Bauen

Die neue Turnhalle. (Foto: www.krall-photographie.de)

01.03.2013

Lichtdurchflutete Turnhalle

Ersatz- und Erweiterungsbau für die Franz-von-Lenbach-Realschule in Schrobenhausen

Die staatliche Franz-von-Lenbach-Realschule in Schrobenhausen besteht aus drei Bauabschnitten. Der Bauabschnitt 1, geplant als 10-klassige Realschule, entstand 1975 bis 1978 und stellt ein typisches Beispiel der Schularchitektur der 1970er und 1980er Jahre dar. Plastisch geformte Fassaden in Sichtbeton, Metall und Glas. Aufgebaut auf einem gleichmäßigem Konstruktionsraster, gruppieren sich sämtliche Räume um eine zentrale Pausenhalle. Trotz des konsequenten Konstruktionsrasters hat die Grundrissstruktur eine amorphe Form.
Eine stetig wachsende Schülerzahl in den Folgejahren und die hinzugekommene Reform bei den Realschulen machte eine Erweiterung unabdingbar. Auf der Grundlage eines VOF-Verfahrens wurde das Architekturbüro Obel und Partner aus Donauwörth mit der Erweiterungsplanung beauftragt. Neben den Unterrichtsflächen nach dem Schulbauprogramm mussten auch Flächen aus dem staatlichen IZBB-Sonderprogramm berücksichtigt werden. Neben verschiedenen Räumen, unter anderem für Hausaufgabenbetreuung, wurde auch ein Schülercafé sowie Räume für die Mittagsbetreuung (Speisesaal, Küche) aus dem Sonderprogramm realisiert. Planungsbeginn war 2005. Die Klassenzahl hatte sich von ursprünglich zehn auf 21 Klassen erhöht. Der Bezug erfolgte mit dem Schuljahresbeginn 2006.
Im Gegensatz zur amorphen Grundrissstruktur des Bestands wurde der Erweiterungsneubau straff organisiert. Im Erweiterungsneubau mussten 2150 Quadratmeter Nutzfläche nachgewiesen werden. Die tragende Konstruktion besteht durchwegs aus Stahlbeton (Decken, Wände, Stützen). Stahlbeton hat eine hohe spezifische Wärmespeicherfähigkeit und kann damit ideal für ein ausgleichendes Klima in den Schulräumen eingesetzt werden. Auf diese Eigenschaft wurden der gesamte Innenausbau wie auch die abgehängten Decken abgestellt.
Als zweiter Rettungsweg dient ein frei vor die Fassade gestellter Fluchtbalkon. Der Fluchtbalkon hat keine Verbindung zum Gebäude. Mit diesem Konstruktions- prinzip sind Wärmeausleitbrücken komplett vermieden. Die Fassade wurde auch so gestaltet, dass es keinerlei Durchstoßpunkte gibt. Die geschlossenen Fassadenbereiche haben eine hinterlüftete Ziegelhaut. Das Dach ist ein flachgeneigtes Walmdach, eingedeckt mit vorgefertigten Aluminiumblechen. Aufgrund dieser Aluminiumbleche konnte eine sehr flache Dachneigung ausgeführt werden, welche für den Betrachter ein Flachdach suggeriert.
Die Anbindung des Erweiterungsneubaus (2. Bauabschnitt) war nur in Form eines Verbindungsgangs möglich, um beim Bestandsgebäude einen möglichst verträglichen Anschluss zu finden. Ein direkter Anbau an den Bestand hätte zu einem hohen Verlust an belichteten Unterrichtsflächen geführt. Aufgrund der bereits eingangs erwähnten amorphen Grundrissstruktur des Altbaus sind sämtliche Fassaden mit Unterrichtsräumen belegt. Die Anbindung an den Bestand erfolgte an zentraler Stelle.
Anliegen des Sachaufwandsträgers als auch des Nutzers war, mit dem Erweiterungsneubau auch eine gut nutzbare Aula/Pausenhalle zu erreichen. Die bestehende Pausenhalle im Bestandsgebäude war aufgrund ihrer Ausformung für schulische Großveranstaltungen ungeeignet. Die Räume um die neue Aula im Erweiterungsneubau können mittels flexibler Trennwände bei schulischen Veranstaltungen der Pausenhalle zugeschaltet werden. Dies gilt auch für den Probenraum/Mehrzweckraum, der in seiner Raumhöhe so gestaltet ist, dass er gleichzeitig auch als voll funktionsfähige Bühne genutzt werden kann. Allein die IZBB-Fläche beträgt 580 Quadratmeter.

