Bauen

Die Halle bietet optimale Funktionalität. (Foto: Stadt Bad Reichenhall)

18.05.2012

Einheit von Hülle und Innenraum

Sanierung der Sporthalle an der Münchner Allee in Bad Reichenhall

Auf einer großen Wiesenlandschaft, direkt an der Münchner Allee, positioniert sich die Dreifachsporthalle der Stadt Bad Reichenhall. Die Außensportflächen gliedern sich an die Sporthalle an. Im Umfeld befinden sich die dazugehörigen Schulen. Auf weite Sicht ist diese Sporthalle erkennbar. Im Hintergrund erhebt sich dominant die umgebende Berglandschaft. Ende der 1960er Jahre erfolgte im Rahmen einer Bebauungsplanung die städtebauliche Entwicklung des Umfelds der Sporthalle. Die Münchner Allee als eine der großen Einfahrtachsen in die Stadt wird von einer kräftigen Platanenallee geprägt. Im Umfeld der Sporthalle befinden sich weitere schöne Platanen, die in die Freiflächen integriert wurden.
Die Sporthalle an der Münchner Allee steht nicht unter Ensemble- beziehungsweise Denkmalschutz. Das Erscheinungsbild der Sporthalle war vor der Sanierung geprägt von der eigenwilligen Ausbildung des Dachtragwerks, das sich sowohl innen, als auch außen, deutlich abzeichnete. Zahlreiche kleine Satteldächer gliederten die große Dachfläche der Halle und gaben ein spannungsreiches Bild in Bezug auf die umgebenden Gebirgslandschaften. Ein großes Vordach hatte die Sporthalle mit dem Haus der Jugend, das sich direkt daneben positioniert, zu einer Einheit zusammengeführt. Die spitzen Zacken erhoben sich über diese flache, umlaufende Dachkrempe.
Der Bestandsbau selbst stellt sich als Stahlbeton-Skelettbau mit Ausfachungen aus Sichtmauerwerk dar. Diese typischen Gestaltungselemente der 1960er Jahre haben nach wie vor eine hohe Gestaltqualität, die erhalten werden sollte. Der vorhandene Stahlbeton-Skelettbau mit den Ausfachungen war von der Grundsubstanz solide und konnte vollständig weiterverwendet werden. Die ehemalige Hallendachkonstruktion, ausgebildet als Holzfaltwerk mit Holzfachwerkbindern, überspannte die Halle mit einer Breite von 35 Metern. Ein wesentlicher Aspekt zur Entscheidung der Sanierung der Halle war die Notwendigkeit der Sanierung des Hallendachtragwerks.
Die bestehende Dreifachsporthalle ist in ihrem Grundriss mit den drei nebeneinander gereihten Hallen, der großen Tribüne, der darunter integrierten Nebenraumzone sowie der einseitigen Erschließung mit einem langen Flur über die Garderoben in die Halle, sehr gut strukturiert und bietet für die Zukunft weiterhin eine optimale Funktionalität. Auch die bestehende Anordnung von zwei Treppenhäusern jeweils an den Giebelseiten schafft eine gute Grundstruktur hinsichtlich der Flucht- und Rettungswege. Diese Voraussetzungen waren ein wichtiger Grundstein zur Entscheidung der Sanierung der Halle, auch im Hinblick auf eine vollständige Erneuerung der Hallendachkonstruktion.
Die gestellte Aufgabe, die Sanierung der bestehenden Sporthalle mit Erneuerung des Hallendachtragwerks, war durchaus eine besondere Herausforderung, da der Altbestand dabei immer so optimal wie möglich wieder zu verwenden war und die Eigenart des bestehenden Bauwerks bei der Sanierung zu berücksichtigen war. Das äußere Erscheinungsbild ist nun geprägt von der neuen Hallendachkonstruktion mit den Fischbauchträgern in Kombination mit den Holzelementdecken. Es entstand eine Einheit von Hülle und Innenraum.
Das Bauwerk wurde in seiner wesentlichen Rohbausubstanz erhalten. Viele Ausbauelemente wurden saniert, wie zum Beispiel die großen Sichtmauerwerksflächen oder auch die bestehende Tribüne. Die Stadt wollte auf jeden Fall auch nach der Sanierung eine Nutzung der Tribünen mit etwa 500 Personen ermöglichen. Deshalb war es notwendig, ein Konzept zu entwickeln, das auch unter diesem Nutzungsaspekt die Flucht- und Rettungswege sicherstellen konnte. Die beiden im Bestand vorhandenen Treppenhäuser wurden so ertüchtigt, dass sie als sicheres, notwendiges Treppenhaus in Zukunft funktionieren. Es wurde ein direkter Ausgang auf der Eingangsebene seitlich aus jedem Treppenhaus geschaffen. Damit konnte sichergestellt werden, dass von jedem Sitzplatz der Tribüne in höchstens 35 Metern Entfernung ein direkter Ausgang erreichbar ist. Eine Abschottung der Treppenaufgänge auf der Tribüne wurde nicht erforderlich. Damit konnte die ursprüngliche Gebäudestruktur im Wesentlichen erhalten werden.
Zahlreiche Konstruktionen zur Erneuerung des Hallendachtragwerks wurden in der Vorplanung untersucht. Es war nicht ausgeschlossen, dass hier auch wieder ein neues Holztragwerk als Dachkonstruktion zum Einsatz kommen konnte, jedoch ergaben diese Untersuchungen auch hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit, dass eine Holzkonstruktion Größenordnungen von Trägerhöhen vorgaben, die gestalterisch nicht wünschenswert waren und auch im Vergleich zu Stahlträgern sich als unwirtschaftlich darstellten.
Die hier entwickelte und umgesetzte Konstruktion des Hallendachtragwerks geht von gerichteten Stahlträgern – in Form eines Fischbauchträgers – aus, die wieder auf den alten Auflagern – Betonunterzüge – des Bestands aufgesetzt wurden. In Verbindung mit den neuen Stahlträgern erbringen Hohlkastenelementdecken als vorgefertigte Deckenelemente die aussteifende Scheibe dieser Konstruktion. Diese Konstruktionsweise ermöglichte ein vollständiges Vorfertigen und schnelles Erneuern der Dachkonstruktion in Abschnitten.

