Bauen

Zur Sanierung der Ostendstraße in Nürnberg musste eine Brücke abgebrochen und wieder neu aufgebaut werden. (Foto: BSZ)

03.09.2010

Erhebliche Verschleißerscheinungen

Ausbau der Ostendstraße in Nürnberg

Die Nürnberger Ostendstraße ist eine hochbelastete Hauptverkehrsstraße. Auf dem nur 370 Meter langen Teilstück Teutonen- und Marthastraße wird sie mit zwei Brückenbauwerken über die Bahnlinien geführt. Die Bauwerke sind zwischen 1900 und 1914 errichtet worden und haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Sie mussten dringend erneuert werden. Der Straßenausbau war erforderlich, weil die Verkehrsflächen starke Verdrückungen und Spurrinnen aufwiesen. Zwischen Teutonen- und Marthastraße war die Ostendstraße noch mit Großsteinpflaster befestigt. Die Gleisanlagen der Straßenbahn wurden teilweise bereits 45 Jahre genutzt und mussten ebenfalls erneuert werden. Der Ausbau der Ostendstraße erfolgte insgesamt auf einer Länge von 800 Metern zwischen Teutonen- und Cheruskerstraße (Bundesstraße 4).
Der Startschuss für den geplanten Umbau der Ostendstraße einschließlich Neubau der beiden Brückenbauwerke in der Dagmar- und in der Marthastraße sowie der Neuverlegung der Straßenbahngleise fiel bereits im Frühjahr 2007, noch weit bevor die Planung vom Stadtrat beschlossen worden war. Am 18. April 2007 fand die erste Besprechung zwischen dem damaligen Tiefbauamt (seit 2009 Servicebetrieb öffentlicher Raum Nürnberg) und der VAG statt. Alle Beteiligten waren sich einig, dass die Stilllegung der Straßenbahnlinie 5 (Hauptbahnhof-Tiergarten) auf die unbedingt notwendige Bauzeit beschränkt bleiben musste. Als Ziel wurde die Abwicklung der Straßen-, Brücken- und Gleisbauarbeiten in nur einem Jahr festgeschrieben.
In den folgenden Monaten erfolgten intensive Abstimmungen zur Planung und Ausführung des Projekts. Hierfür wurden in enger Zusammenarbeit zwischen dem Straßen- und Brückenbau, der Verkehrsaufsicht, der VAG und dem mit der Brückenplanung beauftragten Ingenieurbüro Emch und Berger mehrere Varianten erarbeitet, abgestimmt, verworfen und neu abgestimmt. Bereits im September 2007 stand das Konzept fest. Die Ausführung der Arbeiten sollte in der Zeit von Januar 2009 bis Dezember 2009 erfolgen. Voraussetzung war jedoch der Einbau zweier Behelfsbrücken zur Aufrechterhaltung des Fußgänger- und Autoverkehrs sowie des Busersatzverkehrs der VAG.

Sieben Bauabschnitte

Maßgebend für die zeitliche Abwicklung des Projekts war der Abbruch der bestehenden und die Errichtung der neuen Brücken. Verzögerungen beim Brückenbau haben direkte Auswirkungen bei den Gewerken Gleisbau und Straßenbau sowie der Neuverlegung der Sparten. Kritisch war hier auch die Abhängigkeit von Sperrzeiten der DB AG. Diese wurden für den Abbruch und für den Neubau gebraucht. Die Erreichung einer Bauzeit von knapp zwölf Monaten setzte das parallele Arbeiten an beiden Brücken voraus.
Gleis- und Straßenbau wurden auf diese Abhängigkeit ausgerichtet. So ergab sich für den Gleisbau eine Aufteilung der Arbeiten in sieben Bauabschnitte, für den Straßenbau in Abhängigkeit vom Gleisbau und den erforderlichen Verkehrsführungen für die Anlieger 15 Bauabschnitte.
Ab Oktober 2007 wurden die Spartenträger mit in die Planungen einbezogen. Es begann wiederum ein hartes Ringen um die Einhaltung der bereits abgestimmten Bauzeiten. Bedingt durch den neuen Straßenquerschnitt mussten die bestehenden Kabel und Leitungen umverlegt werden. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Strom, Gas und Wasser auch während der Bauzeit sicherzustellen, mussten sämtliche Sparten vor Baubeginn aus dem Baufeld herausverlegt werden. Auch dafür wurde eine Behelfsbrücke erforderlich.
Für den Umbau der Ostendstraße wurden Zuschüsse nach dem Bayerischen Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) sowie nach dem Finanzausgleichsgesetz (FAG) gezahlt. Voraussetzung war jedoch ein entsprechender Antrag, der bei der Regierung von Mittelfranken bis zum 1. September des Jahres vor dem geplanten Baubeginn eingereicht werden musste. Nachdem im September 2007 aber lediglich das Konzept für den Bauablauf feststand, jedoch noch keine Ausführungsplanungen für die beiden Brückenbauwerke und die Straße vorhanden waren, die aber zwingend mit dem Zuschussantrag hätten eingereicht werden müssen, musste mit der Regierung über eine Abweichung von den Terminvorgaben der Zuschussrichtlinien verhandelt werden.
Die Regierung stand dem Bauvorhaben der Stadt von Anfang an sehr positiv gegenüber und hat durch die Anerkennung des Erfordernisses eines vorzeitigen Baubeginns ermöglicht, dass der Einbau der Behelfsbrücken im Herbst 2008 durchgeführt werden konnte, noch bevor der eigentliche Zuschuss bewilligt worden war.
Ende 2007 waren die Planungen weitestgehend abgeschlossen. Im Dezember wurde der Stadtverband der Kleingärtner über die Planungen in der Ostendstraße und die damit verbundenen Beeinträchtigungen durch die Baumaßnahme informiert. In enger Kooperation mit dem Stadtverband konnte erreicht werden, dass insgesamt fünf Gärten ab September 2008 vorübergehend aufgelassen wurden. Nur so war es möglich, die Behelfsbrücke an der Marthastraße sowie die neue Brücke an der Dagmarstraße zu bauen.
Im Januar 2008 wurden dann die Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe in der Ostendstraße über die geplanten Arbeiten und die vorgesehene Verkehrsführung informiert. Die Veranstaltung war verbunden mit der Bitte, Anregungen und Bedenken zu äußern, um diese bei der weiteren Detailplanung berücksichtigen zu können. Dies wurde von den Firmen angenommen und führte letztendlich zu dem erfolgreich umgesetzten Bauphasen- und Verkehrsführungskonzept. 

