Bauen

Der Haupteingang des Neubaus von Nordwesten her gesehen. (Foto: Werner Huthmacher Photography)

06.04.2018

Ein schickes Gebäude für Bits und Bytes

Neubau für die Fakultät Informatik und Mathematik an der OTH Regensburg

In den vergangenen Jahren verzeichnete die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Regensburg immer steigende Studierendenzahlen. Begründet durch Platznöte in den bestehenden Gebäuden mussten einige Fakultäten in Ausweichgebäude, zum Teil außerhalb des Campus, untergebracht werden. Zu diesen verlagerten, stets an Beliebtheit wachsenden Fakultäten zählt auch die Fakultät Informatik und Mathematik. Um den vorgenannten Anstieg der Studierenden bewältigen und die OTH auf einem Gelände zusammenführen zu können, war die Errichtung eines Gebäudes für die FIM notwendig/unumgänglich.

Den Planungsauftrag für den Neubau erhielt das Staatliche Bauamt Regensburg im Dezember 2010, kurz nachdem das Raumprogramm in seiner Anforderung und Größe vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst genehmigt wurde. Für den Neubau wurde ein europaweiter Architektenwettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren ausgelobt. Unter 28 eingereichten Arbeiten konnte sich das Konzept des Kasseler Architekturbüros Atelier 30 durchsetzen. Ihr Entwurf überzeugte das Preisgericht durch seine klaren Linien und einer guten Raumaufteilung, in welcher Kommunikation und Lehre ideale Voraussetzung finden.

Ende 2011 konnte nach Genehmigung der Bauleitplanung die Planungsgruppe unter Federführung des Staatlichen Bauamtes Regensburg ihre Arbeit beginnen und die Haushaltsunterlage - Bau erstellen. Gemeinsam mit dem Nutzer wurden die Inhalte weiter ausgearbeitet und in die konkrete Planung überführt. Die fertige Haushaltunterlage Bau konnte nach knapp einem Jahr dem Landtag vorgelegt werden, worauf ein sofortiger Planungsauftrag zur Ausführungsplanung erteilt wurde. Auch diese konnte gemäß Terminplan abgeschlossen werden, sodass im Juni 2013 der Spatenstich erfolgte.
Die anschließende Bauzeit verzögerte sich um knapp anderthalb Jahre. Die Ursache hierbei war eine erforderliche Nachbesserung am Gründungskonzept des Gebäudes und die Insolvenz einer beauftragten Baufirma. Mit den nachfolgenden Arbeiten wurde versucht den Terminverzug aufzuholen, was jedoch aufgrund des großen Zeitfensters nur bedingt gelang. In Abstimmung mit dem Nutzer wurde die Terminplanung überarbeitet und die Inbetriebnahme des Gebäudes neu geplant. Diese erfolgte Ende 2017, sodass Teile des Gebäudes nach knapp dreijähriger Bauzeit zum Wintersemester 2017/2018 eröffnet werden konnten.

Von den insgesamt 76 Einzelaufträgen konnten 57 an Planer und Baufirmen aus Bayern vergeben werden. Prozentual stellt dies Anteil von rund 75 Prozent dar. Die Gesamtbaukosten für den Neubau belaufen sich auf 28.8 Millionen Euro.

Die Gebäudestruktur des Fakultätsgebäudes unterscheidet zwischen Erdgeschoss und den aufgesetzt wirkenden Obergeschossen. Der gesamte Komplex wurde als Stahlbetonskelettbau ausgeführt, der Innenausbau erfolgte weitgehend in Trockenbauweise.                                     

Zwei kleine Technikgeschosse

Das Erdgeschoss, als vollflächiger Quader mit einer Abmessung von rund 45 x 90 Metern, enthält im diagonalen Versatz zwei langgestreckte Innenhöfe. Diese versorgen den Baukörper mit ausreichend Licht und bieten zugleich ideale Aufenthaltsbedingungen für Studierende. Auf dem Erdgeschoss in einer „S-Form“ angeordnet, winden sich die beiden Obergeschosse. Diese besitzen als Abschluss zwei kleine und von der Außenkante zurückgezogene Technikgeschosse.

