarkeit der großen Lünettengemälde deutlich verbessern. Wie bereits erwähnt, waren die einzelnen Joche des Gewölbegangs mit den Grabsteinen und Epitaphen von Familien- oder Zunftangehörigen bestückt; im Zuge der jüngsten Maßnahme konnten die Besitzer einzelner Joche bestimmt und deren Wappen oder Zunftzeichen an den Schlusssteinen der Gewölbe in Grisaillemalerei wiederhergestellt werden

Das Gestein konnte
farblich aufgewertet werden


Das herausragende Joch im Gewölbegang ist jenes, das als Vorhalle des rotmarmornen Hauptportals der Stiftskirche fungiert. Wie bei den Epitaphen hatten Witterungseinflüsse die markante Farbigkeit des Gewändes ausbleichen lassen, sodass dieser hochsymbolische Ort (als Verbindung zwischen Innen und Außen, zwischen dem Profanen und dem Sakralen) sich in einer seiner Bedeutung nicht mehr angemessenen Anschauung präsentierte. Wie bei den Epitaphen konnte das Gestein farblich aufgewertet und somit eine weitestgehende Annäherung an die intendierte Gestaltung des Portals erreicht werden.
Die Restaurierung des Laufener „Kreuzgangs“ wurde über die Mittel des Entschädigungsfonds des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst und Kirchensteuermitteln des Erzbistums München und Freising maßgeblich gefördert. Die Arbeiten dauerten insgesamt mehr als neun Jahre. In dieser Zeit entwickelte eine vielköpfige Gruppe aus Kunstwissenschaftlern, Denkmalpflegern, Architekten und Restauratoren sukzessive das Vorgehen zur Bewahrung der Gewölbe und ihrer Ausstattung.
(Thomas Ino Hermann)

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