Bauen

Der Siegerentwurf des Architekturbüros Brückner & Brückner. (Visualisierung: Brückner & Brückner)

22.09.2014

Information in einer würdigen architektonischen Form

Olympia-Attentat: Erinnerungsort entsteht bis 2016

Das Olympia-Attentat in München ist bis heute im Gedächtnis: 1972 starben elf israelische Sportler und ein Polizist aus Bayern. Bis September 2016 soll auf dem ehemaligen Olympiagelände ein Erinnerungsort entstehen. Der Entwurf dafür wurde nun von einer hochkarätig besetzten Jury ausgewählt.
Zur Realisierung des Erinnerungsorts war im Auftrag von Bildungs- und Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle ein konkurrierendes Verfahren zwischen mehreren Architektur- und Gestaltungsbüros durchgeführt worden. Nachdem eine Jury die eingereichten sechs Entwürfe bewertet hatte, stellte deren Vorsitzende, Barbara Holzer, gemeinsam mit Minister Spaenle im Jüdischen Museum München den Siegerentwurf vor. Es ist eine Arbeit des Büros Brückner & Brückner Architekten.

Kreative Ideen entwickelt

„Ich bin sehr dankbar, dass hier Architekten und Ausstellungsgestaltungsbüros kreative Ideen entwickelt haben, um unser Anliegen, einen Erinnerungsort Olympia-Attentat München 1972 zu schaffen, realisieren zu helfen", so Spaenle. „Auch heute macht diese Bluttat von Terroristen die Menschen in Bayern tief betroffen", betonte der Minister. „Das blutige Attentat im Umfeld der friedlichen XX. Olympischen Spiele wirft nach wie vor Fragen zu den Ursachen, zum Ablauf und zu den Konsequenzen auf. Es darf nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb haben Ministerpräsident Seehofer und ich bei unserem Israelbesuch 2012 angeregt, einen Erinnerungsort zu errichten. Diesem Anliegen sind wir nun mit der Bewertung der Entwürfe ein entscheidendes Stück näher gekommen."

Interessante Aspekte

Dabei geht es dem Minister um drei Kernanliegen: Der Gedenkort soll an das Geschehene erinnern, dieses erklären und daraus Schlüsse ziehen helfen, um den Alltag zu gestalten. Und alle Entwürfe liefern für Minister interessante Aspekte. Letztlich traf die Jury aber eine klare Entscheidung, die die Jury-Vorsitzende Barbara Holzer wie folgt zusammenfasste: „Der Siegerentwurf des Büros Brückner & Brückner zeichnet sich in besonderer Weise dadurch aus, dass er einen Raum schafft, der mit der vorhandenen Landschaft in Interaktion tritt: Ein Schnitt durch den bestehenden Hügel schafft einen Ort des Innehaltens, der in unmittelbarem Bezug zum Tatort Connollystraße 31 steht. Der so entstehende geschützte Ort bietet gleichzeitig überzeugend den Rahmen für die Darstellung der Geschichte des terroristischen Anschlags und der Biographien der Opfer. Die Arbeit öffnet ausreichend Spielraum für die weitere kuratorische Entwicklung. Der Entwurf gestaltet einen Erinnerungsort, in dem sich die Besucher auf die Opfer besinnen können. Er verbindet Konzentration und Kontemplation einerseits mit dem Moment der Irritation andererseits. Der konzipierte Raum bietet ausreichend Fläche für Gruppen; die überdachte, atriumähnliche Konstruktion schafft eine Aura der Würde. Der Raum ermöglicht gleichzeitig durch seine Offenheit und seine Positionierung eine intensive Befassung mit den inhaltlichen Schwerpunkten des Konzepts: der politischen Dimension Olympias, den Nachwirkungen des Attentats, dem internationalen Terrorismus und den deutsch-israelischen Beziehungen.“
Für Spaenle ist der Siegerentwurf ein "faszinierender Entwurf: Der von Brückner & Brückner geschaffene Raum bietet Informationen in einer würdigen architektonischen Form."

Ein freier Ort der Begegnung

Der israelische Generalkonsul Dan Shaham betonte: „Der Raum schafft ein Zentrum, in dem sich Gruppen zusammen finden, sich aber auch individuell informieren können. Es ist ein definierter und dennoch freier Ort der Begegnung. Der Raum strahlt Würde aus, in ihm können sich die Besucher Zeit nehmen, um sich über das Attentat, über die israelischen Sportler und auch den getöteten deutschen Polizisten zu informieren. Hierdurch wird ein tieferes Wissen über die Themen, die hier vermittelt werden, erreicht."
Das konkurrierende Verfahren hatte das Staatliche Bauamt München II durchgeführt. Die Wertungskommission setzte sich aus Experten verschiedener Fachrichtungen und Vertretern mehrerer Einrichtungen zusammen. Ferner gehörten ihr Wissenschaftsminister Spaenle, Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers und der israelische Generalkonsul an.

Sechs Entwürfe

Inhaltlich stehen folgende Aspekte im Mittelpunkt der Konzeption des Gedenkorts: das Attentat am 5./6. September 1972 in München und Fürstenfeldbruck, die elf israelischen Sportler, denen das Attentat galt und die Opfer wurden, die politische Dimension der XX. Olympischen Spiele in München 1972, die Nachwirkungen des Attentats, die deutsch-israelischen Beziehungen und der internationale Terrorismus der 1970er Jahre. In die Konzeption werden auch die Ereignisse am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck einbezogen.
Die Konzeption des Gedenkorts ist von Experten der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, des Jüdischen Museums in München und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in engem Dialog mit Angehörigen der Opfer, mit den zuständigen Behörden sowie dem israelischen Generalkonsulat erstellt worden.
Ihre Entwürfe eingereicht hatten folgende Büros: hg merz architekten museumsgestalter, Berlin, Stuttgart; Bertron Schwarz Frey, Berlin, Ulm, mit Tehiru Architects, Tel Aviv; Martin Kohlbauer Architekt, Wien; chezweitz, Berlin; Brücker & Brückner Architekten mit Winfried Helm, Würzburg, Tirschenreuth; sinai. Landschaftsarchitekten mit ON architektur, Berlin.
Die Entwürfe der sechs Agenturen sind im Jüdischen Museum München, St. Jakobsplatz 16, in München zu sehen: am 23. und 24. September sowie vom 27. September bis 3. Oktober und am 5. Oktober – jeweils 10 bis 18 Uhr. (BSZ)

(Bis 2016 soll auf dem ehemaligen Olympiagelände ein Erinnerungsort entstehen - Visualisierungen: Brückner & Brückner)

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