Das Erscheinungsbild der Fassade wird durch eine vorgehängte, im Mittel 14 Zentimeter starke Sichtbetonschale mit horizontaler, reliefartiger Bretterstruktur geprägt. Dieses Bild wird durch liegende Fensterbänke mit braun eloxierten Metallrahmen durchbrochen. Erschlossen wird der Neubau durch zwei zentrale Treppenhäuser, an deren Ausgängen großzügige Aufenthaltsbereiche angeschlossen sind.

Der Neubau ist teilunterkellert. Im Untergeschoss befinden sich neben Technik- und Lagerräumen, untergeordnete Nebenräume wie Garderoben oder Hausmeisterswerkstätten.
Das Erdgeschoss ist für den öffentlichen Bereich der Hochschule gedacht. Vorrangig mit Vorlesungs- und Seminarräumen ausgestattet, befindet sich hier auch ein größerer Hörsaal mit 100 Sitzplätzen. Dieser ist mit einer hochwertigen Eichenvertäfelung ausgestattet. Die Obergeschosse des Neubaus sind der Fakultät Informatik und Mathematik selbst gewidmet. Hier befinden sich neben den Labor- und Arbeitsräumen, die Büros von Professoren beziehungsweise Lehrbeauftragten und der Verwaltung.
Der Haupteingang des neuen Fakultätsgebäudes befindet sich an der Westfassade. Mit seiner breiten Glasfront im Erdgeschoss und ihrem filigranen Konstruktionswerk, öffnet sie sich zum zentralen Grün des Hochschulcampus und gibt zugleich einen großzügigen Einblick in das Innere des Neubaus. Der Besucher wird durch die Schrägstellung der Eingangsfront quasi in das Gebäude gesogen. Dort erfährt er durch eine klare Raumaufteilung und die helle Atmosphäre schnell eine gute Orientierung. Verstärkt wird der Eindruck einer Sogwirkung durch das in der Achse des Eingangs gelegene überdimensionale Kunstwerk mit dem Titel „Anomalia“ von dem Künstlerduo Andrea Knobloch und Ute Vorkoeper aus Düsseldorf.

Diese dreidimensionale Kombination aus Gemälde und „Plastik“ zieht den Betrachter förmlich in die unendliche Welt der Zahlen beziehungsweise der Informatik/Mathematik.
Alle Räume des Neubaus besitzen eine natürliche Belichtung. Um Tageslichteinfall, Ausblick und Sonnenschutz gleichzeitig gewährleisten zu können, wurden die Fenster mit einem außenliegenden Sonnenschutz (Raffstores) inklusive Lichtlenksystem ausgestattet. Die hohen Speichermassen der Gebäudekonstruktion, die moderaten Raumhöhen und die in den Räumen mit hohem Technikanteil installierte Klimatechnik, gewährleisten ganzjährig ein ideales Klima in den Innenräumen. Die Dachflächen des Neubaus sind der Stromproduktion vorbehalten. Hier speisen flach geneigte Photovoltaik Module den Strom direkt in die Gesamtanlage ein. Über die Anforderungen der zum Zeitpunkt gültigen EnEV 2009 hinaus wurde der U-Wert der thermischen Hülle um 30 Prozent sowie der Primärenergiebedarf um 16 Prozent unterschritten.

Insgesamt verfügt der Neubau der Fakultät Informatik und Mathematik über elf Hörsäle, zwei Medien- und Repräsentationsräume, zwei CIP-Pool Räume und 24 Kursräume. Das Foyer im Erdgeschoss ist als Versammlungsstätte konzipiert, das bei größeren Events bis zu 900 Personen Platz bietet. Die Nutzfläche des Gebäudes beträgt 5560 Quadratmeter, die Bruttogrundrissfläche rund 10 750 Quadratmeter. (BSZ)

(Das Foyer mit dem Kunstobjekt "anomalia (black hole)" -  Foto: Werner Huthmacher Photography)

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Marcel Huber (CSU), bayerischer Umweltminister

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