Das Grundstück
ist nicht erweiterbar


Mit der gestiegenen Klassenzahl erhöhten sich auch die Sportklassen. Mit dem Bau des Bestandsgebäudes wurde 1975 auch eine Einfachturnhalle realisiert. Die Konstruktion hatte in etwa die gleichen Gestaltungsmerkmale wie das Schulgebäude, jedoch mit dem Unterschied, dass die Fassadenkonstruktion ein Konglomerat nicht beherrschbarer Wärmeausleitbrücken darstellte. Eine Machbarkeitsstudie für die Instandsetzung der Turnhalle zeigte, dass die Kosten hierfür deutlich über den fiktiven Neubaukosten lagen.
Bedingt durch den gestiegenen Bedarf an gedeckten Sportflächen in Verbindung mit den hohen Instandsetzungskosten entschloss sich der Bauherr zum Neubau einer Zweifachsporthalle. Gleichzeitig war ein Bedarf an weiteren vier Klassenräumen sowie einem Informatikraum zu befriedigen. Die Schule war in den wenigen Jahren seit Bezug des 2. Bauabschnitts von 21 Klassen auf 24 Klassen angewachsen.
Das Schulgrundstück ist endlich, das heißt, es kann nicht erweitert werden. Im Süden schließt unmittelbar ein Baugebiet an. Auf der West- und Nordseite ist es durch Straßen begrenzt und auf der Ostseite grenzt unmittelbar ein Biotop mit einem Flüsschen an. Mit dem Baugrundstück musste also sehr sorgsam umgegangen werden. Oberstes Gebot war die Vermeidung von nicht nutzbaren Grundstücksrestflächen. Neben dieser Anforderung mussten auch die pädagogischen Forderungen eines optimal funktionierenden Schulgebäudes berücksichtigt werden.
Für die Realisierung des 3. Bauabschnitts kam begünstigend hinzu, das für die Baumaßnahme auch Mittel aus dem Sonderprogramm KPII zur Verfügung standen.
Ohne das gesamte Ensemble um eine weitere gestalterische Dimension zu erweitern, wurden auf der Grundlage des 2005 entstandenen Baukörpers die Formensprachen, Güten, Oberflächen und Farbgestaltungen für den 3. Bauabschnitt voll übernommen. Die Turnhalle als Hauptbaukörper nahm den Platz der alten Einfachturnhalle ein. Der Stahlbetonabbruch wurde übrigens vor Ort gebrochen und als Tragschicht für die neuen, nicht unterkellerten Baukörper an Ort und Stelle wieder eingebaut. Ein am Turnhallengebäude angehängter Längsriegel nimmt nun die Nebenräume der Turnhalle sowie weitere vier Klassenräume und einen Informatikraum im Obergeschoss auf. Über das Obergeschoss wurde der Neubau an den ersten Baukörper angeschlossen. Ein großzügiges, lichtdurchflutetes Treppenhaus führt die Schüler in die neue Turnhalle. Ebenso gibt es von außen zugängliche Erschließungen, getrennt für Schulbetrieb und Vereinssport.
Unter dem Hauptdach der Turnhalle sind weiterhin zwei Geräteräume sowie ein Kraftraum und die Lüftungstechnik untergebracht. Der Platz- und Installationsbedarf der Lüftungsanlage konnte auf ein Minimum reduziert werden. Das zuständige Fachplanerbüro Eppinger aus Schrobenhausen führte unmittelbar Zu- wie Abluft direkt aus den über den Geräteräumen liegenden Technikräumen der Zweifachsporthalle zu.
Möglich wurde dies durch spezielle, justierbare Lüftungsauslässe, konzipiert als Weitwurfdüsen, so dass ein Kurzschluss zu den unmittelbar in Nachbarschaft gelegenen Abluftgittern verhindert werden konnte. Auch treten bei dieser Konstruktion trotz der erhöhten Luftgeschwindigkeiten keine Zugeffekte auf. Rauchproben haben dies bestätigt. Die relativ hohe Zweifachsporthalle begünstigt diesen Effekt insofern, als dass der durch die Weitwurfdüsen entstehende Luftzug quasi zielgenau über den Köpfen hinweg erfolgt. Als haustechnische Besonderheit sei erwähnt, dass aufgrund negativer Erfahrungen des Sachaufwandsträgers mit Sportböden der zugehörige Hohlraum nun auf Wassereintritt flächendeckend hohlraumüberwacht wird.

