Bauen

Das Gewinner-Modell von Dietrich Untertrifaller. (Foto: Studio Roland Schmid)

24.04.2015

Gelungene Verknüpfung aller Nutzungsbereiche

Der Campus der Technischen Universität München im Olympiapark wird neu gebaut

Der Wettbewerb für den Neubau der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften sowie des Zentralen Hochschulsports auf dem Campus der Technischen Universität München (TUM) im Olympiapark ist entschieden. Das Preisgericht sprach sich mit großer Mehrheit für ein Team aus Bregenz, Österreich, aus: Gewinner sind das Architekturbüro Dietrich Untertrifaller mit Balliana Schubert Landschaftsarchitekten.
Der TUM Campus im Olympiapark wird komplett neu bebaut und von Süden erschlossen: Neben Institutsgebäuden, Laboren, einer Bibliothek und Mensa für die Sport- und Gesundheitswissenschaften entstehen Sporthallen, die von der Fakultät und dem Zentralen Hochschulsport (ZHS) gleichermaßen genutzt werden.
Zu den Nutzern zählen rund 2400 TUM- und LMU-Studierende sowie etwa 17 000 Sportaktive pro Semester aller Münchner Universitäten und Hochschulen. Insgesamt haben 125 000 Studierende und 30 000 Angestellte eine Nutzerberechtigung für den ZHS.

27 Entwürfe wurden eingereicht

Am Neubau soll sich das Motto der Fakultät, „Integration von Forschung und Lehre in einer Einheit“, ablesen lassen. Dies im Einklang mit dem denkmalgeschützten Olympiapark in zwei Bauabschnitten zu realisieren, stellte eine besonders hohe Anforderung an die Planer dar. Von 30 eingeladenen Architekturbüros stellten sich 27 in einem anonymen Verfahren der Bewertung einer Jury aus Architekten und Stadtplanern, Mitgliedern der TUM, Politikern sowie Vertretern des Wissenschaftsministeriums.
Zielsetzung des Wettbewerbs war die Bauwerksplanung unter Bewahrung und Fortschreibung der ursprünglichen Komposition von Landschaft und Architektur des nördlichen Bereichs des 1972 entstandenen Olympiaparks. Für das rund 34 Hektar umfassende Gesamtgebiet sollte ein städtebauliches und landschaftsplanerisches Konzept entwickelt werden, das einerseits den multifunktionalen Anforderungen der Nutzer entspricht und gleichzeitig eine neue, glanzvolle Adresse der TUM im Olympiapark schafft.
Nach dem Urteil der Jury wird der Entwurf von Dietrich Untertrifaller mit Ballina Schubert Landschaftsarchitekten diesen Anforderungen in hervorragender Weise gerecht. Das integrative Nutzungskonzept – Forschung und Lehre, Bewegung und Gesundheit – sehen die Preisrichter ausgezeichnet umgesetzt. Dabei überzeugte insbesondere der sehr klare und ruhige Baukörper, den das Architekturbüro präzise in den Landschaftsraum setzt.
In der Bewertung des Preisgerichts heißt es dazu:
„Ein sehr klarer, ruhiger Baukörper wird präzise in den Landschaftsraum gesetzt. Die Höhenentwicklung des Gebäudes ist gut gewählt. Es liegt angemessen in der Sportplatzebene, tritt aber auch als architektonischer Baukörper richtig in Erscheinung. Die Pkw-Erschließung erfolgt eindeutig von Süden. Die Stellplätze sind in einer Tiefgarage und auf Stellplätzen im Süden vor den Hallen ausgewiesen. Die starke Begrünung der Stadtplätze wird im Preisgericht kritisch gesehen. Der Fahrradverkehr erfolgt auch von Westen. Die Zahl der ausgewiesenen Fahrradstellplätze ist nicht ausreichend.

