Bauen

So wird das Joseph Pschorr Haus aussehen.(Foto: Kuehn Malvezzi)

01.06.2012

Gleichzeitig nach unten und oben bauen

Das Münchner Joseph Pschorr Haus wird in Deckelbauweise errichtet

In der so genannten Deckelbauweise, die auch im U-Bahn- und Tunnelbau eingesetzt wird, baut die Bayerische Hausbau das neue Geschäftshaus in der Münchner Fußgängerzone. Das Gebäude wird auf fünf Obergeschossen, Erdgeschoss und vier Untergeschossen mehrere getrennte Einzelhandelseinheiten, Mietwohnungen sowie eine öffentliche Tiefgarage integrieren.
Eine stützende Untergeschossdecke ermöglicht das zeitgleiche Bauen sowohl in die Tiefe als auch in die Höhe. Nach der Fertigstellung der Baugrubenwände mit 330 Pfählen, Durchmesser 1,20 Meter, errichtete die Bayerische Hausbau im Oktober 2011 eine Bodenplatte, den so genannten Deckel, der die Decke über dem zweiten Untergeschoss darstellt. Dieser wird von der Bohrpfahlwand und durch 52 rund 20 Meter lange Stahlstützen getragen.
Eine Herausforderung war es dabei, die Stützen zuvor unter dem Deckel lotrecht im Boden zu verankern. Im Anschluss wurde mit Baggern unter dem Deckel das Untergeschoss ausgegraben und auf dessen Grund im Januar 2012 die nächste Bodenplatte gesetzt. Diese bildet die Decke über dem vierten Untergeschoss. So arbeitete sich das Projektteam unter der Leitung der Bayerischen Hausbau von Untergeschoss zu Untergeschoss vor. Durch die schrittweise eingebrachten Decken werden die Baugrubenwände gegeneinander abgestützt. Mit Fertigstellung des ersten Deckels startete auch der Hochbau mit der Errichtung der Obergeschosse.
Mittlerweile ist die Baugrubensohle im vierten Untergeschoss in knapp 20 Meter Tiefe erreicht – nach 65 000 Kubikmetern Erdaushub. Zehn Lkws fahren pro Stunde insgesamt zwischen 800 und 1000 Kubikmeter Erdaushub weg und das jeweils bis 20 Uhr. Die 1,50 Meter starke Bodenplatte wird mit Fertigstellung des Gebäudes ein Gewicht von insgesamt rund 48 000 Kubikmeter Beton und 5500 Tonnen Stahl tragen.
„Diese Bauweise ist ideal für beengte Großbaustellen in der Innenstadt, da keine komplizierte Rückverankerung der Bohrpfähle der Baugrubenumschließung – speziell unter angrenzende Nachbargebäuden – notwendig beziehungsweise in der Nähe der S-Bahn möglich ist. Das wäre aufwändig und zeitintensiv. Mit der Deckelbauweise sparen wir somit Zeit“, betont Jürgen Büllesbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bayerischen Hausbau.
Im Herbst 2012 wird das Gebäude das Dach des fünften Obergeschosses in 30 Metern Höhe erreichen. Dann wird das Richtfest gefeiert. Die Fertigstellung des Joseph Pschorr Hauses ist für Herbst 2013 vorgesehen. Über die Investitionssumme schweigt die Bayerische Hausbau, nur so viel, es sei ein hoher zweistelliger Millionenbetrag.
Auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Grundstück zwischen der Neuhauser Straße, der Eisenmannstraße und dem Altheimer Eck entwickelt die Bayerische Hausbau mit dem Joseph Pschorr Haus ein modernes Geschäftshaus mit rund 28 000 Quadratmetern Geschossfläche für Einzelhandel, Mietwohnungen sowie eine Tiefgarage. Das Gebäude wird nach dem Entwurf des Berliner Architekturbüros Kuehn Malvezzi realisiert.
Da im Einzelhandelsbereich der Trend stark in Richtung Differenzierung geht, zieht die Bayerische Hausbau drei individuelle Shoplösungen mit klar umrissenen Verkaufsflächen dem klassischen Kaufhaus vor. Neben dem Einzelhändler MANGO, der auf rund 2300 Quadratmetern den größten MANGO Store weltweit eröffnen wird, mieten die amerikanische Modekette Forever 21 rund 6800 Quadratmeter und das Sportfachgeschäft SportScheck rund 10 000 Quadratmeter der insgesamt rund 19 100 Quadratmeter Einzelhandelsflächen an.
Die Flächen für den Einzelhandel verteilen sich auf das Erdgeschoss, die drei Obergeschosse sowie ein Untergeschoss des Joseph Pschorr Hauses. In der vierten und fünften Etage werden 25 Mietwohneinheiten im gehobenen Segment mit rund 2400 Quadratmetern Mietfläche untergebracht. Die Vermietung startet voraussichtlich im Herbst 2012.
Im zweiten und dritten Untergeschoss ist die öffentliche Tiefgarage mit 214 Stellplätzen situiert. In der untersten Etage befinden sich die Anlieferungszone, die über einen Lkw-Aufzug erreichbar ist, das Lager und die technischen Zentralen. Im Mittelbereich des Gebäudes ist ein Lichthof vorgesehen.
Das Joseph Pschorr Haus, das die Bayerische Hausbau weiterhin in ihrem Bestand halten wird, wurde im Dezember 2010 mit dem Vorzertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) in Gold ausgezeichnet.
Erfahrung bei der Projektentwicklung in zentraler Innenstadtlage kann die Bayerische Hausbau bereits bei der Sanierung des Alten Hofs oder der Errichtung des Benetton-Stores in der Kaufingerstraße 15 sowie bei der Entwicklung des Hugendubel-Gebäudes am Marienplatz vorweisen. 
(Friedrich H. Hettler)

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