Barrierefreies Gebäude


Die Geometrie der Stahlträger wurde zusammen mit dem Tragwerksplaner hinsichtlich der optimalen statischen Wirksamkeit und einer reduzierten Trägerhöhe in der Mitte entwickelt. Die Stahlbinder als so genannte Fischbauchträger setzen sich aus einem gebogenen Ober- und Untergurt mit Pfosten als Druck- und Zugstäben zusammen. Die Gesamtlänge der Binder beträgt 35 Meter in der Projektion. Die Gesamthöhe am Scheitelpunkt beträgt 2,90 Meter. Die Gesamthöhe am äußersten Auflagerpunkt 200 Millimeter.
Die Befestigung der Stütze erfolgt auf dem vorhandenen Stahlbetonunterzug. Auf den Stahl-Obergurten ist ein Brettschichtholz vormontiert, auf das die Hohlkastenholzfertigelemente, bestehend aus Holzrippendecke mit unterer Beplankung aus Furnierschichtholzplatten, zum Teil mit Akustiklochung, Wärmedämmung und Dampfsperre als oberer Dachabschluss inklusive Notabdichtung, verschraubt wurden.
Mit dieser Sanierung der Sporthalle wurde auch die Barrierefreiheit mit einem Außenzugang über eine Rampe, als auch Innen mit einem integrierten Aufzug, hergestellt. Damit war auch die Forderung erfüllt, dass künftig in der Halle Behindertensport stattfinden kann. Die eingebaute Fußbodenheizung trägt ebenfalls hierzu bei. Die gesamte Sporthalle wurde energetisch modernisiert. Die bestehende Außenhülle erhielt eine hinterlüftete Fassade, bestehend aus einer schmalen, sechs Zentimeter breiten Lärchenholz Stülpschalung mit einer 12 bis 14 Zentimeter dicken Dämmung aus Mineralwolle. Sämtliche Fensterflächen im Bestand wurden ebenfalls erneuert mit entsprechend energetisch hochwertigen Fassadenelementen. Um das Gebäude herum wurde die Außenwandflächen im Erdreich zum Fundament abgedichtet und gedämmt.
Neben der Sanierung der eigentlichen Sportflächen mit neuem Sportparkett, einer neuen Prallwand und neuen Sportgeräten wurden die umgebenden Bereiche der Umkleiden, der Duschen und der sanitären Einrichtungen vollständig generalsaniert. Die Anlagentechnik wurde ebenfalls vollständig erneuert.
Mit der Entscheidung zur Sanierung der Dreifachsporthalle hatte Bad Reichenhall bereits den Grundstein für ein nachhaltiges Handeln gelegt, indem sinnvoll Bausubstanz erhalten wurde. Die wesentlichen verwendeten Bauteile sind wartungsfrei – Dach mit Blecheindeckung, Fassade mit naturbelassenem Lärchenholz in Stülpschalung und darin integrierten Glas-Aluminium-Fassaden. Die dahinter angebrachte Dämmung ist hinterlüftet und wettergeschützt. Hohe Wärmedämmwerte der Wände, Fassaden und Dachflächen wurden geschaffen. Die inneren Speichermassen zur Pufferung von Wärme und Kälte (Betonmauerwerk) wurden erhalten und weiter genutzt.
Eine Nahwärmeversorgung wurde aufgebaut mit dem Energieträger Gas. Die Halle wird mit einer flächendeckenden Fußbodenheizung beheizt und besitzt eine Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Die Lichtführung mit der Raumakustik spielte ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Sanierung der Halle. Das Dach und die Oberflächenwässer werden über Rigolen versickert und wieder dem Grundwasser zugeführt. Mit der Sanierung wurde darauf geachtet, dass natürliche, nachwachsende und unbelastete Baumaterialien, wie zum Beispiel Lärchenholzfassaden, Holzhohlkastenelementdecken, Sporthallenparkett, Prallwände und Natursteinböden zum Einsatz kamen.
Neben der klaren Ordnung der Bauelemente tragen die Baustoffe in ihrer materialgerechten Verwendung und in ihrem natürlichen Ausdruck zur Erscheinungsform bei. Die Farbigkeit in diesem Bauwerk wird vorgegeben durch ein Wechselspiel der verschiedenen Holzelemente in den Decken, Wänden und im Sportboden, in Kombination mit dem Sichtmauerwerk und dem Dachtragwerk. (Claudia Schreiber)

(Deckedetail der sanierten Sporthalle - Foto: Stadt Bad Reichenhall)

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