Bauunterhalt auf
ein Minimum reduziert


Wie bereits beim ersten Bauabschnitt war neben vielen anderen Entwurfszielen auch besonderes Augenmerk auf die Dauerhaftigkeit und Gebrauchstauglichkeit der Konstruktion zu legen. Dem Sachaufwandsträger als auch den Architekten war es ein großes Anliegen, den zukünftigen Bauunterhalt auf ein Minimum zu reduzieren. Große Dachüberstände schützen die Fassaden, geneigte und weitestgehend durchdringungsfreie Dächer leiten das Niederschlagswasser sicher zu den Regenrinnen. Was für die Gestaltung der Außenflächen gilt, gilt selbstverständlich auch für die inneren Raumbegrenzungsflächen.
Die Innengestaltung der Turnhalle gab auch für die übrigen Funktionsbereiche die Richtung vor. Die Wandflächen der Turnhalle sind lasierte Sichtbetonwände und großformatige Prallwandverkleidungen aus Birkenholz. Die Deckenkonstruktion besteht aus sichtbaren Leimbindern mit einer dazwischenliegenden Holzakustikdecke. Große Fensterflächen an den Längsseiten sorgen für eine großzügige, freundliche Stimmung.

Lasierter Sichtbeton für
die Klassen- und Fachräume


Die Turnhalle wurde als Versammlungsstätte für bis zu 600 Personen konzipiert. Auch über Schulfeste hinaus erhalten jetzt Veranstaltungen jeglicher Art einen festlichen Rahmen. Auch die stark beanspruchten Wandflächen in den Flurzonen, Umkleiden, Klassen- und Fachräume sind aus lasiertem Sichtbeton. Flure und Treppenhäuser sind mit einem Jura-Naturstein Bodenbelag versehen. Für die Umkleiden und Duschen wurden Massivholzdecken aus Esche vorgesehen.
Die Freiflächenanlagen erhielten unter anderem überdachte Fahrradabstellplätze sowie ein Nebengebäude für die Müllcontainer. Die Niederschlagswasser des Freiflächenareals konnten im Sinne einer naturnahen Entwässerung nach den Richtlinien des Wasserhaushaltsgesetz und der NWFreiV auf dem Grundstück abgeleitet werden. Durchlässige Beläge, ausschließlich oberflächige Ableitung, Reinigung über Pflanz- /Humusflächen und schließlich Versickerung mit ausreichendem Rückstauvolumen sorgen für eine schadlose Entwässerung der Niederschläge.
Im Zusammenhang mit dem 3. Bauabschnitt wurden auch die Freiflächen weitestgehend neu konzipiert: Pausenhof/Sportflächen, PKW-Stellplätze, Überdachung der Fahrradstellplätze, Mülltonneneinhausung und die Grünflächen.
Der Bruttorauminhalt des 3. Bauabschnitts hat ein Volumen von 17 700 Kubikmetern. Die Hauptnutzfläche beträgt 2185 Quadratmeter. Die Gesamtkosten betragen rund 5,1 Millionen Euro. (BSZ)

(In den Ersatz- und Erweiterungsbau für die Franz-von-Lenbach-Realschule in Schrobenhausen wurden insgesamt 5,1 Millionen Euro investiert - Fotos: www.krall-photographie.de)

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