Bauen

Das Guggenheim-Museum. (Foto: Wiegand)

02.10.2014

Gehrys Guggenheim machte Mut

Architekturspurensuche in Bilbao

Aus jeder Richtung bannt es den Blick – das Guggenheim Bilbao. Wie die Blätter einer Blume entfalten sich seine gülden glitzernden Teile. Der Geniestreich von Frank O. Gehry aus dem Jahr 1997. Dieses formvollendete, lichtdurchflutete Museum wurde zum Ziel von Menschen aus aller Welt und zum Mutmacher in der von der Stahlkrise gebeutelten baskischen Industriestadt.
Das Guggenheim führte Bilbao aus der Depression und ließ die Stadt wieder aufblühen. Einen Blütenpelz trägt auch „Puppy“, der Riesenwelpe von Jeff Koons auf dem Vorplatz. Seitlich betrachtet ähnelt das Guggenheim einem Fisch und das mit einer Titanschicht überzogene „Blattwerk“ erscheint schuppig. Gehrys Bezugnahme auf das nahe Meer. Auch die Ría de Bilbao zu Füßen des Museums ist ein Meeresarm, überspannt von der 1972 errichteten La Salve Brücke. 2007 – zum zehnjährigen Guggenheim-Jubiläum – schmückte sie Daniel Buren mit einem Roten Bogen. Dagegen stieß die von Santiago Calatrava geplante Zubizuri-Brücke (1997), die sich wie ein Segel über dem Wasser bläht, zunächst auf Kritik. Ihr gläserner Laufsteg war bei Nässe so rutschig, dass die Behörden einen Textilbelag drauflegen ließen. Calatrava forderte wegen des Eingriffs drei Millionen Euro Schadenersatz. Nach jahrelangen Prozessen einiget man sich auf 300 000 Euro.
Dass sich einem Gehry gerne weitere Stararchitekten anschließen, zeigt sich in Bilbao auf Schritt und Tritt. 2007 errichtete der Japaner Isozaki Atea die Twin Towers. 2011 erhielt das Guggenheim mit dem 165 Meter hohen bläulichen Torre Iberdrola von César Pelli einen stattlichen Nachbarn. Fast gleichzeitig mit Gehry kam Norman Foster plus Team bei der Metro zum Zuge und entwickelte eine zweite U-Bahn-Linie mit lichten Bahnhöfen aus Glas, Stahl und Beton. Schon die durchsichtigen Eingänge, von der Bevölkerung „Fosteritos“ genannt, wirken einladend. Zwei sind an der Plaza Moyúa zu sehen, einem Platz, gerahmt von historischen Bauten, wie dem reich verzierten Palacio Chávarri von Paul Hankar (1888), seit 1943 Sitz der Stadtverwaltung. Auch andere Paläste, Zeugnisse einstigen Reichtums, zeigen stolz ihre restaurierten Fassaden.
Eine weitere Besonderheit ist das Alhóndiga, ein ehemaliger Weinspeicher. Dieses 43 000 Quadratmeter umfassende Gebäude wollten die Stadtväter ursprünglich Gehry andienen, doch der mochte sich damit nicht anfreunden. Schließlich hat der französische Architekt Philippe Starck das Riesending bis 2010 in ein Kultur-, Medien- und Sportzentrum inklusive Schwimmbad umgestaltet. Drinnen stützen dunkle Stahlträger die hohen Ziegelwände. Besondere Hingucker sind jedoch 43 unterschiedliche Säulen in der Eingangshalle. Die hat sich Starck ebenso ausgedacht wie die Dachterrasse, auf der im Sommer Liegestühle aufgestellt werden.
Bilbao hat sich durch seinen vielfach prämierten Stadtumbau in eine „Spielwiese“ der Moderne verwandelt. Und darüber hinaus zu einer attraktiven und lebensfrohen Stadt mit jährlich einer Million Besuchern. Flugpassagiere landen in dem von Calatrava geplanten Flughafengebäude La Paloma.
Nach wie vor ist das Guggenheim der Hauptanlass des Kommens, doch anderes kann sich auch sehen lassen, so der Palacio Euskalduna (1999), konzipiert von Federico Soriano und Dolores Palacios. Dort gibt es Musik und Tanz mit modernem Touch. Für die Klassik ist das historische Arriaga-Theater (von 1890) die erste Wahl, für Fußball-Fans das San Mamés Stadion von Athletic Bilbao. Ein runder flacher Bau, entworfen von César Azkárate, in Sichtweite zum knallroten Carola-Kran. (Ursula Wiegand)

(Der Palacio Chavarri mit dem Torre Iberdrola im Hintergrund; die Zubizuri-Brücke und der Carola-Kran mit dem San Mames Fußballstadion - Fotos: Wiegand)

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