Bürger vorab informiert

Nachdem der Umbau der Ost-endstraße Beiträge nach dem Kommunalen Abgabengesetz (KAG) auslöste, erfolgte im März 2008 das Bürgergespräch. Nach einem Beschluss des Nürnberger Stadtrats müssen die von einer KAG-Maßnahme betroffenen Bürger im Vorfeld über die beabsichtigten Straßenbauarbeiten öffentlich informiert werden. Die Bürger wurden nicht nur über die Planung und die auf sie entfallenden KAG-Beiträge informiert, sondern auch über den geplanten Bauablauf und die Verkehrsführung unterrichtet.
Am 26. November 2008 wurden alle Anlieger der Ostendstraße sowie der angrenzenden Wohngebiete in einer großen Informationsveranstaltung umfassend über die Abwicklung der Bauarbeiten informiert.
Während der gesamten Bauzeit wurde der Verkehr in stadteinwärtiger Richtung aufrechterhalten. Dadurch wurde die Einrichtung eines Schienenersatzverkehrs für die Straßenbahn ermöglicht. Sämtliche Geschäfte und Unternehmen im Baubereich waren jederzeit erreichbar und auch Fußgänger konnten die Baustelle immer passieren. Der stadtauswärtige Verkehr wurde umgeleitet.
Lediglich während des Abbruchs der alten Brücke war eine Vollsperrung der Ostendstraße für drei Wochen unumgänglich. Während dieser Zeit war die Ostendstraße bis zur Dagmarstraße zweispurig befahrbar. Geschäfte und Firmen waren somit auch während der Vollsperrung erreichbar.
Zur Sicherung des Starttermins Januar 2009 waren im Herbst 2008 umfangreiche Vorarbeiten erforderlich. Bevor mit dem Abbruch der alten Brücken begonnen werden konnte, mussten die Behelfsbrücken eingebaut und sämtliche Strom-, Gas- Wasser- und Telekommunikationsleitungen provisorisch umverlegt werden. Ab September 2008 wurde daher mit dem Bau der Behelfsbrücke an der Marthastraße und der Errichtung der Fußgängerbrücke an der Dagmarstraße begonnen. Parallel begannen die Umverlegungsarbeiten der Spartenträger im Bereich zwischen den beiden Brücken und der Einbau der Provisorien in die Behelfsbrücken. Anschließend erfolgte die Anbindung der Behelfsbrücken an die vorhandenen Verkehrsflächen. Somit stand einem pünktlichen Baubeginn im Januar 2009 nichts mehr im Wege.
Die Arbeiten zum Abbruch der Brückenbauwerke begannen im Januar 2009. Der anhaltend starke Frost führte jedoch gleich zu Beginn der Arbeiten zu einer Verzögerung. Der Rückstand konnte aber von der bauausführenden Firma wieder aufgeholt werden.
Bei der Brücke an der Dagmarstraße wurden zunächst zwei Drittel des Querschnitts neu gebaut. Diese ungewöhnliche Aufteilung war erforderlich, weil die Straßenbahngleise nur in einem Stück hergestellt werden können. Da die Gleise in Straßenmitte verlaufen, war ein halbseitiger Neubau nicht möglich. Anschließend wurde in einem zweiten Bauabschnitt das restliche Drittel der Brücke neu hergestellt. Die Brücke an der Marthastraße wurde in einem Stück errichtet.
Im März 2009 begannen dann auch die Straßen- und Gleisbauarbeiten. Die Straßenbahngleise zwischen Cherusker- und Speckhartstraße wurden auf einer Länge von 150 Metern als so genanntes Rasengleis verlegt. Im weiteren Verlauf bis zur Teutonenstraße sind die Gleisanlagen Bestandteil der Fahrbahnen und mit Gussasphalt befestigt. Der Bahnsteig der Haltestelle Business Tower wurde angehoben und ermöglicht jetzt einen beinahe ebenerdigen Einstieg in die modernen Straßenbahnzüge.
Um den engen Terminplan einhalten zu können, mussten die Straßenbauarbeiten parallel zu den Gleis- und Brückenbauarbeiten erfolgen. Außer den Abstimmungen mit Gleis- und Brückenbau waren auch die Arbeiten der Spartenträger in den Bauablauf des Straßenbaus zu integrieren.
Die Bauarbeiten dauerten vom 12. Januar bis zum 3. Dezember 2009. In der Ostendstraße wurden 38 Bäume neu gepflanzt. (BSZ)

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