Orthogonale Struktur

Die Nord-Süd-Achse begrenzt die Sportfakultät nach Westen, bindet den großen Sportplatz gut ein und definiert so die zentrale Mitte des Campus. Die orthogonale Struktur der Aufteilung der Sportflächen entspricht dem Grundgedanken der damaligen Planung. Man würde sich eine Differenzierung der langen Nord-Süd-Achse wünschen. Die Sportflächen sind sehr präzise um das Gebäude herum mit einem wohltuenden Abstand zu den Wällen angeordnet. Die Vegetationsstrukturen betonen die gewünschte Präzisierung zwischen den landschaftlichen Wällen und der geometrischen Innenzone.
Der richtig gewählte Raum zwischen Wall und Gebäude wird von einem Steg überspannt, der ganz selbstverständlich von Osten zum Haupteingang im Obergeschoss in die zentrale Erschließungsachse führt, von der aus alle Funktionsbereiche erreichbar sind. Dieses Herz der Anlage ist der Kommunikationsort von dem es Einblicke in alle Sporthallen gibt, an dem alle Seminarräume und Hörsäle liegen und im Westen in überzeugender Weise Mensa und Bibliothek einen Überblick über das gesamte Gelände ermöglichen. In der unteren Ebene der zentralen Achse liegen sehr gut die Umkleiden zu den Hallen. Die Flächen sind angemessen dimensioniert und sind sowohl für den täglichen Betrieb als auch für eine Konferenznutzung gut geeignet. Die gewünschten Laborflächen können sehr gut im 3. Bauabschnitt an den Sporthallen angeordnet werden. Die Institutsräume sind optimal in den Sportbetrieb eingebunden. Die Fassadengestaltung mit den Elementen Holz und Glas ist wie der gesamte Entwurf sehr überlegt und feinsinnig durchgebildet.

Durchführung in zwei Bauabschnitten ist möglich

Die Konstruktion aus Stahlbeton und Holz ist möglich. Das weit auskragende Tribünendach wird in Frage gestellt, schön ist die Geste, aber ob dieses Dach tatsächlich das bauliche Volumen Richtung Westen ausdehnen soll, wird hinterfragt. Die technische Umsetzung müsste weiter untersucht werden. Positiv wird die Nachhaltigkeit des Gesamtkonzeptes gesehen. Die Räume für die Gebäudetechnik sind gut gewählt, einschließlich guter senkrechter Verteilungswege, aber insgesamt etwas zu klein.
Die Wirtschaftlichkeits-Vergleichswerte bewegen sich im durchschnittlichen Bereich. Eine wirtschaftliche Errichtung des Gebäudes ist möglich, wenn die Konstruktion weiterentwickelt wird. Die Durchführung in zwei Bauabschnitten ist möglich. Die Arbeit besticht durch eine große Klarheit sowohl in der Landschaftsgestaltung wie in der Durcharbeitung des Gebäudeentwurfs. Die Vorstellungen der TUM zur Vernetzung Forschung und Sport werden sehr gut umgesetzt.“
Nach dem erfolgreich beendeten Wettbewerb sind alle Beteiligten optimistisch, dass die Entwurfsplanung zügig starten kann. Der Baubeginn ist für spätestens 2017 Anfang 2018 avisiert, die Baukosten beziffern sich auf etwa 130 Millionen Euro.
Die weiteren Preisträger:
2. Preis Architekturbüro Gerber Architekten, Dortmund, mit Landschaftsarchitekt Tim Corvin Kraus.
3. Preis: Hascher Jehle Architekten, Berlin, mit Huttermann Landschaftsarchitektur.
4. Preis: Auer und Weber Assoziierte, München, mit Latz+Partner Landschaftsarchitekten.
5. Preis: Staab Architekten, Berlin, mit Levin Monsigny Landschaftsarchitekten.
Anerkennungen gingen an ARGE JSWD Architekten mit Atelier d’architecture Chaix & Morel et Associes, Köln, mit KLA kiparlandschaftsarchitekten; an ARGE Spreen Architekten mit Waechter + Waechter Architekten, München, mit terra.nova Landschaftsarchitektur sowie an h4a Gessert + Randecker, Stuttgart, mit Hackl Hofmann Landschaftsarchitekten. (Friedrich H. Hettler)

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